Artikeltransparenz für mehr Kundenzufriedenheit

RFID in der Textillogistik

Interview mit Uwe Hennig, CEO der Enso Detego GmbH, einem Spezialisten für intelligente Artikelverwaltung, über den Einsatz von RFID in der Textillogistik.

„Die Infrastruktur für Echtzeittrans­parenz sind RFID-Etiketten an jedem Kleidungsstück“, so Uwe Hennig, CEO der Enso Detego GmbH.

Herr Hennig, welchen Einfluss übt die Digitalisierung derzeit auf die Textillogistik aus?
Uwe Hennig:
Die Digitalisierung übt in erster Linie Druck auf das Fulfillment aus. Das Marketing wirbt, der „Always on“-Kunde kauft daraufhin – mal im Laden, mal im Web. Und die Textillogistik muss „springen“. Besonders der modeaffine Kunde ist nicht bereit zu warten. Eine separate Logistik extra für Online-Kanäle aufzubauen, ist in vielen Fällen zu teuer. Die Bestandsführung muss über alle Channels gleichsam und in Echtzeit erfolgen. Nur so kann das Fulfillment überhaupt mit der Digitalisierungsdynamik mithalten. Neben den kleinen Losgrößen, die die Digitalisierung auslöst, sehen wir auch noch andere Einflüsse: nämlich eine massive Digitalisierung im Store. Dort wird Nachschub automatisch ausgelöst. Ware wird vom Backstore auf die Fläche nachgefüllt, aber auch vom Hauptlager zu den Stores. Werden Mindestmengen im Regal unterschritten, tritt ein Frühwarnsystem in Kraft, damit gefährliche „Out of Stock“-Situationen gar nicht erst auftreten. Solche Regallücken bedeuten nicht nur entgangener Umsatz, sondern auch eine gefährliche Schieflage des teuer aufgebauten Marken-Images.

Wie erhält ein Modeunternehmen Echtzeittransparenz über seinen Warenbestand?
Hennig:
Die Infrastruktur für Echtzeittransparenz sind RFID-Etiketten an jedem Kleidungsstück und RFID Lesepunkte an allen wichtigen Stellen in der Lieferkette und im Store. Es sind fixe, aber ebenfalls mobile Lesepunkte. Die Echtzeittransparenz kommt aber erst wirklich zur Geltung, wenn man die Daten auch analysiert und dem Anwender konkrete Handlungsanweisungen in Echtzeit an die Hand gibt.

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Wo liegen die Probleme bzw. Stolpersteine dieser Technologie?
Hennig:
Wie jede Technologie durchlief RFID den üblichen Hype-Zirkel. Vor zehn Jahren total überschätzt, nach dem Motto „RFID löst den Barcode“ ab, wurde von einigen Experten zu viel versprochen. Das hat sich natürlich nicht eingestellt und damit verschwand die Technik vom Radar – mit dem Stempel „funktioniert nicht“. Im Hintergrund haben die Technologieanbieter viel weiterentwickelt. Das Thema „UHF RFID“ ist vollkommen ausgereift, sonst würden Unternehmen wie Marks & Spencer oder Marc O’Polo nicht Millionen von RFID-Tags jedes Jahr verwenden.

Was ist Ihr Rezept für eine intelligente Größenverteilung in den Geschäften?
Hennig:
Entscheider müssen über Dashboards ihr Filialnetz analytisch betrachten können. Es macht keinen Sinn, alle Größen in den gleichen Mengen in alle Filialen pauschal zu verteilen. Regionale Unterschiede, geografisch bedingte Größenmerkmale von größeren oder kleineren Menschen, mehr modebewusste Männer in einer Stadt als in einer anderen, können einer realistischen Abverkaufsverteilung zuträglich sein. Unser Rezept ist eine In-Store-Analytic-Software.

Welche Rolle spielen Mobilgeräte bei einer intelligenten Artikelverwaltung?
Hennig:
Mit mobilen Endgeräten kann ich meinen Verkaufsprozess in der Filiale nicht nur unterstützen, sondern sogar Zusatzverkäufe ankurbeln. Ein Filialmitarbeiter, der mir auf einem Tablet zeigt, welche anderen Artikel Kunden zusammen mit meinem Artikel gekauft haben, der gleichzeitig meine Kundendaten hat, somit meine Größe kennt und weiß, ob dieser Artikel in meiner Größe zur Verfügung steht – Kunden lieben das.

Welche Auswirkungen kann es letztlich mit sich bringen, wenn ein Modeunternehmen seine Artikelverwaltung nicht unter Kontrolle hat?
Hennig:
Die Antwort ist einfach nur Chaos. Die Formel für den Geschäftsbetreiber lautet: Nur Artikel auf der Fläche können auch verkauft werden! Sie müssen für den Kunden sichtbar sein. Viele Modeunternehmen wissen aber gar nicht, wo ihre Artikel sind. Das ist fatal. Findet der Kunde den Wunschartikel nicht, muss er erst einmal geduldig warten, weil eine Verkäuferin erst im Lager nachschauen muss, ob er noch da ist. Kann sie dann keine Auskunft machen, wann der Artikel wieder geliefert wird, ist der Kunde weg und kommt auch nicht wieder. Das gleiche beim „Click & Reserve“-Versprechen, mit dem alle Händler werben. Artikeltransparenz ist, wenn man so will, der Schlüssel zur Kundenzufriedenheit.



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