Elektromüll als Goldgrube

Richtige Entsorgung von Altgeräten

Laut der Deutschen Umwelthilfe befinden sich derzeit rund 72 Millionen Handys in deutschen Privathaushalten, weil viele User nicht wissen, wohin mit ihnen. Dabei bieten Hersteller und spezialisierte Dienstleister sowohl für Privatnutzer als auch für Unternehmen die professionelle Rücknahme, Wiederverwertung und Entsorgung von Altgeräten an.

  • Von Rhenus Dataserv durchgeführte Datenlösch- und Testprozesse für Smartphones vor deren Wiedervermarktung

  • Bernhard Stölzle, Geschäftsführer bei Sims Lifecycle Services: „Der Rohstoffwert eines Smartphones liegt heute bei rund 1,50 Euro.

Nicht alle ausgedienten Mobilgeräte landen auf riesigen Bergen aus Elektroschrott in Schwellenländern, wo Kinder beim Schmelzen der Kabel die giftigen Dämpfe der Isolierstoffe einatmen, um an den begehrten Kupferdraht zu kommen. Solchen Horrorbildern lässt sich leicht ein Riegel vorschieben, wenn sich Privatpersonen oder die IT-Verantwortlichen bewusst mit einer korrekten Entsorgung ihrer Altgeräte beschäftigen.

Generell regeln die EU-Richtlinie Waste Electrical and Electronic Equipment (WEEE) sowie das deutsche Elektro- und Elektronikgerätegesetz (ElektroG) die Rücknahme eindeutig. „Demnach müssen alle Hersteller von Elektronikgeräten ihre Geräte über entsprechende Fachhändler zurücknehmen“, betont Bernhard Stölzle, Geschäftsführer bei Sims Lifecycle Services. Speziell für private Nutzer obliegt die Koordination der Rücknahme laut der auf IT-Rücknahme spezialisierten Rhenus Dataserv hierzulande der Stiftung Elektro-Altgeräte-Register (EAR). Dabei handelt es sich um eine von den Herstellern gegründete Organisation, die die Abholung der Altgeräte von kommunalen Sammelstellen organisiert. Zusätzlich betreiben einige Hersteller freiwillige Rücknahmesysteme, die die Rücknahme von mobilen Endgeräten über Onlineplattformen ermöglicht.

Allerdings räumt Bernhard Stölzle ein, dass die Geräte gemäß dieser Vorgaben lediglich entsorgt und die Materialien dem Rohstoffkreislauf zugeführt werden. „Eine Aufbereitung für die Weiterverwendung oder eine nachhaltige Löschung der darauf gespeicherten Daten findet nicht statt“, so Stölzle. Diesen Part können jedoch spezialisierte Firmen wie Sims oder auch der IT-Dienstleister CHG-Meridian übernehmen. Dabei gilt: Verkauft man nur Einzelteile, kann man höhere Erlöse erzielen als mit dem Gerät an sich. „Dabei wird jedoch der reine Rohstoffwert der Geräte durch Optimierungen in der Produktion abnehmen“, glaubt Bernhard Stölzle. Seiner Einschätzung nach lag der Rohstoffwert eines Smartphones vor fünf Jahren noch bei etwa sechs Euro – heute geht man von ca. 1,50 Euro aus.

Erfolgreiche Wiedervermarktung

Das Geschäft mit dem Elektronikmüll kann durchaus lohnend sein. „So konnten wir von den bislang an uns zurückgegebenen mobilen Endgeräten rund 80 Prozent weitervermarkten“, berichtet Klaus Form, Head of Service Delivery bei dem Anbieter. Dabei verkauft das Unternehmen aus Weingarten bei Ravensburg ausschließlich an Wiederverkäufer – also an Business-to-Business-Kunden, die die Geräte wiederum an Endverbraucher weiterverkaufen. Laut Klaus Form sitzen die Hauptabnehmer vor allem in Deutschland, Osteuropa und Nordafrika.

Bei Smartphones und Tablets mit einem Alter von bis zu drei Jahren verbucht das Unternehmen von Bernhard Stölzle ebenfalls eine achtzigprozentige Wiederverwertung. Ältere Geräte sowie normale Mobiltelefone hingegen seien für einen Wiederverkauf eher uninteressant. Generell übergibt man die gebrauchten Geräte über den hauseigenen Webshops überwiegend in den B2C-Channel oder an Händler, die die aufbereiteten Modelle wiederum an Endkunden verkaufen. „Darüber hinaus werden defekte oder fehlerhafte Geräte von Reparaturcentern oder Unternehmen gerne als Ersatzteilquelle genutzt“, berichtet Stölzle.

Eine Wiederverwertung von 80 Prozent hört sich schon gut an. Einen höheren Wert erreicht man eigenen Angaben zufolge bei Rhenus Dataserv: Hier liegt die Quote der wiederverwendbaren und vermarktbaren Geräte – u.a. aufgrund der gezielten Rücknahme aktueller Modelle – bei derzeit rund 93 Prozent. Doch damit nicht genug, erzielt das Recyclingcenter des Herstellers Fujitsu in Paderborn gemäß eigener Aussage sogar eine Wiederverwertung von bis zu 99 Prozent.

Was passiert mit vorhandenen Daten?

Trotz dieser hohen Wiederverwertungsraten muss letztlich das eine oder Teil doch endgültig entsorgt werden. Laut Experten betrifft dies vor allem Akkus und Batterien, in denen Metalle wie Zink, Mangan, Eisen oder Nickel enthalten sind. Für deren Entsorgung verfügt man laut Rhenus Dataserv in Deutschland über etablierte Recyclingmethoden, die ein sicheres Handling der Stoffe gewährleisten. Dabei werden Batterien nach der manuellen Demontage des mobilen Endgerätes der Stiftung Gemeinsames Rücknahmesystem Batterien (GRS) übergeben. Sie führt die Batterien dann den Recyclingprozessen zu. Die Platinen werden in Metallhütten verarbeitet und dabei Metalle wie Kupfer sowie Edelmetalle wie Gold, Silber und Palladium zurückgewonnen.

Doch bevor Altgeräte überhaupt in die Wiedervermarktung gelangen, sollten sämtliche darauf befindlichen Nutzerdaten unwiderruflich gelöscht werden. Bei CHG-Meridian legt man daher großen Wert auf die sichere Löschung vorhandener Nutzerdaten. „Wir löschen die Geräte mit der Lösung Blancco V.5 und setzen sie auf die Werkseinstellung zurück“, berichtet Klaus Form. Der unwiederbringlichen Löschung hat sich auch Sims Lifecycle Services verschrieben. Laut Geschäftsführer Stölzle laufen dabei sämtliche Prozesse gemäß vorgegebener Standards ab. Überdies lösche man die Daten nur mit vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zugelassener Software. Nicht zuletzt würden Geräte, deren Inhalte nicht löschbar sind, zerlegt und allein die Teile, die keinerlei Daten enthalten, weiterverwertet.

 

Wohin mit den Altgeräten?

Entsorgung über die Mobilfunkbetreiber
Die großen Netzbetreiber nehmen Altgeräte per Post zurück. Dazu können die Kunden portofreie Versandumschläge im Internet anfordern oder in der Filiale abholen. Einige Betreiber nehmen Modelle auch direkt in den Geschäften entgegen.

Entsorgung über Recyclinghöfe
Alte Mobilgeräte können in den kommunalen Abfallsammelstellen kostenlos abgegeben werden. Die Standorte von Recyclinghöfen erfährt man beim örtlichen, kommunalen Abfallwirtschaftsbetrieb.

Verkauf über Kleinanzeigen, Webauktionen und -plattformen
Nutzer können ihre Altgeräte auch über Webplattformen wie Ebay oder Amazon verkaufen. Zudem gibt es im Netz zahlreiche Anbieter, die sich auf den Aufkauf älterer Modelle spezialisiert haben. Doch Vorsicht: Vor dem Verkauf sollten stets alle private Daten wie Adressbuch, Nutzerprofile, Fotos, Online-Banking-Zugänge gelöscht sowie sowie externe Speicherkarten entfernt werden.


Bildquelle: Fairphone, Rhenus Dataserv

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