Alles auf eine SIM-Karte

Roaming-Gebühren vermeiden

Für Firmen kann die Erreichbarkeit im Ausland zur Kostenfalle werden. Truphone will dies mit einer SIM-Karte für B2B-Kunden ändern. Den Ansatz erläutert Adelino Santos, verantwortlich für das Deutschlandgeschäft.

Adelino Santos, Truphone

„Verschiedene Messenger-Dienste bieten heute schon die Möglichkeit, vom Handy aus über das Internet zu telefonieren. Der automatische Wechsel ins WLAN wäre dabei ein absolutes Komfort- und Kostenplus“, berichtet Adelino Santos von Truphone.

Herr Santos, Ihr Unternehmen bietet ein globales Mobilfunknetz für die roaming-freie Smartphone-Nutzung in 66 Ländern. Was steckt hinter diesem Geschäftskonzept?
Adelino Santos:
Unsere Kunden sind berufsbedingt ständig und überall unterwegs. Immer erreichbar zu sein ist für sie wichtig, war bisher jedoch mit hohen Kosten verbunden. Aufgrund der mobilen Infrastruktur muss sich der Geschäftsreisende in jedem Land in ein fremdes Netz einwählen. Da die Auswahl an Providern pro Land begrenzt ist, verliert er die Kostenkontrolle – ganz zu schweigen von Einschränkungen bei Netzqualität, Service und Zuverlässigkeit.

Als internationaler Mobilfunkprovider setzen wir hier an. Unsere SIM-Karte funktioniert wie jede andere Karte nahezu überall auf der Welt. Allerdings haben wir 66 Länder – darunter alle wichtigen Wirtschaftszentren – in unser eigenes Netz integriert. Der Geschäftsreisende logt sich dort in unser Netz ein und nutzt sein Smartphone roaming-frei im Rahmen seines Tarifs. In acht dieser Länder, nämlich in Deutschland, England, Spanien, Polen, den Niederlanden, den USA, Australien sowie Ho ngkong, bieten wir außerdem für jedes Land eine eigene Mobilfunknummer. Für Anrufer aus diesen Ländern ist man quasi zum Ortstarif erreichbar – egal, wo man sich gerade befindet. Das ist deutlich transparenter als Roaming mit einem fremden Provider. Darüber hinaus garantieren wir durch eigene POPs (Points-of-Presence) an einigen weltweiten Knotenpunkten eine Verbindungsqualität wie zu Hause.

Die Diskussion um Roaming-Gebühren ist aktuell wieder frisch entfacht – bleiben sie oder werden sie doch abgeschafft? Schaden Mobilfunkbetreiber damit dem Wachstum der Wirtschaft?
Santos:
Die Frage bezieht sich auf die aktuellen EU-Entscheidungen und betrifft ja nur Europa. Das Thema Roaming-Gebühren ist jedoch weltweit zu sehen. In Europa gibt es zwar aktuell Pläne und Entscheidungen, gewisse Kostengrenzen für Sprache und Daten vorzuschreiben, um so die Kostenfalle „Roaming“ vor allem für Privatanwender zu entschärfen. Diese Entwicklung begrüßen wir, allerdings werden „permanente Datenroamer“, also vor allem Unternehmen, weiterhin höhere Kostenaufschläge hinnehmen müssen.

In diesem Zusammenhang ist es zudem wichtig, das große Ganze im Blick zu behalten. In anderen Staaten und Handelszentren wie den USA, China oder Australien sind die Gebühren nach wie vor hoch. Wer sein Smartphone in diesen Ländern in vollem Umfang nutzt, kann in einem Monat ein kleines Vermögen ausgeben, nur um erreichbar zu sein. Viele Unternehmen erlassen daher Einschränkungen bezüglich der Smartphone-Nutzung. Dies geht jedoch zu Lasten der Produktivität und Flexibilität.

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Die EU hat im letzten Jahr die sogenannte Data Roaming Cap eingeführt, um maximale Datenkosten festzulegen. Ist dies ein erster Schritt in die richtige Richtung?
Santos:
Es ist auf jeden Fall ein erster Schritt in Richtung Transparenz – und damit eine Entscheidung für mehr Kostenkontrolle. Das Besondere an der Data Roaming Cap ist das einfache und effiziente Konzept einer vorher eingestellten Kostengrenze. Sind 80 Prozent des Kostenlimits erreicht, schickt der Provider eine Meldung auf das Handy und informiert den Nutzer. Reagiert dieser nicht und erhöht nicht das Kostenlimit, schaltet die Cap das Daten-Roaming nach Erreichen der Grenze automatisch aus. Also im Grunde ein guter Ansatz. Leider kommt es jedoch auch dadurch zu Produktivitätseinbußen für Unternehmen.

Sind Roaming-Kosten denn das einzige Problem?
Santos:
Wir haben festgestellt, dass die Anzahl der Geschäftsanrufe deutlich steigt, wenn der Anrufer davon ausgeht, ein Inlandsgespräch zu führen. In konkreten Zahlen bedeutet das einen Anstieg im Gesprächsbereich von knapp 142 Prozent in unserem Netz. Wenn ein Truphone-Nutzer von Deutschland aus in die USA telefoniert, sieht der Angerufene die US-Nummer auf der Anrufliste. Er ruft dann eher zurück, weil er denkt, der Anrufer sei vor Ort. Vertriebsleute berichten, dass sie erheblich mehr Anrufe aus dem Ausland bekommen, was die Möglichkeit der Geschäftsabschlüsse erhöht. Aber auch der Aspekt „Service“ wird von den Nutzern oft angesprochen. Wir bieten einen weltweiten, kostenfreien Rund-um-die-Uhr-Service. Es gibt Ansprechpartner für Netzwerk- und Gerätefragen sowie Buchungsoptionen.

Sie bieten keine Flatrate. Welches Tarifmodell verfolgen Sie stattdessen?
Santos:
Die Flatrate ist ein kaufmännisches Modell, vergleichbar mit einer Versicherung. Man zahlt einen Betrag X, um hinsichtlich aller Kosten auf der sicheren Seite zu sein. Zumindest auf den ersten Blick. Denn das Flatrate-Konzept ist so gestaltet, dass die Kosten auf alle Nutzer umgelegt werden. Für einige ist das  profitabel, die Mehrzahl der Verbraucher zahlt jedoch drauf.

Im Ausland gelten die inländischen Flatrate-Modelle zudem nicht und für die wenigsten Geschäftsreisenden lohnt sich ein Auslandspaket. Zusatzkosten sind also unvermeidbar. Die Flatrate wird dadurch zu einer Werbehülse, die ohne Fußnoten nicht existieren kann. Unser Konzept sieht hingegen vor, dass der Kunde ein Kontingent erwirbt und dafür in 66 Truphone-Ländern telefonieren, SMS und Daten-Roaming nutzen kann. Je nach Bedarf kann der Kunde Pakete für einzelne Nutzer buchen oder er schließt einen „Shared Plan“ für ein Team ab. Innerhalb des Pakets ist die Nutzung des Smartphones dann quasi „flat“. Um die Nutzung der Pakete transparent abzubilden, informieren wir über zur Neige gehende Kontingente und bieten Zusatzbbuchungen an. Außerdem gibt es für die Administratoren ein Portal, das über Verbräuche und Kontingente informiert und Tools zur Analyse der Nutzungsgewohnheiten umfasst.

Die mobile Welt dreht sich schnell. Welche Trends sehen Sie im ITK-Bereich?
Santos:
Spannend sind für uns die Entwicklungen in puncto Roaming. Sollte es zu einer europaweiten Lösung kommen, werden die Mobilfunk-Provider ihr Angebot an länderübergreifenden Tarifen ausbauen, um die Bedürfnisse  nach höheren Datenvolumen zu adressieren. Das Nutzungsverhalten hat sich vom Telefonieren und Simsen zum Surfen verlagert. Der Trend geht zu größeren Datenpaketen, die den Voice-Anteil kostenlos mit abdecken. Dienste wie Viper, Wickr o.a. bieten heute schon die Möglichkeit, vom Handy aus über das Internet zu telefonieren. Der automatische Wechsel ins WLAN wäre dabei ein Komfort- und Kostenplus. Dies erfordert eine intelligente SIM-Karte, an der bereits geforscht wird.

Im Fokus steht für uns außerdem die Embedded-SIM – Stichwort „IMSI“. Die International Mobile Subscriber Identity ist sozusagen der Ausweis einer SIM-Karte und leitet alle dort gespeicherten Informationen an den Provider weiter, bei dem man sich anmeldet. Wir haben hier einen neuen Ansatz entwickelt: den IMSI-Broker. Er erkennt, in welchem Land sich der Geschäftsmann befindet, und bietet dem Mobilfunknetz vor Ort diejenige der acht Nummern unserer SIM an, die die kostengünstigste Nutzung bei bester Sprachqualität bietet.

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