Kollege Roboter

Robotik-Innovation durch Startups

Roboter erobern immer mehr Einsatzbereiche. Doch einiges fällt ihnen noch schwer, etwa Sehen und Greifen. Startups entwickeln hier interessante Neuerungen.

Industrieroboter

Moderne Industrieroboter behrrschen auch filigrane Arbeiten

Die Verkaufszahlen für Industrieroboter steigen. Laut des neuen World Robotics Reports ist der Jahresabsatz zwischen 2013 und 2017 um 114 Prozent gestiegen. Allein 2017 wurden mehr als 381.000 Fabrikroboter für insgesamt 16,2 Milliarden Dollar verkauft. Etwas schwächer ist dagegen der Markt für Haushaltsroboter: Der Umsatz für 2018 liegt in dieser Branche laut Juniper Research bei etwa 6 Milliarden Dollar. Ein großer Teil davon geht allerdings auf Staubsaugerroboter zurück.

Industrieroboter beherrschen den Markt, vor allem in der Automobilindustrie. Der Anteil dieser Branche an den Verkäufen liegt seit Jahren bei etwas mehr als einem Viertel. Einen starken Aufschwung gibt es in der Elektronikbranche. Die Unternehmen haben 2014 erst 46.000 Roboter gekauft, 2016 sind sie dann zur Autoindustrie aufgeschlossen und installierten 91.000 Blechkollegen. Auch Kommissionierungsroboter in der Lagerlogistik boomen.

Robotik ist auch für Startups interessant

Die zunehmende Marktbedeutung der Roboter hat viele Startups auf den Plan gerufen. Die Analysten von CBInsights haben mehr als 80 bedeutende Startups identifiziert, die Roboter für die herstellende Industrie, Haushalt und Krankenhäuser produzieren. Die Bedeutung dieses Segments zeigt sich auch in der Explosion des Risikokapitals: 2018 wurden über 250 Finanzierungsrunden mit mehr als drei Milliarden Dollar abgeschlossen. Die seit 2013 aufgelaufenen VC-Finanzierungen geschahen zur Hälfte (52%) in den USA, doch China folgt direkt auf Platz zwei mit 16 Prozent Anteil.

Diese Vielzahl an Startups und Finanzierungsrunde ist erstaunlich, denn der Robotermarkt schien bis vor wenigen Jahren in den festen Händen der Marktführer Dürr, Kuka, Yaskawa, Fanuc, ABB und Misubishi. Doch gerade scheinbar festgefügte Märkte sind ein Ansatzpunkt für disruptive Unternehmen. Die meisten der Startups widmen sich weniger den Dinosauriern der Industrieproduktion, sondern sogenannten „Collaborative Robots“ (Cobots), die mit Menschen zusammenarbeiten. Sie besitzen einen dynamischen, mit Sensorik aufgerüsteten Arm, sodass sie flexibel auf die Anwesenheit von Menschen reagieren können.

Sehen und Greifen sind noch Problemfelder

Ein Feld für Neuentwicklungen ist Computer Vision. Denn Cobots müssen das Sehen lernen, um mit Menschen zusammenarbeiten zu können. So entwickelt das Startup Vicarious ein Bilderkennungssystem auf der Basis von Deep Learning, dass Robotern das sichere Erkennen von Objekten ermöglichen soll. Passend dazu arbeitet Kindred an einem mit optischen Sensoren ausgestatteten Roboterarm, der in unstrukturierten Umgebungen Objekte anfassen und platzieren kann.

Gerade das Anfassen ist ein großes Problem für Roboterarme, denn sie sind zu stark für die Welt der Menschen. Das ist ein recht großes Hindernis, wenn Roboter beispielsweise Lebensmittel (etwa die sprichwörtlichen rohen Eier) oder empfindliche, leicht verpackte Waren in der Logistik behandeln müssen. Eine wichtige Technologie für Greifwerkzeug mit der notwendigen Empfindlichkeit ist die sogenannte Elektroadhäsion, wie sie von Grabit genutzt wird. Sie basiert auf der Tatsache, dass elektrostatisch aufgeladene Objekte unter bestimmten Umständen aneinanderhaften.

Robots as a Service und Retrofitting vergrößern den Markt

Neben ihren Problemen beim Sehen und Greifen besitzen herkömmliche Industrieroboter noch eine weitere Schwäche: Sie sind teuer, besonders für kleine und mittelgroße Unternehmen. Doch auch hier gibt es Ansätze, zum Beispiel Robotics as a Service (RaaS). Das Startup Ready Robotics bietet mit seiner Forge-Station ein flexibles Cobot-System, das mit Apps an Anforderungen angepasst werden kann und als Mietgerät vertrieben wird. Dadurch soll der Markt für gewerblich genutzte Roboter deutlich vergrößert werden.

Und auch das Retrofitting vorhandener Elektro-Kleintransporter für die Logistik ist möglich. Es erlaubt kleineren Unternehmen den Investitionsersatz und sorgt ebenfalls für neue, potentielle Zielgruppen. Das Startup Brain Corp entwickelt dafür ein eigenes System, das aus einer Motorsteuerung, Kameras, Bilderkennungs-Software und einem autonomen Navigationssystem besteht. Damit können unter anderem Bodenreinigungsgeräte zu autonomen Reinigungsrobotern aufgerüstet werden.

Bildquelle: ABB, Zürich

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