„Ein Rugged Device zeichnet sich in erster Linie durch sein Gehäuse aus. Dieses muss mindestens schock-, stoß- und fallgeschützt sein", berichtet Martin Haaf, Geschäftsführer der i.Safe Mobile GmbH.
RG 910: Das neue 8-Zoll-Outdoor-Tablet von Ruggear ist für den industriellen Einsatz konzipiert.
Das Outdoor-Smartphone Ruggear RG730 verbindet aktuelle technische Standards mit Robustheit und modernem Design.
Herr Haaf, wie hat sich der Rugged-Devices-Markt in den letzten Jahren entwickelt?
Martin Haaf: Der Rugged-Devices-Markt befindet sich im Aufwärtstrend, da im industriellen, wie auch im privaten Bereich die Anforderungen an die Robustheit der Geräte steigen.
Welchen Einfluss üben die Digitalisierung und Industrie 4.0 auf jenen Markt aus?
Haaf: Das Thema Industrie 4.0 hat einen maßgeblichen Anteil am Wachstum des Marktes von professionellen, robusten Geräten. Die Industrie setzt mehr und mehr auf die vollständige Digitalisierung ihrer Prozesse sowie Dokumentationen und hierfür ist natürlich eine Grundvoraussetzung, entsprechende indus-
trietaugliche Geräte zur Verfügung zu haben.
Welche Kriterien muss ein mobiles Endgerät grundsätzlich erfüllen, damit es als Rugged Device bezeichnet werden darf?
Haaf: Ein Rugged Device zeichnet sich in erster Linie durch sein Gehäuse aus. Dieses muss mindestens schock-, stoß- und fallgeschützt sein. Desweiteren benötigt ein solches Geräte einen hohen IP-Schutz und sollte daher zumindest die Schutzart IP65 erreichen. Eine höhere Einstufung ist in jedem Fall von Vorteil. Aber auch die Lesbarkeit des Displays bei Sonnenlicht ist ein wichtiges Kriterium und muss bei einem Rugged Device gegeben sein.
Welche Faktoren machen ein Rugged-Modell zugleich industrie-4.0-tauglich?
Haaf: Ein industrie-4.0-taugliches Gerät sollte grundsätzlich auf dem aktuellsten Stand der Technik sein, da die Performance von Prozessorleistung und Batterie, in Kombination mit der Anwender-Software, eine maßgebliche Rolle spielt. Anders als beim Einsatz im Konsumerbereich müssen die Geräte bis zu zehn Stunden bei nahezu voller Leistung einsatzfähig sein.
Dies ist ein Artikel aus unserer neuen Print-Ausgabe. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo frei Haus.
Welche Rolle spielen an dieser Stelle internationale Sicherheitsstandards wie IP68 und MIL-STD 810G?
Haaf: Die genannten internationalen Sicherheitsstandards sind Grundvoraussetzung beziehungsweise stellen die Mindestanforderung für ein Rugged Device dar. Ein entsprechend qualitativ hochwertiges Rugged Device muss natürlich weitere Standards erfüllen, um als Qualitätsprodukt bestehen zu können.
Welche konkreten Tests müssen Rugged Devices bestehen, um jenen internationalen Standards zu entsprechen?
Haaf: Bei den zuvor genannten Standards geht es um die Staub- und Wasserdichtigkeit wie auch um die Sturz-, Fall-, und Schockbeständigkeit. Natürlich kommen hier noch weitere Tests auf die Liste, welche auch in der technischen Militärnorm MIL-STD-810 gefordert sind. Bei den vorn genannten handelt es sich ausschließlich um einen Auszug der wichtigsten Standards.
Wie lässt sich insbesondere der Explosionsschutz der Geräte sicherstellen? Wie darf man sich hier die Tests bzw. entsprechenden Testumgebungen vorstellen?
Haaf: Wenn wir von Explosionsschutz sprechen, dann sind zu den Rugged Devices diverse gravierende Unterschiede zu berücksichtigen. Dies fängt bereits bei der Entwicklung der Elektronik an. Hier müssen im Vergleich deutlich mehr Schutzkomponenten integriert werden als bei den Rugged Devices – und auch an die Stabilität der Gehäuse werden nochmals höhere Anforderungen gestellt als die im MIL-Standard geforderten. Aus diesen Gründen sind Ex-Geräte nicht vergleichbar mit Rugged Devices. Wir als Hersteller von Beidem lassen natürlich unser Know-how aus den verschiedenen, uns vorliegenden Normen in alle unsere Produkte einfließen. Dies erhöht auch den internen Anspruch, ein besonders robustes Gerät zu entwickeln.
Die i.Safe Mobile Academy bietet mit ihrem Spezialistenteam umfangreiche Schulungen zum Thema „Explosionsschutz“ an. Wer sind hier Ihre Anwender?
Haaf: Unsere Schulungsteilnehmer kommen ausschließlich aus fachspezifischen Abteilungen der chemischen, pharmazeutischen, der Öl- und Gasindustrie sowie aus dem Bereich Bergbau und der Lebensmittelindustrie.
Inwiefern unterscheiden sich die Nutzungsansprüche von beruflichen/industriellen und privaten Anwendern? Sprich: Was erwarten Industrieanwender von ihrem robusten Gerät? Worauf legen Privatanwender besonders wert?
Haaf: Das ist eine spannende Frage. Der Hauptunterschied liegt in der Performance der Geräte. Ein Industriekunde prüft die Verfügbarkeit der Geräte über mehrere Jahre, den dahinterstehenden Support, die IT-Sicherheit des Operating-Systems, die Laufzeit des Akkus und die Praxistauglichkeit im täglichen, rauen Einsatz. Ein Endkunde dagegen schaut mehr auf die Prozessorleistung, das Design und den Preis.
Was sind die derzeitigen Schwachpunkte von Rugged Devices? An welchen Stellen sehen die Anwender Verbesserungsbedarf?
Haaf: Viele Rugged Devices sind nicht wirklich rugged und weisen daher schnell Defekte durch Wassereinbruch oder zerbrochene Displaygläser auf. Auch sind Rugged Devices oft nur mit älteren Betriebssystemversionen verfügbar und auch nicht update-bar. Zudem sind sie oft schwer, unhandlich und nicht unbedingt stylisch.
Was sind die Herausforderungen beim Rugged Mobile Device Management – insbesondere auch im Hinblick auf unterschiedliche, im Einsatz befindliche Betriebssysteme?
Haaf: Mittlerweile zeigt sich auch im Rugged-Markt, dass sich Android mehr und mehr in Anwendung befindet. Daher kommen die android-spezifischen Mobile-Device-Management-Systeme vermehrt zum Einsatz, welche auch unsere Geräte zum größten Teil unterstützen.
Seit Oktober ist ein neues Highend-Tablet – das RG910 – erhältlich. Welche Zielgruppe fokussieren Sie mit diesem? Für welche Anwendungsbereiche ist das Gerät interessant?
Haaf: Mit unserem RG910 fokussieren wir in erster Linie den Einsatz in der Industrie. Dementsprechend haben wir bereits vorab Anfragen aus den verschiedensten Industriezweigen, wie beispielsweise dem Baugewerbe, der Landwirtschaft, dem Logistikbereich, der Gebäudetechnik, dem Medizinbereich etc. Sprich, aus allen Bereichen, in denen sich die Digitalisierung der Prozesse etabliert und ein großes Display benötigt wird. Aber auch im Bereich der privaten Nutzung findet das RG910 Anwendung. Insbesondere im Outdoor-Bereich, wo Schmutz, Feuchtigkeit sowie eine raue Umgebungen vorherrschen.
Was schreckt den einen oder anderen Anwender Ihrer Ansicht nach davon ab, generell auf Rugged-Modelle zu vertrauen? Ist es das Design? Der Preis?
Haaf: Wie schon erwähnt war bis dato kein vernünftiges Rugged Device verfügbar, welches ein ansprechendes Design und Funktionalität mit neuster Technologie zu einem vernünftigen Preis bot. Bei der Entwicklung des neuen Ruggear-Tablets RG910 haben wir all diese Faktoren berücksichtigt, sodass dieses Gerät bei den Anwendern auf großen Zuspruch trifft.