Maritim 4.0: Digitales Schiff als Informationsdrehscheibe

Röntgenblick dank AR-Brille

Im September präsentiert das Fraunhofer IGD in Hamburg die Möglichkeiten der effizienten 3D-Datennutzung mittels Augmented-Reality-Brille (AR).

Komplexe 3D-Modelle als Informationsdrehscheibe für Planung, Einkauf, Qualitätssicherung oder Wartung

Komplexe 3D-Modelle als Informationsdrehscheibe für Planung, Einkauf, Qualitätssicherung oder Wartung

„Maritim 4.0“ ist das aktuelle Schlagwort in der Schiffbaubranche und steht für die Digitalisierung sämtlicher Prozesse von der Planung über die Konstruktion bis zur Wartung. CAD-Modelle enthalten alle Informationen über Geometrie, Materialien und Funktion – der Umfang der enthaltenen Daten macht sie aber auch häufig zu wahren „Datenmonstern“, die extrem große Speicherkapazität erfordern und lange Ladezeiten mit sich bringen. Diese Herausforderung meistert die vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung entwickelte Plattform Instand3Dhub, die verschiedenste Datenformate vereinheitlicht und über den Webvis-Viewer via Webbrowser in Echtzeit nur diejenigen Daten bereitstellt, die gerade betrachtet werden. 3D-Modelle können dadurch ohne Installation spezieller Programme auf nahezu jedem Endgerät problemlos ausgegeben werden. Dieser effiziente webbasierte Zugang ermöglicht deutlich mehr Mitarbeitern auf allen Ebenen der maritimen Industrie Zugriff auf Produktdaten. Durch die einfache Verknüpfung des 3D-Modells mit verschiedensten anderen Daten können Mitarbeiter aus Planung, Einkauf, Qualitätssicherung oder Wartung ortsunabhängig verschiedenste Szenarien visualisieren und damit ein zügiges Verständnis der Sachlage erhalten. Das digitale Schiff wird zur umfassenden Informationsdrehscheibe, welche die maritime Wirtschaft bei der Digitalisierung ihrer Prozesse optimal unterstützt.

Am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand auf der SMM können Messebesucher mit der Augmented-Reality-Brille Hololens selbst die Leistungsfähigkeit der Datenbereitstellung über Instand3Dhub ausprobieren und virtuell in ein komplexes 3D-Modell eintauchen. Die Vorteile gegenüber anderen Ansichtsformen wie z.B. dem Tablet sollen in der natürlicheren Interaktion via „optical see through“ liegen. Auch sei es selbst mit der Hololens und ihrem begrenzten Speicher möglich, komplette Schiffs- oder Anlagenmodelle zu sehen und nicht nur einzelne Teilausschnitte. Mögliche Anwendungsszenarien für die Visualisierungslösung des Fraunhofer IGD können Montageanleitungen in Echtzeit oder die intuitive Darstellung zum Lieferstatus einzelner Elemente sein. Denkbar ist laut Anbieter auch der Einsatz beim Refitting in Form virtueller Bauraumuntersuchungen vor notwendigen Nachrüstungen oder die Einbindung bei der Familiarization, also dem intensiven Training der Crew bereits vor Fertigstellung des Schiffes. Bei komplexen maritimen Anlagen könne die AR-Brille zu einem „Röntgenblick“ verhelfen, der verschiedenste Betriebszustände visualisiert und eine vorausschauende Wartung fördert.

Bildquelle: Fraunhofer IGD / Flensburger Schiffbau-Gesellschaft

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok