Dr. Norbert Verweyen, Geschäftsführer bei RWE Effizienz
Herr Verweyen, welche neuen Entwicklungen treiben derzeit den Markt für Smart-Home-Lösungen über die gängigen Sicherheits-, Energie-Management- oder Multi-Media-Apps hinaus um?
Norbert Verweyen: Neue Entwicklungen ergeben sich aus der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung, immer mehr IoT-fähige Geräte können in Smart-Home-Lösungen integriert werden. Wir konzentrieren uns weiterhin auf Anwendungen, die Kunden einen konkreten Nutzen bieten, etwa indem wir auch Photovoltaik-Anlagen und Solarstromspeicher vernetzen. RWE Smart Home schaltet dann gezielt Verbraucher zu, wenn die Sonne scheint und steuert den Stromspeicher.
Egal, wofür Smart-Home-Lösungen genutzt werden, sie betreffen stets äußerst private Belange. An welchen Stellen lauern bei der Nutzung aktuell noch die größten Gefahren bzw. wo gibt es die größten Sicherheitslücken?
Verweyen: Sicherheitslücken ergeben sich etwa aus unzureichender Verschlüsselung. Das gilt für sowohl für die Gerätekommunikation als auch für die Kommunikation mit dem Backend oder dem Rechenzentrum. Problematisch ist aus meiner Sicht, wenn im System gar keine Authentifizierung des Nutzers vorgesehen ist. Da können Daten leicht von außen abgegriffen werden. Als Kunde sollte man eine Datenschutzerklärung verlangen.
Mit welchen Maßnahmen lässt sich das Connected Home bestmöglich absichern und beispielsweise vor unbefugten Zugriffen oder gezielten Attacken aus dem Internet schützen?
Verweyen: Der Anwender muss im eigenen Interesse ganz unabhängig von der Haussteuerung darauf achten, dass sein PC oder Smartphone sicher im Netz unterwegs ist. Passwörter sollten natürlich nicht allzu banal gewählt werden. Doch für die Sicherheit der Haussteuerung selbst und die der IT-Infrastruktur müssen schon die Anbieter sorgen und diese Sicherheit laufend durch unabhängige Tests verifizieren lassen, etwa durch den VDE oder den TÜV-IT.
Die meisten privaten Smart-Home-Lösungen sammeln ununterbrochen Daten – wohin werden diese Daten in der Regel gesandt? Wie transparent sind die Speicherorte für die Endnutzer?
Verweyen: Wir transportieren die Daten für die Steuerimpulse, aber speichern sie nicht. Die bei RWE Effizienz – in Rechenzentren in Deutschland – vorgehaltenen Benutzerprofile, Energieverbrauchsdaten und Geräteprotokollierungen unterliegen den strengen Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes. Sie werden weder für eigene Zwecke genutzt noch an Dritte weitergegeben. Die Datenhoheit liegt allein beim Kunden. Das hat für uns höchste Priorität.
Wie können Smart-Home-Daten sicher weitergeleitet und abgespeichert werden? Inwieweit werden dabei Verschlüsselungsverfahren genutzt?
Verweyen: RWE Smart Home verwendet die nach dem heutigen Stand der Technik besten Verschlüsselungen für Datenübertragungen. Die Nachrichten für die Steuerimpulse werden daher entsprechend kryptisch dargestellt. Darüber hinaus setzen wir selbst unsere Computersysteme immer wieder hohen Sicherheitsprüfungen aus, sogenannten Penetrationstests, um keine Sicherheitslücken zu übersehen.
Wie ist es um Standards im Smart-Home-Umfeld derzeit bestellt? Inwieweit ist die Interoperabilität im vernetzten Heim bereits möglich?
Verweyen: Es herrscht kein einheitlicher Standard vor. Doch auf dem Gebiet der Interoperabilität gibt es große Fortschritte. Anbieter öffnen ihre Systeme und schaffen Plattformen. Neue Kommunikationsprotokolle ermöglichen die nahtlose Einbindung von Geräten in verschiedene Umgebungen unabhängig vom verwendeten Übertragungsstandard. Der direkten Kommunikation von Gerät zu Gerät kommt im Internet der Dinge große Bedeutung zu.
Welche Marktteilnehmer – z.B. Anbieter, Verbände oder die Gesetzgeber – bemühen sich besonders um die Etablierung von nationalen und internationalen Standards?
Verweyen: Die Smart-Home-Technologie ist im Zusammenhang mit der digitalen Transformation von Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft und Verwaltung zu sehen. Entsprechend zahlreich und vielfältig sind Forschungseinrichtungen, Unternehmen sowie Wirtschafts- und Interessensverbände beispielsweise auf dem Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung vertreten. Führende Verbände sind sicherlich Bitkom, VDE und ZVEI.
Auf welche Standards und Zertifizierungen sollten Anwender bei der Anschaffung neuer Smart-Home-Lösungen vor allem achten?
Verweyen: Neben der Offenheit der Systeme sollte man darauf schauen, wem man die persönlichen Daten anvertraut und wie sicher sie gehandhabt werden. Datensparsamkeit, Datenverschlüsselung und Datenschutz sind uns wichtig. Die Wirksamkeit dieses Sicherheitskonzepts haben unabhängige Prüfungen durch die Magdeburger IT-Beratungsfirma AV-Test sowie auch durch den VDE – der damit erstmals das Backend einer intelligenten Haussteuerung auf den Prüfstand stellte – bereits 2014 bestätigt.