Kauft Samsung Apple Pay den Schneid ab?

Samsung übernimmt Bezahldienst Looppay

Kommentar von Rudolf Linsenbarth, Senior Consultant bei der Cocus Consulting GmbH und Experte für Mobile Payment, über ein neues Magnetverfahren, das das Bezahlen mit dem Smartphone an allen Kreditkartenakzeptanzstellen ermöglicht

  • Looppay sendet die Informationen der Magnetstreifen von Kreditkarten drahtlos, wenn das Smartphone mitsamt Zusatzhülle in die Nähe des Lesegeräts gehalten wird.

  • Der Kommentator, Rudolf Linsenbarth, ist Senior Consultant bei der Cocus Consulting GmbH und Experte für Mobile Payment.

Nachdem Apple im letzten Jahr mit der Verkündung von Apple Pay große Wellen geschlagen hat, sickern nun Gerüchte um ein neues Bezahlsystem von Samsung durch. Demnach soll der Apple-Konkurrent für das Galaxy S6 ein System vorsehen, dass statt auf NFC-Technologie auf Altbekanntes setzt: magnetische Signale. Statt per herkömmlicher Plastikkarte mit Magnetstreifen soll der Kunde dann mit seinem Samsung-Handy zahlen können. Der Vorteil gegenüber Apple: Die Lesegeräte sind bereits überall vorhanden, wo per Kreditkarte und Magnetstreifen bezahlt werden kann.

Samsung hat dazu den Bezahldienst Looppay übernommen, zu dessen Investoren auch Visa zählt. Mittels Looppay können bereits heute Magnetkarten ausgelesen und die Informationen abgespeichert werden. Zur Übertragung der Daten hat der Dienst eine Antenne entwickelt, die den Austausch mit gewöhnlichen Magnetkartenlesern möglich macht. Am Point-of-Sale wird also die vorhandene Infrastruktur genutzt. Um die Lösung noch sicherer zu machen, arbeitet Samsung unter anderem offenbar an einem neuen Fingerabdruckscanner.

Während der Service von Samsung bislang in erster Linie ein Gerücht ist, lässt sich Looppay bereits testen. Unser Test des Systems, durchgeführt bei einem POS-Hersteller in Deutschland, brachte interessante Ergebnisse. Das Beste an dem Angebot ist die Idee, vorhandene Kartenterminals zu nutzen. Auch die Tatsache, dass es den Entwicklern gelungen ist, die Magnet-Technik funkkompatibel zu machen, verdient Lob. Das kleine externe Kästchen mit der verbauten Antenne hat allerdings wenig Eigenintelligenz. Welche Karte man nutzen möchte, wird über die App ausgewählt. Das Looppay-Fob kann entweder über die Audiobuchse oder per Bluetooth mit einem Smartphone verknüpft werden.

Zwar lässt sich nach erfolgter Auswahl einer Standardkarte mit dem Gerät auch ohne angeschlossenes Handy bezahlen. Die Karte wechseln kann man jedoch ausschließlich über die App. Es stellt sich also die Frage, welcher Kunde dazu bereit ist, zunächst ein Gerät an sein Smartphone anzuschließen, bevor er für seinen Kaffee bezahlen kann. Wenn das System komplett im Smartphone integriert ist, sieht das Bedienszenario allerdings schon ganz anders aus.

Kunden wollen einfache Bedienbarkeit

Zielmarkt von Looppay und gegebenenfalls Samsung sind in erster Linie die USA. Anders als in Europa basieren Kreditkarten hier weiterhin überwiegend auf Magnetstreifen. Zudem ist davon auszugehen, dass Samsung vor allem seinem großen Rivalen Apple ausstechen möchte. Apple Pay kann bislang nur in den USA genutzt werden. Doch selbst dort akzeptieren derzeit lediglich drei Prozent der Händler das System. Mit der Magnettechnologie würde Samsung dagegen auf einen Schlag 90 Prozent des Handels abdecken. Anders als bei Apple Pay könnten Händler die Lösung auch nicht deaktivieren – es sei denn, sie würden zeitgleich auch keine gewöhnlichen Kreditkarten mehr akzeptieren. Für die neue Lösung spricht auch, dass in den USA derzeit 60 Banken Apple Pay unterstützen, aber mehr als 5.000 Banken und Herausgeber auf Magnetstreifen setzen. Zusätzlich ließen sich wohl entsprechende Kunden- und Bonuskarten in die Samsung-Lösung integrieren.

Dass Samsung deshalb den bisherigen NFC-Weg verlässt, ist nicht gesagt. Denkbar ist durchaus, dass das Unternehmen zweigleisig fährt. Vor allen in Europa geht die Tendenz beim mobilen Zahlen klar zu NFC. Hinzu kommt, dass z.B. in Deutschland viele Kredit- und EC-Karten mittlerweile Chips statt Magnetstreifen für den Bezahlvorgang nutzen. Allerdings sind auch hier die Terminals für Magnetstreifen im Handel weiterhin vorhanden und selbst die Chip-Karten immer noch mit einem Streifen versehen. Letzterer wird in diesen Fällen weiterhin benötigt, um bei der Bank die Tür zum Geldautomaten zu öffnen.

Ob Samsung der große Wurf gelingt, dürfte sich am 2. März zeigen, wenn das Galaxy S6 auf dem Mobile World Congress in Barcelona vorgestellt wird. Mit Looppay könnte dem südkoreanischen Unternehmen ein Schlag gegen Apple gelingen. Viel wird dann davon abhängen, wie gut die integrierte Antenne funktionieren wird, wie der Zugriff auf die hinterlegten Karten geschützt ist und welche Lösungen andere Hersteller im Köcher haben. Eine weitere wichtige Voraussetzung ist, dass das Bezahlverfahren per Magnetstreifen vor allem in Europa nicht eingestellt wird. Sollte Samsung in Barcelona tatsächlich eine ausgereifte Lösung präsentieren, dürfte uns das Magnetverfahren allerdings noch eine Weile erhalten bleiben.


Bildquelle: Looppay

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