Digitalinitiative

Schafft 1, 2, 3, viele Silicon Valleys

Die digitale Initiative des Bundeswirtschaftsministers bekommt langsam Gestalt: 12 digitale Zentren sollen die Digitalwirtschaft fördern.

Das digitale Dutzend ist voll, dass Bundeswirtschaftsministerium hat jetzt die letzten der insgesamt zwölf Standorte für seine Digital-Hubs-Initiative bekannt gegeben. Ähnlich wie die sechs DWNRW-Hubs sollen die Hubs die Vernetzung zwischen Gründern, etablierten Unternehmen und Wissenschaftlern vorantreiben, um gemeinsam digitale Innovationen zu schaffen. Die folgenden Standorte sind vorgesehen:

  • Chemie in Ludwigshafen und Mannheim
  • FinTech in Frankfurt am Main und Darmstadt
  • Future Industries in Stuttgart
  • Gesundheit in Nürnberg und Erlangen
  • InsurTech in Köln
  • Internet of Things und FinTech in Berlin
  • Künstliche Intelligenz in Karlsruhe
  • Logistik mit dem Schwerpunkt Intralogistik in Dortmund
  • Logistik mit dem Schwerpunkt maritime und City-Logistik in Hamburg
  • Medien in Potsdam
  • Mobility in München
  • Smart Systems, Energie und Internet of Things in Dresden und Leipzig

Bundesweit verteilte Digitalzentren

Die Bundes-Hubs spiegeln im groben die Struktur der Exzellenzcluster, Fraunhofer-Institute und Universitäten sowie der wichtigsten Vertreter der Schlüsselindustrien wieder. Außerdem wird hier auch sicher wieder der typisch deutsche Föderalismus wirksam sein: Die größeren Länder müssen schon aus Prestige-Gründen wenigstens zwei eigene Hubs haben. Kurz und gut, die Standorte sind sicher penibel nach dem politischen Gewicht austariert worden.

Solche Befindlichkeiten haben bereits bei der Initiative Digitale Wirtschaft NRW dafür gesorgt, dass statt der ursprünglich nur fünf Regional-Hubs unbedingt sechs gegründet werden mussten. In der Konsequenz gibt es nun auf sehr kleinem Raum sehr viele Digital-Hubs (Aachen, Düsseldorf, Köln, Bonn). Aber so funktioniert Politik halt, auch Wirtschaftspolitik.

Doch die Digitalszene in Deutschland tickt anders und ist zudem noch anders organisiert, als die Politiker es gerne sähen. Ein Beispiel: Künstliche Intelligenz ist in Karlsruhe angesiedelt, was wohl in erster Linie am bekannten Karlsruher Institut für Technologie liegt. Wer sich in der KI-Szene in Deutschland auskennt, hätte aber eher Saarbrücken als Standort erwartet.

Denn dort gibt es bereits einen wichtigen Mitspieler in diesem Bereich: Das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz (DFKI). Vermutlich hat das Wirtschaftsministerium darauf verzichtet, weil das DFKI bereits ist, was die Hubs noch werden müssen: Die bundesweit wichtigste Kontaktstelle zwischen Unternehmen inklusive Google und der KI-Forschung.

Ein zweiter möglicher Standort wäre übrigens Berlin gewesen. Hier tummeln sich bereits Dutzende von KI-Startups und die Gründungsfrequenz scheint noch anzusteigen. Immerhin: Berlin darf sich um seinen zweiten Digital-Schwerpunkt kümmern, das Internet der Dinge. Auch hier gibt es eine ganze Reihe von Startups, die auch das Interesse von Investoren aus dem Silicon Valley auf sich gezogen haben.

Anlaufstellen für Gründer und Investoren

Jetzt gibt es also zwölf locker verteilte Digital-Hubs, die im Unterschied zu den NRW-Hubs keinen regionalen, sondern einen thematischen Fokus haben. Wunsch des Wirtschaftsministeriums ist, mit diesen Initiativen 1, 2, 3, viele Silicon Valleys schaffen. Hierfür ist wie in den USA der enge Kontakt zwischen Universitäten, Gründern, Unternehmen und Investoren notwendig - eines der Hauptziele der Hubs. Doch die Verbindungen sind in Kalifornien über Jahrzehnte hinweg langsam und organisch gewachsen. Das lässt sich durch administrative Maßnahmen nicht so schnell nachbilden.

Immerhin gibt es jetzt für Gründer und Investoren ein paar Adressen, an die sie sich wenden können. Vor allem potentielle Gründer aus den verschiedenen Forschungszentren und Universitäten dürften es nun leichter haben, bekannt zu werden. Wenn die Hubs geschickt agieren und Gründer sowie Startups gut vermarkten, haben sie das Potenzial, sich zu wichtigen Stationen auf Deutschlandreisen von US-Investoren zu entwickeln.

Ein Problem werden die Hubs allerdings nicht lösen können, nämlich das hierzulande zu geringe Risikokapital zu vermehren. Private Investoren sind oft eher konservativ und investieren nicht in der Digitalwirtschaft, auf Technologie spezialisierte Risikokapitalfonds sind im Vergleich zu den USA noch unterentwickelt. Doch seit ein paar Jahren ist hier Bewegung hineingekommen, beispielsweise durch den Ausbau des Bonner Hightech Gründerfonds (HTGF), aber auch durch Initiativen von Familienunternehmen wie Viessmann.

Die Hubs richten sich außerdem an traditionelle Unternehmen, vor allen Dingen aus dem Mittelstand. Sie haben damit nun auch Anlaufstellen, an denen sie entsprechend ihrer Branche oder ihrer Technologie Kontakte zu Startups und Wissenschaftlern aufnehmen können. Die Frage ist allerdings, ob es dafür nicht bereits ausreichende Strukturen gibt. Zumindest Mittelständler aus dem Bereich Maschinenbau sind traditionell sehr stark an den Fachhochschulen engagiert.

Um ihre Hubs zum Erfolg zu machen, sollten die Betreiber aber nicht darauf warten, dass ihnen die Türen eingerannt werden. Wenigstens in den ersten Jahren ist ein aktives Vorgehen dringend notwendig. Nach verschiedenen Studien unter anderem vom IT-Branchenverband Bitkom zeichnet sich die Mehrheit der mittelständischen Unternehmen auch weiterhin durch eine eher abwartende Haltung in Sachen Digitalisierung aus. Die gilt es zunächst einmal aufzuweichen, um überhaupt Kontakte zwischen der Startup-Szene und den Mittelständlern zu ermöglichen.

Bildquelle: Thinkstock

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