Vernetzung im IoT

Schlechte Infrastruktur bremst Internet der Dinge

Die Anbieter bauen jetzt 5G-Technologie aus, an deren Flanke IoT-Netze mit niedrigem Energieverbrauch parallel aufgebaut werden.

Smartphone im Netzwerk

Bald finanzieren Smartphone-Nutzer auch den Aufbau des IoT

Auch Deutschland ist fit für die Zukunft: In vielen Regionen kann man den #FalconHeavy-Start sogar ruckelfrei streamen!“ Dieser Extra3-Tweet zeigt die Probleme in Deutschland im Kern: Zwar werden auf der einen Seite Leuchtturm-Projekte mit 5G-Technologie in Betrieb genommen, doch auf der anderen Seite tröpfeln vielerorts die Daten nur per 3G-Netzwerk in die Smartphones. Das betrifft auch viele kleinere Unternehmen, die von Enterprise Mobility noch weit entfernt sind - mangels Netz, das den sinnvollen Einsatz von Business-Apps ermöglicht.

Doch wir haben jetzt eine Groko, die Deutschland zur „Weltspitze im Bereich der digitalen Infrastruktur“ (O-Ton Koalitionsvertrag, Zeile 1631) machen will - allerdings erst bis 2025, dann soll die Gigabit-Gesellschaft Wirklichkeit werden. Die neue Regierung will dafür sogar in die Tasche greifen und 12 Milliarden Euro spendieren. Allerdings ist das tatsächlich eher ein Taschengeld, denn es sind beispielsweise bis 2020 bereits mehr als 21 Milliarden Euro für den Bau von Bundesfernstraßen verplant.

Zentraler Bestandteil der Mobilfunknetzstrategie ist die 5G-Technologie. Damit sollen zunächst die weißen Flecken und Funklöcher gestopft werden, sodass irgendwann einmal Raketenstarts auch beim Urlaub im Hunsrück oder auf der mecklenburgischen Seenplatte in 4K-Qualität gestreamt werden können. Übrigens: Das Geld fließt nicht nur in 5G, sondern auch in FTTH per Glasfaser sowie freies WLAN in allen öffentlichen Einrichtungen. Immerhin soll der 5G-Ausbau dynamisch erfolgen, sodass Frequenzen nur dann vergeben werden, wenn der Lizenznehmer eine flächendeckende Versorgung garantiert.

Smartphone-Nutzer finanzieren IoT mit

Damit wären dann in der Mitte des nächsten Jahrzehnts endlich wichtige Infrastrukturen für das digitale Deutschland bereit, vor allen Dingen für das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Denn der aktuelle IoT-Trend wird durch die Engpässe bei der Infrastruktur zur Datenübertragung ausgebremst. Eine aktuelle Studie von IDC verdeutlicht dieses Problem. Dabei wurden 553 Entscheider aus europäischen Unternehmen zu den Anforderungen an die Infrastruktur und Netzwerke befragt. So messen die Verantwortlichen der Infrastruktur eine große Bedeutung zu. In vielen Fällen führt ihr Fehlen zu Verzögerungen oder zum Scheitern von IoT-Projekten.

Im Moment gibt es eine Vielzahl an Connectivity-Optionen wie die Anbindung via Kabel, eine eigene LAN-/WAN-Infrastruktur oder mobile Datennetze, die sich allerdings für großflächige Anwendungen noch nicht geeignet. Einige Anbieter installieren bereits Low-Power-Funknetze (Low Power Wide Area Network, LPWAN). Das sind Vernetzungsformen mit hoher Abdeckung und geringem Energieverbrauch. Sie sind für eine große Zahl an Endstellen gedacht und eignen sich damit sehr gut für IoT-Anwendungen.

Die großen Netzanbieter bauen die LPWAN-Strukturen parallel zum 5G-Netzwerk aus. So setzt die Telekom beispielsweise auf NarrowBand IoT (NB-IoT) und will im Laufe dieses Jahres das gesamte Land abdecken. Andere Anbieter wie die niederländische KPM setzen auf den LoRaWAN-Standard, der in den Niederlanden bereits landesweit angeboten wird. Das französische Unternehmen Sigfox baut ein eigenes, proprietäres Funknetzwerk auf, das nach Angaben des Anbieters in Deutschland bereits 60 % Abdeckung erreicht haben soll.

Auffällig ist dabei, dass LPWAN immer als Bestandteil der 5G-Technologie betrachtet wird. Das IoT profitiert zwar von der größeren Gesamtkapazität einer modernen Netzinfrastruktur, benötigt aber im Regelfall die enormen angebotenen Bandbreiten von 5G nicht. „Das Nutzungsspektrum des industriellen IoT ist völlig anders“, betont Neil Hamilton, VP Business Development beim IoT-Anbieter Thingstream. „Die Mobilfunkindustrie hat dennoch das Thema IoT eng mit 5G verknüpft, um den Netzausbau zu forcieren, der auch mitfinanziert werden muss von potenziellen Nutzern.“ Das sind natürlich in erster Linie Privatleute mit ihren Smartphones.

Bildquelle: Thinkstock

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok