Zertifizierte TSE

Schluss mit dem Unwesen

Im Interview erklärt Christoph Ruhnke, Leiter Business Systems bei Epson Deutschland, was es mit der „Technischen Sicherheitseinrichtung“ für Kassensysteme auf sich hat und welchen Aufwand diese für Händler bedeutet.

Christoph Ruhnke, Leiter Business Systems bei Epson Deutschland

„Die Praxis der steuergetriebenen Erlösverkürzungen ist mit den Grundsätzen eines ehrbaren Kaufmanns unvereinbar“, so Christoph Ruhnke von Epson Deutschland.

MOB: Herr Ruhnke, zum Schutz vor Manipulation an digitalen Grundaufzeichnungen müssen elektronische Aufzeichnungssysteme seit Jahresbeginn über eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung verfügen. Wie hat der deutsche Handel das Thema „Kassengesetz 2020“ grundsätzlich aufgenommen?
Christoph Ruhnke:
Bei der Umsetzung der neuen Verordnungen gibt es im Handel noch offene Fragen. Das betrifft sowohl den Punkt einer möglichen Umrüstbarkeit der bestehenden Kasse als auch den dazu nötigen Zeit- und Kostenaufwand. Wir haben bei der Umsetzung vergleichbarer Verordnungen in anderen Ländern wie Österreich und Italien bereits viel Erfahrung gesammelt und besitzen schon eine schlüsselfertige, amtlich zertifizierte „Technische Sicherheitseinrichtung“ (TSE). Somit sind wir zusammen mit unseren Partnerunternehmen in der Lage, dem Handel eine schnell umzusetzende Lösung anzubieten. Wir stellen sicher, dass innerhalb weniger Minuten jede Kasse eines Handelshauses auf ein der neuen Verordnung entsprechendes System umgestellt wird.

MOB: Haben sich Ihrer Einschätzung nach, alle Handelsunternehmen rechtzeitig und umfangreich mit dem Thema auseinandergesetzt, oder bringt sie das Kassengesetz nun in Bedrängnis?
Ruhnke:
Das ist ganz unterschiedlich, weil auch die Voraussetzungen bei den Unternehmen sehr verschieden sind. Nach unserer Erfahrung gibt es bei vielen Firmen noch Nachholbedarf.

MOB: Welchen konkreten Aufwand (zeitlich, finanziell ...) bedeutet das Kassengesetz 2020 für die Händler? Mussten/müssen sich jetzt alle betroffenen Unternehmen neue Kassensysteme zulegen?
Ruhnke:
Das lässt sich pauschal nicht beantworten, da vieles von dem im Einsatz befindlichen System sowie den konkreten Geschäftsvorgängen abhängt. Bei manchen Kassen mag das Aufspielen einer neuen Firmware plus einer TSE in Form einer Hardware-Komponente reichen. Andere benötigen vielleicht tatsächlich eine neue Lösung, weil die alte nicht mehr ökonomisch sinnvoll umgerüstet werden kann.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo. 

MOB: Inwieweit können bereits im Einsatz befindliche Kassensysteme technisch aufgerüstet und damit fit fürs Kassengesetz 2020 gemacht werden?
Ruhnke:
Das hängt von der einzelnen Kasse ab und lässt sich nicht pauschal beantworten. Die neue Vorschrift verlangt, dass Kassensysteme über eine vom BSI zertifizierte TSE verfügen, die Manipulationen an den erfassten Daten durch deren Protokollierung verhindern soll. Diese TSE besitzt drei Bestandteile: ein Sicherheitsmodul, welches die Kasseneingaben protokolliert und später nicht mehr unerkannt verändert werden kann, ein Speichermedium, das die Einzelaufzeichnungen für die Dauer der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist sichert, und schließlich eine wohldefinierte digitale Schnittstelle, über die eine reibungslose Datenübertragung für Prüfungszwecke gewährleistet wird. Die Antwort auf diese Frage hängt völlig von dem vorhandenen System ab. Aus diesem Grund gibt es für manche Installationen unter bestimmten Bedingungen auch noch eine sogenannte „Nichtbeanstandungsfrist“.

MOB: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl eines entsprechenden Anbieters/Kassensystemspezialisten achten?
Ruhnke:
Handelsunternehmen sollen sich in erster Linie um ihre Kunden kümmern und nicht um die Umsetzung gesetzlicher Vorschriften. Es empfiehlt sich daher, Anbieter auszuwählen, die bereits eine große Erfahrung bei der Implementierung dieser Art Systeme besitzen, um sich nicht um viele Details kümmern zu müssen. Wir sind als weltweit agierendes Unternehmen mit einer Vielzahl Partnerunternehmen mit den Herausforderungen solcher Implementierungen vertraut und unterstützen alle Firmen, die sich einer solchen Aufgabe gegenübersehen.

MOB: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile eines digitalen Bons? Wie ist es um die Sicherheit der Daten bestellt?
Ruhnke:
Die Vorteile digitaler Bons entsprechen im Wesentlichen denen aller digitalen Dokumente: Sie sind einfach zu handhaben, gegebenenfalls leicht zu archivieren und können auf Knopfdruck weiterversendet oder bearbeitet werden. Ferner entspricht ein Stück Papier eher dem Verlangen des Menschen, etwas physisch Existierendes als wertvollen Beleg zu haben. Die Sicherheit der Daten auf dem Bon oder des Bons selbst ist dabei nicht ausschlaggebend, denn der Kunde muss ihn nicht einmal annehmen. Auch kann der Beleg nach Entgegennahme ganz nach Gusto entsorgt oder, wenn er in digitaler Form vorliegt, gelöscht werden. Wichtig ist bei dieser Verordnung die Speicherung des Vorganges beim Händler selbst. Hier gilt, dass diese Daten im Nachhinein nicht mehr unbemerkt verändert werden können.

MOB: Wird durch die neuen Regelungen Ihrer Ansicht nach dem Steuerbetrug wirklich der Riegel vorgeschoben? Wo sehen Sie noch Lücken im Kassengesetz 2020?
Ruhnke:
Die Praxis der steuergetriebenen Erlösverkürzungen ist mit den Grundsätzen eines ehrbaren Kaufmanns unvereinbar. Daher begrüßen wir Schritte, diesem Unwesen entgegenzutreten und werden die Situation weiter beobachten.

Bildquelle: Epson

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