Betrug im E-Commerce

Schluss mit Fake Shops: Händler müssen jetzt handeln

Fake Shops sind eine wachsende Gefahr. Mit täuschend echt aussehenden Kopien von Webseiten nutzen Cyberkriminelle das Vertrauen von Kunden aus und schädigen Händler.

  • Vorsicht: Online-Shops können auch gefälscht sein

  • Christian Dallmayer, General Manager bei united-domains

    Christian Dallmayer, General Manager bei united-domains

Fake Shops sind im Online-Handel zu einer zunehmenden Gefahr geworden – besonders in umsatzstarken Zeiten wie der Cyber Week, Weihnachtszeit oder Frühjahrssaison. Mit täuschend echt aussehenden Kopien von Webseiten nutzen Cyberkriminelle das Vertrauen von Kunden aus. Das stellt Händler vor finanzielle und rufschädigende Herausforderungen. Über 94 Prozent der deutschen Online-Händler waren laut einer CRIF-Umfrage bereits von Betrugsfällen betroffen, oft mit Schäden im sechsstelligen Bereich.

Maßnahmen zum Schutz der Händler

Händler müssen sich schützen. Die folgenden sechs Punkte erklären, wie es geht.

1. So schützen Sie Ihre Domains

Die automatisierte Überwachung von Domain-Registrierungen bietet eine wirksame Möglichkeit, verdächtige Domainnamen frühzeitig zu erkennen und das Risiko durch Fake Shops zu minimieren. Betrüger setzen häufig auf ähnlich klingende Domains wie „adidas-outletshop.com“ oder abweichende Ländernamen, die gezielt darauf ausgelegt sind, Kunden zu täuschen. Mit einem Domain Monitoring können neu registrierte Domains kontinuierlich auf Ähnlichkeiten mit der eigenen Marke überprüft werden. Sobald eine potenziell schädliche Domain erkannt wird, können Unternehmen sofort Maßnahmen ergreifen – sei es durch rechtliche Schritte oder die Kontaktaufnahme mit Domain-Registraren, um die gefälschte Seite schnell abzuschalten. Zwei prägnante Beispiele des diesjährigen Black Fridays zeigen, wie Fake Shops zur Hochsaison irreführende Domains wie „bikepower.shop“ oder „teufel.discount.it.com“ verwenden, um Kunden mit vermeintlich günstigen Angeboten zu locken. Durch den Einsatz eines Domain Monitorings lassen sich solche Bedrohungen schnell  identifizieren und frühzeitig stoppen, bevor sie größere Schäden anrichten.

2. Inhalte überwachen und Fakes identifizieren

Fake Shops kopieren nicht nur das Design bekannter Marken, sondern auch Inhalte wie Produktbeschreibungen, Bilder und Logos. Damit wirken diese gefälschten Webseiten trügerisch echt und ziehen Kunden gezielt in die Falle. Ein Content-Monitoring-Tool, wie es z.B. united-domains anbietet, ermöglicht es, solche Plagiate systematisch aufzuspüren. Diese Tools durchsuchen Webseiten weltweit nach Übereinstimmungen mit den eigenen Inhalten und identifizieren Verstöße gegen Urheberrechte. Die gesammelten Beweise können anschließend für rechtliche Schritte genutzt werden, um die betroffenen Seiten offline zu nehmen und die weitere Verbreitung schädlicher Inhalte zu stoppen. Ein anschauliches Beispiel liefert der Sportbekleidungsmarkt. Besonders in der Vorweihnachtszeit tauchen immer wieder Fake Shops auf, die Designs und Produktbeschreibungen von Marken wie „Nike“ oder „Adidas“ direkt übernehmen. Solche Seiten nutzen Domains wie „deals24.com“ und locken mit unrealistisch hohen Rabatten. Dank eines Content Monitorings lassen sich Fake-Inhalte auch dann identifizieren und entsprechende Betrugsseiten rechtzeitig schließen, wenn die Domain selbst keinen Markennamen oder Hinweis darauf enthält. Besonders während des Black Friday, wenn die Zahl solcher Fake Shops sprunghaft ansteigt, ist ein solches Monitoring unverzichtbar.

3. Kunden durch Kommunikation schützen

Die Aufklärung der Kunden spielt eine zentrale Rolle im Schutz vor Fake Domains. Unternehmen können etwa über eigene, offizielle Kanäle wie Newsletter oder Blog-Artikel erklären, wie sich seriöse Shops von Fälschungen unterscheiden. Hinweise auf Sicherheitsmerkmale wie SSL-Zertifikate, klare Domainkennzeichnungen oder spezifische visuelle Elemente helfen, das Vertrauen der Kunden in die Marke zu stärken. Proaktive Warnungen und Hinweise erhöhen nicht nur die Kundenbindung, sondern reduzieren auch das Risiko, dass Verbraucher Opfer von Betrug werden. Besonders effektiv ist es, prägnante Checklisten oder interaktive Inhalte zu integrieren, die Kunden spielerisch über mögliche Betrugsmerkmale aufklären. Zusätzlich können Marken auf ihren Social-Media-Kanälen regelmäßig Beiträge veröffentlichen, die auf aktuelle Fake-Shop-Bedrohungen aufmerksam machen und Kunden sensibilisieren

4. Die eigene Website sichern

Sicherheitsmaßnahmen wie DNSSec, SSL-Verschlüsselung, Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) und regelmäßige Software-Updates sind essentiell, um die eigene Website vor Angriffen zu schützen. Eine TLS-Verschlüsselung (Transport Layer Security) sollte dabei den aktuellen Standards entsprechen. Diese Schutzmaßnahmen sorgen dafür, dass sensible Daten wie Zahlungs- oder Login-Informationen sicher übertragen werden und erschweren es Kriminellen, die Seite zu imitieren oder anzugreifen. Zusätzlich sollte eine Web Application Firewall (WAF) implementiert werden, um gezielte Angriffe wie SQL-Injections oder Cross-Site-Scripting (XSS) abzuwehren. Sichtbare Sicherheitszertifikate und Hinweise auf den Schutz der Kundendaten stärken das Vertrauen der Nutzer und vermitteln Professionalität. Ein regelmäßiger Penetrationstest kann zudem Sicherheitslücken frühzeitig aufdecken und die Website auf dem neuesten Stand halten.

5. Mitarbeiter für den Ernstfall vorbereiten

Gut geschulte Mitarbeiter im Kundenservice können entscheidend dazu beitragen, negative Auswirkungen durch Fake Shops zu minimieren. Schulungsmaßnahmen sollten sich darauf konzentrieren, potenziell betrogene Kunden professionell zu unterstützen und gezielte Beschwerden zu bearbeiten. Dazu gehört, die typischen Merkmale von Fake Shops zu kennen, um Missverständnisse zu klären und den Kunden die Unterschiede zum echten Shop klar aufzuzeigen. Ein strukturierter Leitfaden für den Umgang mit solchen Fällen hilft, Kundenbindung trotz schwieriger Situationen zu erhalten und die Marke vor weiteren Schäden zu schützen. Gleichzeitig unterstreicht die NIS-2-Richtlinie die wachsende Bedeutung, die Inhaberschaft von Domains präzise abzuklären. Eine klare Zuordnung der Domain-Inhaberschaft ist nicht nur essentiell für die Netzwerk- und Informationssicherheit, sondern auch für eine schnelle und verlässliche Bearbeitung von Fällen, bei denen Kunden von gefälschten Shops betroffen sind. Zudem sollten Mitarbeiter Zugriff auf eine zentrale Dokumentation haben, in der bekannte Fake Shops, aktuelle Bedrohungen und empfohlene Reaktionsmaßnahmen aufgeführt sind, um einheitlich und effektiv zu handeln.

6. Starke Markenidentität aufbauen

Eine unverwechselbare Markenidentität erschwert es Betrügern, überzeugende Kopien zu erstellen. Klare visuelle Elemente wie einzigartig gestaltete Logos, Schriftarten und Farbpaletten erhöhen den Wiedererkennungswert und schützen die Marke vor Fälschungen. Darüber hinaus können personalisierte Elemente, die nur der Kunde kennt, einen zusätzlichen Schutz bieten. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Vielfliegerprogramm Miles & More, das in ihren E-Mails drei Ziffern aus der Postleitzahl des Wohnorts ihrer Kunden integriert. Also Informationen, die in der Regel nur der Kunde und nicht die Angreifer kennen. Auch die direkte Ansprache mit Vor- und Nachnamen ist ein wirksames Mittel, da Phisher häufig allgemeine oder nicht korrekte Begrüßungen wie „Sehr geehrter Kunde“ verwenden, weil ihnen die entsprechenden Namensdaten fehlen. Zusätzlich zeigt die Integration der Kunden- oder Vertragsnummer in E-Mails einen weiteren zuverlässigen Schutzmechanismus, der bei der Authentifizierung hilft und die Marke vor Fälschungsversuchen schützt. Besonders wichtig ist die konsequente Verwendung der visuellen Elemente auf allen Kanälen, einschließlich Webseite, Social Media, Newsletter und Offline-Werbematerialien, um eine einheitliche Markenwahrnehmung sicherzustellen. Zusätzlich können digitale Wasserzeichen in Bildern oder Metadaten in Produktbeschreibungen eingebettet werden, um den Missbrauch von Inhalten technisch nachvollziehbar zu machen. Konsistenz in der Kommunikation – sowohl auf der Website als auch in Werbeanzeigen – unterstützt die Kunden dabei, die Marke zuverlässig zu erkennen und mindert die Glaubwürdigkeit von Nachahmungen

Fazit: Sicher online shoppen: Mit Vorsicht und Technik!

Fake Shops sind eine reelle Gefahr für Händler und Verbraucher. Sie täuschen mit professionell gestalteten Webseiten und unrealistischen Angeboten und führen so zu finanziellen Verlusten und beschädigtem Vertrauen. Händler können sich durch proaktive Maßnahmen wie Domain- und Content-Monitoring sowie Schulungen ihres Teams schützen, während eine starke Markenidentität es Betrügern erschwert, glaubwürdige Nachahmungen zu erstellen.

Verbraucher sollten ebenfalls sensibilisiert werden, um Betrügereien frühzeitig zu erkennen. Dabei kann die Fake-Shop-Warnliste der Verbraucherzentrale eine hilfreiche Ressource sein, da sie regelmäßig aktualisiert wird und betrügerische Shops auflistet. Zudem bietet der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale eine einfache Möglichkeit, die Seriosität eines Shops zu überprüfen. Nutzer können auf Fakeshop-Finder die URL eines verdächtigen Online-Shops eingeben und erhalten nach kurzer Prüfung eine Einschätzung.

Bild:Hannes Edinger / Pixabay

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok