Realworld-One-CEO Pascal Stiegelmann
Realworld-One-Gründer Marcel Stiegelmann
MOB: Herr Stiegelmann, welche Rolle spielen Virtual (VR) und Augmented Reality (AR) anno 2020 bereits in der Arbeitswelt?
Pascal Stiegelmann: Virtual und Augmented Reality sind neben Künstlicher Intelligenz (KI), Robotik, Gen- und Nanotechnologie eine der bedeutendsten technischen Entwicklungen des 21. Jahrhunderts und verändern die Art und Weise, wie Menschen miteinander interagieren und Unternehmen arbeiten. VR und AR simulieren die Realität und bieten durch die Möglichkeit, im dreidimensionalen Raum zu interagieren, einen Mehrwert im Vergleich zu regulären, zweidimensionalen Medien wie z.B. Computern oder Smartphones. Beide Technologien werden u.a. in den Bereichen „Training“, „Verkauf“, „Service“, „Forschung“ und „Entwicklung“ oder „Herstellung und Produktion“ eingesetzt. Die Implementierung der Technologien bietet die Möglichkeit, Prozesse zu digitalisieren, Reisezeiten und Kosten zu sparen sowie zur Reduktion von CO2-Emissionen beizutragen.
MOB: Für welche Branchen sind VR und AR besonders interessant und warum?
P. Stiegelmann: Grundsätzlich finden VR- und AR-Technologien in fast jeder Branche Anwendung. Vorreiter sind jedoch vor allem Unternehmen aus Branchen, die sehr erklärungsbedürftige und komplexe Produkte entwickeln und vertreiben, wie beispielsweise die Life Sciences, Medizintechnik, der Maschinen- und Anlagenbau oder die pharmazeutische Industrie. Für diese Unternehmen ist es eine große Herausforderung, Produkte und Technologien auf internationaler Ebene präzise und gut darzustellen und den eigenen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern die Funktionalitäten und den Nutzen zu erklären. Durch VR im Speziellen können komplette Produktgruppen und technische Abläufe detailgetreu und interaktiv dargestellt werden. Es können sich zudem Personen aus aller Welt gemeinsam in virtuellen Umgebungen treffen, miteinander sprechen und an Produkten und Anwendungen interagieren. Servicetechniker können mithilfe von AR bei der Wartung oder Reparatur von Systemen unterstützen, ohne vor Ort sein zu müssen. Forscher können gemeinsam Neuentwicklungen in 3D modellieren, ohne auf den zeitaufwändigen und teuren Prozess von Prototypen zurückgreifen zu müssen. Die Möglichkeiten beider Technologien sind enorm und werden immer stärker in unseren Alltag integriert.
MOB: Inwieweit hat die Corona-Pandemie der Anwendung von VR- und AR-Technologie einen Schubs gegeben?
Marcel Stiegelmann: Die Adaption von digitalen Technologien hat durch die Covid-19-Pandemie und den daraus resultierenden Reiserestriktionen einen rapiden Anstieg erlebt. Wir gehen davon aus, dass auch über die Krise hinaus die Verwendung von digitalen Technologien, wie z.B. Videokonferenzen und auch das ortsunabhängige Arbeiten aus dem Homeoffice, eine stärkere Position im Arbeitsalltag einnimmt. Virtual Reality bietet einen erheblichen Vorteil im Vergleich zu Videokonferenzen: die Möglichkeit der natürlichen und intuitiven Interaktion sowie die Visualisierung im dreidimensionalen Raum und geht damit einen erheblichen Schritt weiter als Videokonferenz-Tools. Durch jene beispielsweise können Produktschulungen nur sehr begrenzt durchgeführt werden, VR jedoch bietet die Möglichkeit, diese realitätsgetreu, voll interaktiv und ortsunabhängig durchzuführen. Der Einsatz von VR und AR hat sich durch die Pandemie zu einer Notwendigkeit entwickelt und erhält somit umso schneller Einzug in unseren Alltag als vorher erwartet. Dies trägt nicht nur zu einer Beschleunigung in der Digitalisierung bei, sondern ebnet den Weg zur Klimaneutralität.
MOB: Was verbirgt sich an dieser Stelle hinter Ihrem „digitalen Showroom“ und welche Rolle spielt hierbei die virtuelle Realität?
P. Stiegelmann: Virtuelle Firmen und Produktpräsentationen, die über die Inhalte von Websites, Broschüren und Videos hinausgehen, werden gerade in Zeiten von globalen Reiserestriktionen und Social Distancing immer wichtiger. Man sieht beispielsweise im Gebiet der Messe- und Konferenzveranstaltungen, dass virtuelle Formate eine wichtige Stellung einnehmen. Virtual Reality bietet die Möglichkeit, ein komplettes Produktportfolio, technisches Expertenwissen und diverse Umgebungen mithilfe eines einzigen VR-Headsets realitätsgetreu und interaktiv abzubilden und bildet damit die ideale Technologie für virtuelle Showrooms. In diesen Showrooms können somit Kunden empfangen, Produkte präsentiert und Verkaufsgespräche abgehalten werden – genau wie in der Realität, jedoch mit dem entscheidenden Vorteil, dass niemand verreisen muss. Nutzer können sich in der Umgebung frei bewegen, mit Objekten und Produkten interagieren, Informationen abrufen und Prozesse nachvollziehen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
MOB: Welche Kunden greifen bereits auf Ihre Technologie zurück?
M. Stiegelmann: Zu unseren Kunden zählen Marktführer aus den Bereichen der Life Sciences, Analytik, Diagnostik, Medizintechnik, pharmazeutischen und chemischen Industrie wie auch aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Wir arbeiten u.a. mit Carl Zeiss, Qiagen, Tecan, GEA, KSB, Festo oder SICK zusammen und freuen uns sehr, einen Beitrag bei der Entwicklung dieser Technologien leisten zu dürfen.
MOB: An welchen Stellen hakt es noch beim Einsatz von VR bzw. AR im Arbeitsleben? Wo sehen Sie akuten Verbesserungsbedarf?
M. Stiegelmann: Das Ziel der VR und AR ist die perfekte Simulation der Realität. Von diesem Stadium sind wir zwar noch entfernt, jedoch entwickelt sich die Technologie äußerst rapide weiter. Die Auflösung, Rechenleistung, der Tragekomfort und die Haptik beispielsweise verbessern sich in sehr kurzen Entwicklungszyklen. Zudem wird die Kombination aus VR/AR und Künstlicher Intelligenz einen entscheidenden Schritt in der Weiterentwicklung der Hardware-Technologie und Adaption darstellen. Die Implementierung von KI wird es u.a. ermöglichen, geschichtliche Figuren wiederauferstehen zu lassen und mit diesen zu sprechen.
Bildquelle: Realworld One