Payment und Biometrie

Schutz gegen Identitätsbetrug

Welche Rolle Biometrie beim Online-Bezahlprozess spielt und inwieweit sie die Kaufentscheidung der Kunden beeinflussen kann, erklärt Henning Brandt, Head of Communication bei Computop, im Interview.

Henning Brandt, Head of Communication bei Computop

Henning Brandt, Computop

MOB: Herr Brandt, welche Rolle spielt Biometrie bereits beim Online-Shopping?
Henning Brandt:
Beim Online-Shopping findet Biometrie derzeit noch sehr wenig Beachtung. Einzig in der Zahlungsauslösung wird je nach gewählter Zahlart eine biometrische Authentifizierung ausgeführt. Doch ist diese genau genommen kein Bestandteil des Online-Shops, sondern wird vom Zahlungsanbieter oder der kartenausgebenden Bank gesteuert. Der Händler erhält letztlich nur die Information, dass die Zahlung autorisiert wurde und er die Ware versenden kann.

MOB: Wie ist es um den Datenschutz bestellt, wenn man sich z.B. mittels einer Iris- oder Gesichtserkennung in einem Online-Shop anmeldet?
Brandt:
Wenn die biometrische Erkennung nach dem Fido-Standard ausgeführt wird, sind vollständiger Datenschutz und die Sicherheit der biometrischen Merkmale gewährleistet. Im Fido-Standard haben sich die führenden Hardware- und Software-Unternehmen zusammengeschlossen. Firmen wie Apple, Samsung, Google, Microsoft und viele weitere arbeiten hier zusammen daran, die biometrischen Merkmale zu schützen. Technisch funktioniert das so, dass der Fingerabdruck oder das Gesicht nur in einem besonders geschützten Bereich des Geräts gespeichert sind, das der Benutzer für die Erkennung verwendet. Die Daten werden nicht als reproduzierbare Datei, sondern als mathematischer Ausdruck hinterlegt. Wenn eine Bestätigungsanfrage an das Gerät übermittelt wird, wird niemals das biometrische Merkmal übertragen, sondern nur die Übereinstimmung eines Schlüssels, eines Hashwerts, überprüft. Entspricht dieser Schlüssel dem hinterlegten Wert, ist die biometrische Authentifizierung erfolgreich. Die Daten bleiben dabei immer im Device. Daher kann man bei der Übertragung von Daten auf ein neues Smartphone auch alle möglichen Informationen wie Kontakte, Chatverläufe, Bilder und mehr übertragen – aber niemals die Entsperrung per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – sie muss für jedes Gerät neu angelernt werden.

MOB: Inwieweit kann Biometrie zur Sicherheit beim Online-Bezahlprozess beitragen?
Brandt:
Die Zwei-Faktor-Authentifizierung, wie sie die europäische Zahlungsdienste-Richtlinie PSD2 für Online-Zahlungen vorschreibt, verlangt, dass zwei von drei Faktoren überprüft werden: Wissen (also z.B. ein Passwort), Besitz (z.B. die nachgewiesene Verfügung über ein Smartphone) und Inhärenz (ein persönliches, unveränderliches Merkmal) stehen hier zur Wahl. Während ein Passwort ausgespäht und ein Gerät gestohlen werden kann, ist das biometrische Merkmal absolut an die Person gebunden. Daher ist auch der Schutz der biometrischen Eigenschaften so wichtig. Genau deshalb kann Biometrie aber auch einen großen Beitrag zum sicheren Bezahlprozess leisten. Dazu kommt: in der Anwendung ist die biometrische Authentifizierung sehr komfortabel. Das Entsperren des Smartphones per Fingerabdruck oder Gesichtsscan erfordert keine Eingabe von Zahlen oder Buchstaben. Damit verringert sich die Wahrscheinlichkeit von Kaufabbrüchen in letzter Sekunde, wenn der Kunde mit unpraktischen Passwörtern oder plötzlich aufpoppenden Fenstern konfrontiert wird. Die Konversionsrate steigt durch Biometrie.

MOB: Welchen Einfluss übt die derzeitige Corona-Krise auf den E-Commerce und demnach auch auf das Online-Payment aus?
Brandt:
Wir sehen in der Auswertung von Transaktionszahlen seit Beginn der Corona-Krise Wachstum, teils sehr starkes Wachstum, in bestimmten Branchen des E-Commerce. Unterhaltungselek-tronik, Lebensmittel und Drogerieprodukte verzeichnen deutliche Zugewinne. Mode hingegen stagnierte lange Zeit, während alle mobilitätsbezogenen Leistungen, vor allem der Tourismus, stark abfielen. Im Zahlungsverkehr gab es die meisten Verschiebungen am POS, wo das kontaktlose Bezahlen einen Boom erfährt. Da zunehmend auch Mobile Payment wie Apple Pay oder Google Pay zum Einsatz kommt, erleben wir für diese Zahlarten auch im Online-Handel Zuwächse – aufgrund der geringen Verbreitung in den Shops allerdings noch auf niedrigem Niveau.

Bildquelle: Computop

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