Crowdfunding-Pleiten

Schwierige Hardware-Finanzierung

Hardware ist schwierig: Der Kapitaleinsatz ist hoch, scheiternde Startups verbrennen Unmengen Geld.

Hardware ist die Königsklasse der Produktentwicklung in der Informationstechnologie. Bereits in der Entwicklungsphase muss ein erheblicher Aufwand getrieben werden, bis ein funktionsfähiger Prototyp steht. Und dann geht es erst recht los: Für die Serienproduktion sind enorme Investitionen erforderlich.

Eine weitere Besonderheit gegenüber der Softwareentwicklung ist die Schwierigkeit, in einer laufenden Seriengeneration noch Veränderungen in der Hardware zu schaffen. Die Software-Anbieter haben es da etwas einfacher, sie können recht schnell Korrekturen anbringen und Updates ausliefern. Bei Hardware ist das nur dann einfach, wenn Neuerungen oder Veränderungen über Software verwirklicht werden können.

An Problemen mit der Serienproduktion ist auch das Hardware-Startup Panono gescheitert und musste vor kurzem das Insolvenzverfahren beantragen. Der Anbieter einer 360-Grad-Kamera hatte immer wieder Probleme mit der Produktion. Erst kam es zu Verzögerungen, dann musste das Unternehmen zugeben, dass die Kameras doch nicht so bruchsicher sind wie versprochen.

Das Scheitern des Unternehmens erinnert ein wenig an die Insolvenz von Protonet, deren Verkäufe sich nicht besonders gut entwickelt hatten. Beide Unternehmen haben neben Risikokapital auch Geld über Crowdfunding-Plattformen erhalten. Panono bekam auf Indiegogo die Rekordfinanzierung von 1,25 Millionen Dollar und anschließend bei Companisto weitere und ebenfalls rekordverdächtige 1,7 Millionen Euro. Protonet sammelte in zwei Crowdfunding-Runden bei Companisto mehr als 3 Millionen Euro ein.

Hardware-Startups sind ein größeres Risiko für die Kapitalgeber

Diese Startups zeigen, dass Hardware-Herstellung ein ultrahartes Geschäft ist. Die Zahl der Fehlerquellen und Stolpersteine ist deutlich höher als bei den meisten Software-Entwicklungsprojekten. Die Geschichte dieser beiden Startups zeigt außerdem ein weiteres Mal, dass hier in Deutschland nicht genügend Risikokapital vorhanden ist, um größere Hardware-Projekte vollständig und ausdauernd zu finanzieren.

Der Ausweg in beiden Fällen waren Crowdinvesting-Plattformen wie Indiegogo und Companisto. Hier gehen nicht erfahrene Venture Capitalists ins Risiko, sondern Privatleute und Kleininvestoren. Zwar sind die Beträge insgesamt niedriger, doch das Risiko ist nicht kleiner: Pleite bedeutet Totalverlust. Die beiden deutschen Startups sind bei weitem nicht die einzigen Hardware-Fehlschläge auf den großen Plattformen.

Eine bedauerliche Nebenfolge: Das Image von Crowdfunding und Crowdinvesting hat Kratzer bekommen. Techblogger Daniel Schrader gibt einen Überblick über verschiedene internationale Hardware-Pleiten aus der Crowdfunding-Szene. Er kommt zu dem Schluss: „Überlasst das Risiko von Produktentwicklungen lieber professionellen Kapitalgebern und Banken.“

Das ist aber nicht im Interesse der Plattform-Betreiber, sodass sie jetzt endlich auf die wenig erfreuliche Situation reagieren. Kickstarter setzt den Trend und hat ein Programm namens „Hardware Studio“ aufgelegt, mit denen Hardware-Startups unterstützt und vor einem Scheitern bewahrt werden sollen. Zum einen gibt es hier eine kostenlose Sammlung von Hilfen und Anleitungen, zum anderen will Kickstarter die Gründer von Hardware-Startups mit Industriepartnern zusammenbringen.

Bildquelle: Thinkstock

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