OwnCloud & Co.

Sechs nützliche Apps für die Home Cloud

Eine eigene Cloud im privaten Heim lässt sich mit den hier vorgestellten Tools einfach verwirklichen. Dann heißt es: Goodbye Dropbox und OneDrive.

mehrere Geräte hinweg sind populäre Hilfsmittel für die mobile Welt. Sie werden allerdings von vielen Leuten auch sehr kritisch gesehen, da unklar ist, wer alles wirklich Zugriff auf die dort gespeicherten Dokumente hat.

Die Home Cloud selber betreiben

Eine gute Alternative zu kommerziellen Anbietern ist ein selbst betriebener Cloudservice. Das ist weniger schwer, als die meisten Leute vermuten. Zuerst ist es notwendig, einen Linux-Server aufzusetzen und dort die entsprechenden Tools zu installieren. In der Regel sind das der Apache Webserver, MySQL als Datenbank und PHP als Skript-Interface. Anschließend wird dann das Installationspaket mit dem gewünschten Cloudservice installiert.

Grundsätzlich geht das übrigens auch unter Windows 10 und zudem ist ein spezieller Servercomputer auch nicht unbedingt erforderlich. Wer einen leistungsfähigen Rechner mit Oktacore-Prozessor, mehr als acht Gigabyte RAM und einem SSD-Laufwerk besitzt sowie mit LAN-Kabel am Router angeschlossen ist, kann auch einen virtuellen Server einsetzen, etwa mit dem kostenlosen Open-Source-Hypervisor VirtualBox. Ein getrennter Rechner hat allerdings den Vorteil, dass die Cloud-Tools dort ungestört arbeiten können.

Doch das Herumkonfigurieren an Server und VPN für den externen Zugriff auf den Cloudspeicher ist durchaus zeitaufwendig. Wer es lieber einfacher haben möchte, hat der kann die meisten der hier vorgestellten Server auch bei einem Anbieter von Webspeicherplatz betreiben lassen. Das ist zwar nicht ganz so privat wie auf einem eigenen Computer, erfordert aber deutlich weniger Aufwand. Zahlreiche Webhoster bieten außerdem inzwischen die automatische Installation wenigstens einiger der vorgestellten Tools an, häufig OwnCloud.

OwnCloud

ownCloud.org

Gibt es über OwnCloud eigentlich noch viel zu sagen? Die Anwendung ist gewissermaßen die Mutter aller Home Clouds. Tatsächlich orientieren sich die meisten hier vorgestellten Lösungen mehr oder weniger deutlich an OwnCloud. Der Funktionsumfang spricht für sich: An der Basis gibt es eine Multi-User-fähige Dropbox-Alternative, die auch große Datenmengen verarbeiten kann und verschlüsselt speichert. Aufgewertet wird dies durch Kalender, Kontakte, Aufgaben und andere Apps. Zudem gibt es eine eigene App für die Zusammenarbeit mehrerer Nutzer an Textdokumenten. Damit können typische Cloudservices wie von Google oder Microsoft entweder auf einem eigenen Server oder bei einem Webhoster betrieben werden. Dazu gibt es Clients für Mobilgeräte und Desktoprechner, die den Dateiaustausch über spezielle OwnCloud-Ordner mehr oder weniger automatisch erledigen - so wie die Anwender das von Dropbox oder OneDrive gewohnt sind.

NextCloud

nextcloud.com

Wie das so ist in der Open-Source-Szene: OwnCloud hat einen Fork bekommen, also einen Konkurrenten bei (etwa) vergleichbarer Codebasis. Deshalb hat die Cloud-App auch schon die Versionsnummer 9 und einen ähnlichen Funktionsumfang inklusive Verschlüsselung. Die Weboberfläche sieht ein wenig anders aus und es gibt zurzeit nur einen nativen Client für Android. Nach Auskunft der Betreiber können aber die OwnCloud-Clients für Desktoprechner benutzt werden, wenn entsprechend die Adresse der NextCloud auf dem Webserver angegeben wird. Da die Software erst seit Mitte Juni 2016 verfügbar ist und sich bestenfalls einige Millimeter vom Funktionsumfang von OwnCloud entfernt hat, lässt sich noch nicht allzu viel dazu sagen. Aber Nutzerkommentare im NextCloud-Forum wirken positiv: Die zurzeit ausgelieferte Version lässt sich offensichtlich problemlos installieren und enthält wohl U keine größeren Fehler.

Cozy

cozy.io

Ein eher unbekannter Vertreter der Home Cloud ist Cozy. Es bietet unter einer einfachen und recht attraktiv gestalteten Weboberfläche die üblichen Funktionen wie Dateien, Fotos, Kalender, Kontakte und einige weitere Apps für Aufgaben oder Lesezeichen. Bisher ist die Webapp allerdings recht eingeschränkt. So gibt es zum Beispiel keine Möglichkeit, mehrere Benutzer zu verwalten. Im Moment gibt es auch keine Apps für iOS und keine Desktop-Clients für Windows oder andere Betriebssysteme. Die Dateien müssen also über die Weboberfläche hochgeladen werden und werden nicht verschlüsselt gespeichert. Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, bekommt eine recht schicke und schlanke Home Cloud. Einen kleinen Eindruck von den Möglichkeiten gibt die Online-Demo, die allerdings sehr langsam ist.

Seafile

seafile.de

Seafile ist ein deutscher Cloudspeicher, dessen Server bei Bedarf selbst betrieben werden kann. Die Community Edition von Seafile ist Open Source und damit kostenlos nutzbar. Sehr günstig für Privatleute: Der Server läuft ohne weiteres auch unter Windows und erfordert keinen Webserver mit MySQL, PHP und anderen Tools. Im Großen und Ganzen bietet Seafile die von Dropbox bekannten Funktionen inklusive Verschlüsselung, ergänzt durch ein integriertes Wiki, mit dem eine Art persönliches Wissensmanagement betrieben werden kann. Für den Zugriff auf den Server werden Clients für Windows (Desktop-Modus), Macintosh, Linux, Android und iOS angeboten. Sie unterstützen die gemeinsame Zusammenarbeit an Office-Dokumenten inklusive einer Versionsverwaltung. Eine Besonderheit ist die Funktion der „Library“ (Bibliothek). Dies ist ein Dateicontainer, in dem beliebig viele Ordner und Dateien verschlüsselt gespeichert werden. Das Kennwort wird dabei nicht auf dem Server gespeichert.

Tonido

tonido.com

Tonido ist ein kommerzieller, als Closed Source Binary verwirklichter, aber kostenloser Dropbox-Clone, der alle wichtigen Funktionen hat, aber keine Dateiverschlüsselung anbietet. Nur die Verbindungen sind verschlüsselt. Der Server arbeitet unter Windows, Linux, Mac OS und auf dem Raspberry Pi. Clients gibt es für Android, iOS, Windows, MacOS und Linux. Sehr praktisch: Für Windows gibt es einen speziellen Client namens Tonido Drive, der ähnlich wie bei OneDrive einen Ordner auf dem Rechner automatisch synchronisiert und über die Windows-Benutzeroberfläche verfügbar macht. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Möglichkeit, sich bei Tonido im Internet anzumelden, um eine spezielle Rechneradresse wie john.tonidoID.com zu erhalten, unter der Tonido erreicht werden kann.

Pydio

pydio.com

Die Anwendung ist ein Open-Source-Clone von Dropbox, der als PHP-Skript verwirklicht ist. Er kann also auf einem Webserver oder bei einem Webhoster betrieben werden. Die normalerweise angebotene Enterprise-Version ist nicht kostenlos, aber es gibt eine spezielle, etwas eingeschränkte Community-Edition auf Sourceforge. Das Webinterface ist recht gut gestaltet und sehr übersichtlich, sodass sich die meisten Anwender dort recht schnell zurechtfinden sollten. Für Windows, Linux und Mac OS gibt es spezielle Desktopclients, die einen Ordner auf der Festplatte synchronisieren. Mobile Apps für iOS und Android gibt es ebenfalls. Eine echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt es nicht, aber die Dateien werden verschlüsselt übertragen und in einem verschlüsselten Dateisystem gespeichert.

Bildquelle: Thinkstock

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