Ein Elektroroller von Trinity Electric Vehicles
Uber möchte es noch einmal wissen und startet in Deutschland neu. Doch im Mittelpunkt steht nicht mehr die Vermittlung von Fahrten mit Limousinen, sondern - Elektromobilität. Nach einem Testlauf in München wird Uber auch in Berlin Fahrten mit E-Bikes vermitteln. Dafür hatte es vor einiger Zeit das Startup Jump übernommen.
Damit macht der amerikanische Vermittlungsriese einem gestandenen deutschen Unternehmen Konkurrenz: Bosch, die mit dem E-Scooter-Sharingdienst Coup ein erstmals ein Geschäftsfeld im B2C-Markt betreten. Hinter dem Begriff der elektrischen Scooter verbirgt sich eine Art Vespa für das 21. Jahrhundert: Flott, wendig, bequem, leise, umweltfreundlich und ohne die typischen Zweitakter-Gerüche.
Das funktioniert ähnlich wie bei einem Car-Sharing Service: Mit einer App wird der Roller freigeschaltet, anschließend kann er gestartet werden und los geht’s. Am Ziel meldet sich der Fahrer ab und bezahlt per App. Doch zu einem solchen Sharing-Service gehört auch Kontrolle, Wartung und Reparatur. Das Flottenteam von Coup nutzt eine eigens entwickelte App, mit der Batteriewechsel und Sicherheitschecks am eScooter optimiert werden. Zudem sind die eScooter vernetzt, so haben die Mitarbeiter des Startups immer den Überblick über den Standort und die Batteriefüllung jedes Motorrollers.
Bosch und Uber sind mit Services dieser Art nicht allein auf weiter Flur, alleine in Berlin gibt es eine Reihe weiterer Startups, die Elektroroller oder E-Bikes in unterschiedlichen Sharing-Services anbieten. Der Hype der letzten beiden Jahre ist nicht ohne Grund, denn die gefühlte Verkehrskatastrophe in Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Köln wird im Monatstakt unerträglicher.
Ganz offensichtlich hat die Verkehrsdichte in den Städten in den vergangenen Jahren einen Sättigungspunkt erreicht – die Bewohner haben keine Lust mehr, die Pendler ebenso wenig und eigentlich sind alle nur noch genervt. In dieser Situation sind Fahrräder, E-Bikes und Elektroroller eine gute Lösung. Deshalb schießen Sharing-Dienste wie Pilze aus dem Boden und bieten neben den bekannten, mit Muskelkraft betriebenen Rädern auch kleine elektrische Flitzer an. Ein paar Beispiele:
Tretroller mit Elektromotor heißen auch E-Floater und sind zumindest in Kalifornien so trendy, dass die entsprechenden Startups wie Pilze aus dem Boden schießen. Sie eignen sich hervorragend für Kurzstrecken und sind somit ein eher städtisches Phänomen. Das Startup-Einhorn Bird bietet in vielen US-Großstädten E-Floater zum Sharing an und hat bereits eine Vielzahl an Konkurrenten.
Auch deutsche Großstädte könnten von diesem Mobilität-Trend profitieren, wenn die elektrisch betriebenen Tretroller denn erlaubt wären. Da andere Länder nicht so heikel sind, bietet Walberg Urban Electrics seine Roller gemeinsam mit den schweizerischen Bundesbahnen an und Floatility versorgt unterdessen Singapur mit elektrischen Rollern. Nur der deutsche Markt ist den beiden Hamburger Startups verschlossen, denn das Bundesverkehrsministerium hat die „elektrischen Kleinfahrzeuge“ bisher noch nicht zugelassen.
Das Problem dabei: Angetriebene Fahrzeuge benötigen nur dann keine Zulassung für den Straßenverkehr, wenn sie maximal sechs km/h in der Stunde fahren. Die meisten der E-Floater beschleunigen allerdings bis auf 25 km/h, einige sind sogar schneller. Für sie wird mit Sicherheit ein Führerschein der Klassen B oder M notwendig sein, ähnlich wie bei Motorrollern.
Bisher haben sich die deutschen Behörden nicht gerade beeilt, für eine offizielle Zulassung der kleinen Roller zu sorgen. Sie werden sicher abwarten, wie die Erfahrungen in anderen Ländern sind. Die sind nicht immer positiv: Da es inzwischen eine enorme Menge an Sharing-Services für Fahrräder, Elektroroller und E-Floater gibt, stören sich viele Städte an dem oft entstehenden Chaos.
Denn die Räder und Roller erzeugen eine Reihe von Folgeproblemen. So gibt es an manchen Stellen einfach zu viele, sodass sie überall herumstehen und ‑liegen. Außerdem haben sich viele Bürger, vor allem in Fußgängerzonen, über waghalsige Fahrmanöver von Trettroller-Fahrern beschwert. Und es gibt ein Vandalismus-Problem, denn die überall herumstehenden Vehikel ziehen Spinner an, die sie gerne mal kaputttreten oder in den Graben werfen.
Wie es nicht geht, hat das Singapur-Startup oBike im Herbst 2018 unwissentlich demonstriert: Ohne große Ankündigung wurden über ganz München 6800 gelbe Leihräder verteilt, auch in Wohngebieten, wo viele Leute ein eigenes Rad haben. Zudem gab es keine sinnvolle Öffentlichkeitsarbeit, sodass viele Leute die Räder nicht zuordnen konnten. Die Folge: Räder in der Isar, in Bäumen aufgehängt oder zu Türmen gestapelt. Das Startup hat reagiert und einen großen Teil der Räder wieder eingesammelt.
Bildquelle: Trinity Electric Vehicles