Die SMS wird 20

Short Message, Long Goodbye

Vor zwei Jahrzehnten wurde die erste SMS versendet. Doch der Dienst hat seinen Gipfel längst überschritten, denn der Texting-Wahn der Jugend ebbt ab.

Schon historisch: Teenager schreibt SMS

Schon seit einiger Zeit ist der Short Message Service (SMS) nicht mehr die Cashcow der Mobilfunkanbieter, die Umsätze sind rückläufig. 2009 lagen sie noch über 50 Prozent der Erlöse aus mobilen Datendiensten, 2012 werden es etwa 37 Prozent sein.

In geschäftlicher Hinsicht ist die SMS ein Opfer ihres Erfolges. Um Kunden anzulocken, vermarkten die Provider Mobilfunkverträge mit einer SMS-Flatrate. Und innerhalb eines Mobilfunknetzes sind SMS häufig kostenlos. Der Anteil der bezahlten SMS am gesamten Datenvolumen sinkt ständig. Doch immerhin soll der Umsatz in Deutschland in diesem Jahr wie im Vorjahr etwa 3,1 Milliarden Euro betragen.

Trotzdem: Der große SMS-Hype ist vorbei. Das liegt in erster Linie am Verhalten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, den Umsatzbringern früherer Zeiten. Facebook und Messenger wie WhatsApp sind in dieser Zielgruppe einfach angesagter. Angesichts des gigantischen Markts gibt es viel Konkurrenz und neue Dienste schießen rasch durch die Decke.

Ein Beispiel dafür ist Opens external link in new windowKik, der kostenlose Messenger für iOS, Windows Phone, Android, Symbian und BlackBerry. Er hat bereits 30 MIllionen Anwender und täglich kommen rund 100.000 dazu - meist Teenager. Sie verstehen sich als Opens external link in new windowKikster und finden mit Kik alles, was sie wünschen. Also in erster Linie andere Kikster. Smells like teen spirit.

Die SMS dagegen wird mehr und mehr zum Nischenprodukt für Ältere, die damit etwas Nützliches machen und sich Einkaufen oder Geldgeschäfte erleichtern. So dürfte die als SMS verschickt mTAN noch für etliche Jahre der Standard im Online-Banking sein. Hier gibt die Bequemlichkeit der Anwender den Ausschlag. Andere Verfahren mit einem zusätzlichen TAN-Generator sind angesichts der Verbreitung von Handys nicht besonders beliebt.

Auch der Online-Handel wird kaum auf die SMS für Bestellbestätigungen und ähnliche Dinge verzichten wollen. Mit ihr werden praktisch alle Kunden problemlos erreicht, auch solche ohne Smartphone oder ohne Interesse an der X-ten Anmeldung für noch einen Internetdienst. Und die Mobilfunkprovider selbst brauchen die SMS ebenfalls. Es geht dabei nicht um lässige Plaudereien, es geht um Service und natürlich um Werbung, der niemand mit einem Adblocker ausweichen kann.

Das moderne SMS-Marketing ist in Großbritannien bereits seit mehr als acht Jahren Wirklichkeit und kann jetzt auch in Deutschland von den Unternehmen erprobt werden.  Opens external link in new windowTextanywhere ist ein SMS-Cloudservice zur Erweiterung des Customer Relationship Management (CRM) um Direktansprache der Kunden via SMS. Mit dem sprichwörtlichen Mausklick können ganze Kundengruppen "angesimst" werden.

"Wir sehen unglaublich viele Möglichkeiten in Deutschland, speziell im Mittelstand", erklärt Günter Fuhrmann, Geschäftsführer der TextAnywhere GmbH. Das Unternehmen erhofft sich einen Markt bei Autowerkstätten, Friseuren, Kosmetikstudios, Reisebüros oder auch Arztpraxen und Physiotherapeuten. Hier soll zum Beispiel eine Terminerinnerung oder eine Bestellbestätigung per SMS zum Mittel der Wahl werden.

Damit ist der langweilige Normalzustand erreicht: Nutzenversprechen und Werbebotschaften. Gartner-Analysten würden von einem sanften Auslaufen des Hypecycles sprechen. Sicher wird es auch in Zukunft noch SMS geben, doch der lange Abschied der ehemals elektrisierenden "Short Messages" hat begonnen.

Bildquelle: Echomrg / sxc.hu

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