On-Demand Ridesharing

Shuttle-Dienst auf Abruf

Im Gespräch erläutert Maxim Nohroudi, Gründer und CEO von Door 2 Door, das Konzept „On-Demand Ridesharing“ und wie Städte, Gemeinden, der ÖPNV und schließlich auch die Bürger davon profitieren können.

  • Door 2 Door: Shuttle-Dienst auf Abruf

    Der „Shuttle-Dienst auf Abruf“ funktioniert software-basiert. Fahrgäste buchen per App und in Echtzeit.

  • Maxim Nohroudi, Door 2 Door

    Maxim Nohroudi, Gründer und CEO von Door 2 Door

Herr Nohroudi, welche Kritikpunkte erreichen oftmals die Städte, Kommunen und öffentlichen Verkehrsbetriebe hinsichtlich des Themas „Mobilität“?
Maxim Nohroudi:
Städte leiden unter zu viel Verkehr, zu viel Raum wird als Parkplatz genutzt. Im Moment stehen viele Städte kurz vor dem Verkehrskollaps – ganz zu schweigen von überschrittenen CO2-Grenzwerten und etwaigen Fahrverboten. Passende Konzepte und Lösungsversuche sind häufig Mangelware – dafür werden die Städte kritisiert.

Der ÖPNV ist für viele von uns keine Alternative zum eigenen Auto, da er zu unflexibel ist. Insbesondere in ländlichen Gebieten sind die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs zu gering. Der ÖPNV wird oftmals als ein starres System gesehen, das sich nicht den Bedürfnissen der Menschen anpasst.

Welche Vorteile und Möglichkeiten bieten an dieser Stelle „Shuttle-Dienste auf Abruf“?
Nohroudi:
Unser Ansatz ist es, öffentliche Verkehrsbetriebe zu befähigen, eigene On-Demand-Shuttle-Flotten zu betreiben, die voll in das bestehende Verkehrsnetz eingebettet sind. Der ÖPNV wandelt sich in ein dynamisches, flexibles Mobilitätsangebot um, das starre Routen und fixe Fahrpläne ersetzt. Die Ineffizienzen des ÖPNV – z. B. Leerfahrten oder Gebiete, die kein ausreichendes ÖPNV-Angebot haben – werden so vermieden und die Kosten erheblich gesenkt.

Durch diese flexiblen Angebote bekommen Autofahrer eine echte Alternative zum Auto geboten. Wir sind davon überzeugt, dass das Konzept die Städte maßgeblich verändern wird. Eine von der OECD durchgeführte Studie belegt, dass 100 Pkws durch drei Shuttles ersetzt werden können.

Wer ist hier hauptsächlich die Zielgruppe und warum?
Nohroudi:
Zur Zielgruppe gehört jeder, der von einem Standort zum anderen kommen möchte, jeder, der ein Smartphone nutzt, und jeder, der flexibel sein möchte. Insbesondere sind dies Autofahrer, für die Alternativen zum ÖPNV ein wichtiges Zusatzangebot sind.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wie sind die deutschen Städte hinsichtlich „Shuttle-Dienste auf Abruf“ bereits aufgestellt?
Nohroudi:
Wir arbeiten mit Duisburg zusammen, der ersten Stadt weltweit, die einen On-Demand-Service gelauncht und auf die Straße gebracht hat. Viele weitere Städte sind an dem Angebot interessiert. Abgesehen von einigen Pilotprojekten haben die deutschen Städte beim Thema „Shuttle-Dienst auf Abruf“ sicherlich noch Nachholbedarf.

Natürlich können ÖPNV-Anbieter das System auf verschiedene Weise betreiben: Eine kleinere Stadt wird es eher gemeinsam mit Taxi- und Busunternehmern aufbauen, in einer größeren Stadt wird das örtliche Verkehrsunternehmen eher eigene Kleinbusse leasen. Wir erfahren aktuell einen großen Beratungsbedarf, da die Städte sich erst in letzter Zeit intensiver mit der Lösung ihrer Probleme beschäftigen. Wichtig ist hierbei zu verstehen, dass Städte und Kommunen mögliche Lösungen auf Jahre planen und kalkulieren.

Worin besteht der Unterschied zum klassischen Sammeltaxi?
Nohroudi:
Der „Shuttle-Dienst auf Abruf“ funktioniert software-basiert. Fahrgäste buchen per App und in Echtzeit. Dadurch entsteht für die Städte ein virtueller, bedarfsorientierter Fahrplan. Unsere Ridesharing-Lösung ist voll in die bestehende ÖPNV-Infrastruktur integriert, sodass Anschlussverbindungen und Wege einfacher zu planen sind. Für den Nutzer ist der gesamte Reiseweg mittels einer Benutzeroberfläche planbar.

Wie funktioniert die Technologieplattform von Door 2 Door genau?
Nohroudi:
Die Mobilitätsplattform bietet Verkehrsunternehmen eine Rundumlösung zur Verbesserung des öffentlichen Transportwesens. Von Verkehrsdatenanalysen bis zum Bündeln von Fahrten per Ridesharing-Algorithmus: Die Technologie ermöglicht alles, was ÖPNV-Anbieter benötigen, um Mobilität effizienter, bedarfsorientiert, kostenschonend und komfortabel zu gestalten. Die Nutzer – die Kunden der ÖPNV-Anbieter – profitieren von einer App, mit der sie Fahrten flexibel buchen können.

An welchen Stellen sehen Sie bzw. Ihre Kunden noch Verbesserungsbedarf?
Nohroudi:
Aus unserer Sicht müssen noch mehr Städte und Gemeinden Ridesharing-Lösungen einführen und die bedienten Gebiete sowie Einsatzzeiten erweitern, damit die Vorteile wirklich spürbar werden. Wenn wir über „On-Demand Ridesharing“ sprechen, muss klar sein, dass es sich um eine Lösung handelt, die kurz vor dem Durchbruch steht. Natürlich müssen dementsprechend weitere Erfahrungswerte gesammelt und bestehende Konzepte verbessert werden.

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