Gemeinsame Technologiephilosophie

Sicherheit in jeder Schicht

Im Interview erläutert Xavier Gastaminza, General Manager Europe und Country Manager bei BQ, warum das Betriebssystem Android besser als sein Ruf ist und wie Smartphone-Nutzer auch selbst zum Schutz ihrer Daten beitragen können.

  • Frau mit Regenschirm

    Zum eigenen Schutz sollten neue Sicherheits-Patches immer sofort installiert werden.

  • Xavier Gastaminza, General Manager Europe und Country Manager bei BQ

    „Dieses Jahr war das Thema Datenschutz präsenter als jemals zuvor – und dies ist etwas, was wir als durchaus positiv erachten“, sagt Xavier Gastaminza, General Manager Europe und Country Manager bei BQ.

Herr Gastaminza, welchen Stellenwert besitzen Smartphones anno 2018 im Alltag der Deutschen?
Xavier Gastaminza: Smartphones spielen heutzutage eine Schlüsselrolle in unserem beruflichen und privaten Alltag. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unseres digitalen Lebens, indem sie die Kommunikation mit Anderen vereinfachen und uns den direkten Zugang zu allen möglichen Informationen geben, egal, wo wir uns befinden: sei es das Abfragen der neuesten Nachrichten, der Abschluss von Geschäftsbeziehungen mit Partnern in anderen Ländern, das spontane Fotografieren von besonderen Momenten oder der Abschluss von finanziellen Transaktionen über NFC.

In diesem Zusammenhang ist für uns als Hersteller die Vereinfachung des Alltags schon immer sehr wichtig gewesen und deshalb setzen wir bereits seit unserem Anfang im Jahr 2013 auf die Entwicklung von Dual-SIM-Geräten. Der Nutzer ist hierbei über zwei Nummern erreichbar, hat aber die Möglichkeit, Privates von Beruflichem zu trennen.

Wir halten die Nutzer in Deutschland für sehr anspruchsvoll und sehen ein großes Interesse an Innovationen. Um ihnen noch bessere Lösungen bieten zu können, wie sie mit ihrem Smartphone und ihrer Umwelt in Beziehung treten können, wollten wir dieses Jahr noch einen Schritt weitergehen. Unsere neue Aquaris-X2-Reihe hat zum ersten Mal Künstliche Intelligenz (KI) integriert.

Mit welchen Herausforderungen ist für Smartphone-Hersteller die Qualitätssicherung ihrer Geräte verbunden?
Gastaminza: Eine der größten Herausforderungen bei der Entwicklung eines Smartphones ist die Intensität der Nutzung und die Verlässlichkeit zu jeder Zeit. Die beste Nutzererfahrung zu bieten, gelingt nur bei höchsten Qualitätsansprüchen. Um die Erwartungen der Nutzer zu erfüllen, haben die Verlässlichkeit von Hardware, Software und Design höchste Priorität für uns. Unsere Geräte werden an unserem Hauptsitz in Spanien entwickelt. Unser Ingenieurteam kontrolliert hierbei die gesamte Prozesskette: von der Entwicklung des Displays, des Rahmens, bis hin zur Kamera und zum Akku. Bereits am Design arbeiten mehr als 200 Ingenieure, die eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigen müssen, zu denen auch die Nutzererfahrung der Vorgängermodelle gehört.

Danach werden Hardware, Software und Mechanik der entwickelten Prototypen auf Herz und Nieren geprüft, wie man es im Deutschen so gerne sagt. Das Gerät hat mehr als 2.000 Tests – wie beispielsweise einen Stoß- und Sturztest, einen Kamera- und Audiotest und einen Temperaturbeständigkeitstest – zu bestehen. Während des Temperaturtests werden die Geräte z.B. unter Temperaturen von über 100 Grad Celsius geprüft.

Wenn die Geräte alle Tests erfolgreich durchlaufen sollen, ist die Auswahl der richtigen Partner sehr wichtig. Hierbei ist jeder Schritt genau festgelegt und unterliegt strikten Qualitätsstandards, die eingehalten werden müssen.

Warum ist Ihrer Ansicht nach Android als Betriebssystem besser als sein Ruf?
Gastaminza: Wir glauben an Co-Creation, Open Source und die Macherphilosophie. Android integriert Sicherheitsstandards, die in der Industrie führend sind, und Entwickler sorgen dafür, dass Android ein sicheres Ökosystem bleibt. Das Android-Open-Source-Projekt bietet allen Interessierten einen umfassenden Sicherheitsbericht. Android verwendet darüber hinaus auch Open-Source-Technologien, die eine intensive externe Sicherheitsprüfung durchlaufen haben, wie der Linux Kernel. BQ und Google vereint eine gemeinsame Technologiephilosophie.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wir verwenden in unseren Geräten Stock Android,  die reinste Version des Betriebssystems. Jeder Hardware-Hersteller entscheidet sich für eine spezielle Nutzeroberfläche, und weil wir die beste Nutzererfahrung bieten möchten, haben wir uns dafür entschieden, möglichst nah an der Originalversion zu bleiben. Da so weniger Speicherplatz für Apps benötigt wird, können Updates schneller durchgeführt werden und es entstehen weniger Sicherheitsrisiken für unsere Nutzer.

Wir arbeiten sehr eng mit Google und Qualcomm zusammen, um die Sicherheit unserer Nutzer zu priorisieren. Ein Beispiel hierfür sind die monatlichen Sicherheits-Updates, die wir regelmäßig in unsere Firmware-Updates integrieren, genau wie die zahlreichen Sicherheitstests, die durchlaufen werden müssen, um die CTS-Zertifizierung von Google zu erhalten, sodass unsere Firmware für den Markt zugelassen wird.

Inwieweit steht Android One für Sicherheit?
Gastaminza: Unsere neue Smartphone-Reihe ist mit Android One ausgestattet. Hier erhält der Nutzer das neueste Betriebssystem, das ihn vor Bloatware und Schadprogrammen schützt. Dieses enthält Sicherheit in jeder Schicht seiner Architektur, um den Nutzer zu schützen. Google Play Protect scannt über 50 Milliarden Apps pro Tag nach Hinweisen auf Schadprogramme. Mit Android One verpflichten wir uns zu regelmäßigen Sicherheits-Updates für drei Jahre und System-Updates für zwei Jahre.

Wie lässt sich Android konkret absichern, um Angreifern keine Chance zu geben? Inwieweit können Eingriffe Dritter ins Betriebssystem vermieden werden?
Gastaminza: Bei uns arbeiten 70 Ingenieure Schicht für Schicht an der Firmware der Geräte. Wir kontrollieren diese in der gesamten Produktionskette und verifizieren dies auch mit Google, der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) und mit Hash-Verifizierungen über OTAs. Es ist wie ein großes Co-Working zwischen Google, Qualcomm, BQ und den Endnutzern. Wir alle suchen nach neuen und bereits aufgetretenen Sicherheitslücken und veröffentlichen monatliche Patches, um unsere Geräte zu sichern. Was Dritte anbelangt, unterstützen die Geräte derzeit die App „Play Protect“, die täglich Millionen von Apps nach Gefährdungen (PHAs) scannt.

Wie gravierend ist es für Android-Nutzer, wenn ein Hersteller einen Patch nicht installiert?
Gastaminza: Es kann sehr gefährlich sein, sobald eine Sicherheitslücke öffentlich bekannt wird und ein Hacker diese ausnutzt. Dies kann nur vermieden werden, wenn Hersteller immer die neuesten Sicherheits-Patches zur Verfügung stellen und die Nutzer ihre Geräte immer auf dem neuesten Stand halten. Wir nehmen dies sehr ernst und garantieren deshalb einen Versionswechsel für alle unsere Geräte. Sofern es technisch möglich ist, gibt es auch ein zweites System-Update.

Wie können Nutzer auch selbst zum Schutz ihrer Daten beitragen?Gastaminza: Dieses Jahr war das Thema Datenschutz präsenter als jemals zuvor – und dies ist etwas, was wir als durchaus positiv erachten. Die EU-DSGVO hat den wichtigsten Wechsel hinsichtlich der privaten Regulierung seit 20 Jahren gebracht. Damit einhergegangen sind neue Standards für alle Unternehmen. Wir empfehlen deshalb, dass die Nutzer sich immer für Hersteller entscheiden, die ihren Nutzern den besten Schutz vor Sicherheitsrisiken bieten. Sie sollten nur bei seriösen Anbietern kaufen und immer kontrollieren, welche Rechte sie den Apps geben, die sie vom Play-Store herunterladen.

Bildquelle: Thinkstock/iStock, BQ

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