Nachgefragt bei Manfred Kube, Gemalto

„Sicherheit ist unsere DNA“

Interview mit Manfred Kube, Head of M2M Segment Marketing bei der Gemalto M2M GmbH

Manfred Kube, Gemalto

„M2M-SIM-Karten sind besonders robust und temperaturunempfindlich“, weiß Manfred Kube, Head of M2M Segment Marketing bei der Gemalto M2M GmbH.

Herr Kube, für welche Branchen bzw. Unternehmensbereiche ist M2M besonders interessant/relevant und warum?
Manfred Kube:
Die vertikalen Märkte, in denen M2M den größten Nutzen stiften kann, sind vielfältig.

Smart Energy: Hier unterstützt M2M beim Aufbau von „Smart Grids“, d.h. der Energieversorgungsnetze der Zukunft, die sich an neue Marktanforderungen wie flexible Tarife und Abrechnungsmöglichkeiten sowie dezentrale Energieerzeugung (z.B. über Photovoltaik) anpassen müssen.

Tracking & Tracing – E-Call, Verkehrstelematik, Mautsysteme: Hier ermöglicht mobilfunkgestützte M2M-Technologie die Anbindung von Fahrzeugen an intelligente Verkehrsinformationssysteme, die z.B. helfen, den Kraftstoffverbrauch zu reduzieren und Routen optimal zu berechnen. Zudem bietet E-Call die Möglichkeit, dass im Notfall das Fahrzeug automatisch Rettungsdienste verständigt und mit weiteren Informationen, z.B. Ort und Schwere des Unfalls, Anzahl der Insassen etc., versorgt, z.B. falls die Fahrzeuginsassen dazu nicht mehr in der Lage sind. Die Europäische Kommission nimmt an, dass diese Dienste die Antwortzeiten der Rettungsdienste in Städten um 40 Prozent bzw. in ländlichen Bereichen um 50 Prozent verbessern und damit pro Jahr 2.500 Leben retten können. E-Call wird ab 2015 verpflichtend in der EU sein. Auch die Deutsche Bahn setzt bereits M2M-Technologie ein.

Fahrzeugtelematik – bCall, Flottenmanagement, Insurance Telematics, Remote Vehicle Access: Hier ermöglicht M2M u.a. nutzungsabhängige Versicherungstarife (Pay as you drive), Überwachung von Lieferungen und beispielsweise dass die Kühlkette beim Transport von empfindlichen Waren wie Lebensmitteln oder Arzneimitteln nicht unterbrochen wurde. Zudem wird durch Technologien wie LTE das „Verbundene Auto der Zukunft“ ermöglicht, in dem Benutzer das Internet unterwegs mit vergleichbaren Geschwindigkeiten und Latenzzeiten nutzen können, die sie von zuhause oder aus dem Büro gewohnt sind.

Mit den 4G-LTE-Diensten erhalten sowohl der Fahrer als auch seine Insassen ein attraktives Infotainment-Angebot. Die Services greifen auf eine High-Speed-Mobilfunkverbindung zurück und beinhalten moderne Leistungsmerkmale wie einen mobilen Wi-Fi-Hotspot, Internetradio, Web-Services und ein optimiertes Navigationssystem.

M-Health – Assisted Living, Chronic Care Management, Prävention: Auch im Bereich mobiler Gesundheitslösungen bietet M2M Antworten auf die aus den aktuellen Megatrends wie Überalterung der Gesellschaft und steigender Urbanisierung resultierenden Herausforderungen. Bei der Überwachung von Patienten mit chronischen Krankheiten eröffnet M2M-Technologie einen zusätzlichen Kanal zum Betreuungsteam. Durch kontinuierliche Überwachung des Patienten in seinem häuslichen Umfeld mittels entsprechender Sensoren kann eine teilweise schleichend einhergehende Verschlechterung seines Zustandes frühzeitig erkannt werden. Dies ermöglicht eine zeitnahe Intervention und kann helfen, kostenintensive Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Dies wird bereits erfolgreich bei Herz- oder Diabetespatienten eingesetzt. Intelligente Pillendosen helfen zudem, die Therapieadhärenz beim Patienten durch SMS-Erinnerungen etc. zu verbessern.

Smart Cities: In der „smarten Stadt der Zukunft“ wird M2M-Technologie in vielen Bereichen zu effizienteren Abläufen beitragen und z.B. neue Verkehrskonzepte wie Car Sharing oder E-Mobilität unterstützen, z.B. bei der sicheren Abrechnung an E-Car-Ladestationen.

Der M2M-Markt hat gerade in den letzten Jahren stark an Dynamik zugenommen und es gibt scheinbar keine Grenzen hinsichtlich Kreativität in Innovation in diesem Bereich. So trägt M2M-Technologie beispielsweise dazu bei, den brasilianischen Regenwald vor illegaler Abholzung zu schützen. Sogar Imker verwenden M2M-Technologie, um den idealen „Honigerntezeitpunkt“ mittels mit dem Mobilfunknetz verbundener Waagen unter ihren Bienenstöcken zu bestimmen.

Welche Anforderungen müssen die Unternehmen erfüllen, um auf M2M setzen zu können?
Kube:
Viele Unternehmen können ihre „Connected Business Models“ und Prozesse verbessern. Durch M2M-Technologie wird ein „Edge-To-Enterprise“-Ansatz ermöglicht, der Geräte im Feld eng ans Rechenzentrum anbindet.

Mit welchem Aufwand (zeitlich, personell, kostentechnisch) sind M2M-Projekte verbunden?
Kube:
Ein wichtiger Punkt in diesem Bereich ist der Aufwand bzgl. Zulassung der fertigen M2M-Kundenprodukte. Dieser kann jedoch durch unseren Ansatz von vorzertifizierten Modulen reduziert werden, bei dem unsere Kunden z.B. nur noch ein „Delta-Type-Approval“ durchführen müssen. Dies reduziert die „Time-To-Market“. Zudem bieten wir unseren Kunden entsprechenden Support bei der Zertifizierung und auch schon beim „Design-In“ unserer Module. In unserem F&E-Hauptstandort in Berlin betreiben wir z.B. eine eigene Mobilfunkbasisstation, um zusammen mit weiterem, umfangreichem Testequipment unsere Kunden entsprechend unterstützen zu können.

Wie können die Unternehmen die Kosten im Blick behalten, wenn die Kommunikation der Geräte/Maschinen/Automaten etc. über das Internet bzw. das Mobilfunknetz läuft – teilweise auch über Ländergrenzen hinweg? Welche Tarifmodelle sind im M2M-Bereich üblich?
Kube:
Hier gibt es diverse MNOs/MVNOs, die sich auf M2M-Tarife spezialisiert haben. Teilweise werden „globale Tarife“ angeboten. Zudem gibt es entsprechende Managementplattformen, um die Kosten im Blick zu behalten. Interessante Ansätze zur Kostenkontrolle bieten z.B. unsere Java-Module, bei denen entsprechende Kommunikationssteuerung als Java-Applikation direkt auf einem Modul laufen kann. Diese Anwendung kann sich z.B. an Umgebungsbedingungen anpassen oder Daten zunächst auf dem Modul sammeln und dann erst gesammelt übertragen, was im Vergleich zu ständiger Sendetätigkeit Strom und je nach Tarif Kosten sparen kann.

Wie unterscheiden sich M2M-SIM-Karten von den „normalen“ SIM-Karten?
Kube:
M2M-SIM-Karten (Machine Identification Modules, MIMs) sind besonders robust und temperaturunempfindlich. Cinterion-MIMs besitzen ein spezielles Betriebssystem, das die lange Lebensdauer sicherstellt, die kompatibel mit den Anforderungen und Produktlebenszyklus von M2M-Anwendungen z.B. in der Automobilindustrie ist. Vergleichbar mit SIM-Karten für Handys, stellen MIMs die Identität einer M2M-Applikation sicher und verschlüsselen die drahtlose Kommunikation. MIMs sind in einer Reihe von verschiedenen Formfaktoren erhältlich und unsere Fabriken sind beispielsweise nach strengen Normen der Automobilindustrie wie ISO TS 16949 zertifiziert.

Der kürzlich standardisierte MFF2-Formfaktor der lötbaren MIM bietet die Möglichkeit, die MIM fest im Auto zu verbauen. Dies bietet Vorteile, da z.B. die Lötverbindungen widerstandsfähiger gegen die teilweise starken Vibrationen sind, die in Autos auftreten. Fest verbaute MIMs stellen allerdings neue Herausforderungen dar, da diese später nicht einfach ausgetauscht werden können. Deshalb werden hier neue Verfahren in der Provisionierung angewandt. Unsere Subscription-Management-Lösungen ermöglichen es beispielsweise, die Operator-Identität erst „im Feld“ mit derselben hohen Sicherheit wie traditionell in der Fabrik auf die MIM zu bringen – oder auch später noch zu ändern. Dies vereinfacht Produktions- und Logistikprozesse.

Wie kann eine sichere Übertragung der Daten gewährleistet werden (Stichwort: Datenschutz)?
Kube:
Es besteht eine gewisse Grundsicherung, die in die Mobilfunkstandards „eingebaut“ ist. Zusätzliche Sicherungsmechanismen bieten standardbasierte Kryptografiemechanismen wie TLS oder auch dedizierte Hardware wie z.B. unser „embedded Secure Element“ (eSE). Sicherheit ist unsere „DNA“ bei Gemalto. Deswegen bieten wir neben entsprechenden Sicherheitslösungen auch Beratungsdienstleistungen an, um unsere Kunden bei der Absicherung ihrer Systeme schon von Beginn an zu unterstützen. Dies wird immer wichtiger, da M2M-Anwendungen zunehmend ein attraktives Ziel für Hacker werden.

Was geschieht bei Störungen der Mobilfunk-/Internetverbindung? Welche weiteren Probleme können auftreten?
Kube:
Bei temporären Störungen können intelligente Anwendungen (z.B. eine Java-Applikation, die direkt auf dem Modul läuft) eine Zwischenspeicherung der Daten durchführen und diese dann senden, wenn eine Mobilfunkverbindung wiederhergestellt werden kann. Zudem können Multi-Mode-Module in unterschiedlichen Mobilfunksystemen funken, z.B. CDMA und GSM/3G/4G. Dies ist z.B. bei Tracking-Anwendungen besonders interessant, die über Ländergrenzen verfolgt werden müssen. Hier kann das Funkmodul z.B. von CDMA auf 3G/4G-Betrieb umschalten.

In welchen Bereichen würden sich eher Übertragungstechnologien wie RFID oder Bluetooth eignen?
Kube:
Short-Range-Übertragungstechnologien wie RFID oder Bluetooth sind meist komplementär zu mobilfunkbasierter (Long-Range) M2M-Übertragungstechnologie. Im Gesundheitsbereich geht es z.B. darum, Daten von verschiedenen Sensoren wie Blutdruckmessgeräten oder Personenwaagen zu erfassen. Diese sind meist über Short-Range-Technologien wie Bluetooth oder Zigbee an entsprechende Gateways angebunden, die sich dann um die „Long Range“-Kommunikation und die Übermittlung der Daten in die Cloud über das Mobilfunknetz kümmern.

Was werden Ihrer Meinung nach die nächsten Entwicklungsschritte im Bereich „M2M“ sein?
Kube:
Bei den Anwendungen: „Connected Cars“ – LTE mit hohen Geschwindigkeiten und geringer Latenz. Allgemein werden sichere und skalierbare Services bei M2M immer wichtiger. „Big Data“ ist hier ein interessantes Thema. In der Zukunft wird der Mehrwert bei M2M-Anwendungen neben zuverlässiger und sicherer Hardware vor allem im Bereich Software und Services liegen. Wir sind dazu beispielsweise mit unserer cloud-basierten Sensorlogic-Application-Enablement-Plattform gut positioniert, um Kunden bei ihren M2M-Projekten „in der Cloud“ zu unterstützen, ohne dass diese dazu das Rad neu erfinden müssen. Sicherheit rückt zudem immer mehr in den Vordergrund: Wir ermöglichen es, unseren Kunden weltweit sichere digitale Services anzubieten.

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