Die Jugend von heute

Sind unsere Kinder süchtige Digitaltrottel?

Massenphänomen Internetsucht auf der einen Seite, digitaler Analphabetismus auf der anderen. Ja was denn nun?

Nein! Doch! Oooooh!

Wer Kinder kennt oder mit Ihnen sogar zusammenwohnt, der weiß, dass sie tolle Menschen sind, die aber manchmal doll nerven. Alles ganz normal also. Doch dann kommen sie wieder, die Jugendstudien mit ihrer Defizitsicht. Gerade heute ist eine davon erschienen, mit den erwartbar alarmierenden Ergebnissen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat ermittelt, dass fast sechs Prozent der zwölf bis 17-jährigen onlinesüchtig sind. Die bisher nicht besonders auffällig gewordene Drogenbeauftragte der Regierung, Marlene Mortler (CSU) sieht hier bereits ein "Massenphänomen" und fordert verstärkte Behandlungs- und Therapieangebote.

Diagnosehilfen gibt es bereits in großer Zahl, auch die BZgA bietet im Internet einen Selbsttest an. Wer sich die Checkliste genauer anschaut, bekommt einen Eindruck davon, wie die beunruhigend wirkenden Ergebnisse zustande kommen: Sie implizieren eine Internetnutzung auf dem Stand vor 15 Jahren.

Eine typische Frage ist "Wie häufig nutzt du das Internet, um deinen Sorgen zu entkommen oder um dich von einer negativen Stimmung zu entlasten?" Diese Frage entstammt natürlich der klassischen Drogenprävention - man hat einfach nur Alkohol, Ecstasy oder Pot durch "Internet" ersetzt.

Was aber bedeutet diese Frage für den Erfahrungshorizont eines durchschnittlichen Teenagers, dessen sämtliche besten Freundinnen und Freunde bei WhatsApp sind? Ganz klar: Bei Problemen quatscht man drüber, im Chat, notfalls sogar stundenlang. Macht 100 Gummipunkte auf der Abhängigkeitsskala.

Sendeschluss im Internet

Interessant auch die Frage "Wie oft freust du dich bereits auf deine nächste Internetsitzung?" Verstehen das heutige Kinder und Jugendliche überhaupt noch? Wer nach 2000 geboren ist, kennt die Welt der Internetsitzungen mit ihren Testbildern am Schluss ja gar nicht mehr. Heute sind wir eigentlich immer online, selbst wenn wir etwas anderes machen.

Natürlich ist es gemein, sich über einen seriös gemeinten Test auf diese Weise lustig zu machen. Doch er wirkt arg antidigital, denn auch ein internetaffiner Erwachsener erfüllt locker eine Vielzahl der Kriterien. Gibt es so viele Süchtige in unserem Volk? Und wer denkt an die Zukunft unserer Kinder?

Die Antwort auf die zweite Frage lautet: Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Sie hat nämlich vor kurzem auf einer Konferenz festgestellt, dass ein gutes Drittel der Schüler an deutschen Schulen digitale Analphabeten sind. Ihnen fehlt es an einem grundlegenden Verständnis von Internet und Informationstechnik.

Falls zu diesem Drittel nicht auch die selig dahindämmernden Spielsüchtigen gehören, sind wir bereits bei 40 Prozent. Unglaublich, so viele Kinder und Jugendliche nutzen Computer und Internet nicht so, wie es die Erwachsenen gerne hätten. Um der Glosse zum guten Schluss noch einen Dreh zu geben: 60 Prozent machen es richtig. Was ist das nur für 1 angepasste Jugend.

Bildquelle: Thinkstock

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