Der Nachfolger von 4G und LTE

Small Cells – die Lösung für 5G?

Die mobile Internetnutzung gewinnt an Bedeutung und der Bandbreitenbedarf wächst. Netzbetreiber suchen nach Lösungen, um den enormen Datenverkehr zu bewältigen. Ein Ansatz: Small Cells. Die kleineren Funkzellen sollen den Weg zum neuen technologischen Standard 5G ebnen, quasi dem Nachfolger von 4G und LTE, wie Bernard Pussel von Colt Technology Services erklärt.

Bernard Pussel, Colt

Bernard Pussel, Colt Technology Services

Herr Pussel, das mobile Internet stößt zunehmend an seine Grenzen. Woran liegt das?
Bernard Pussel:
Mehr als 25 Millionen Deutsche gehen täglich mit ihren Smartphones und Tablets ins Internet. Und die Zahl steigt. Der Branchenverband Bitkom erwartet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der verkauften Geräte um zwölf beziehungsweise 15 Prozent. Jeder dieser Endanwender nutzt auf seinen Geräten datenintensive Messaging-Dienste, Musik- und Videostreaming-Apps und checkt seine E-Mails – das bedeutet, der Bedarf an Bandbreite steigt enorm.

Spielen hier auch andere Faktoren eine Rolle?
Bernard Pussel:
Ja, meines Erachtens etwa das Internet der Dinge. Denn mit dem Smartphone steuerbare Thermostate, Kaffeemaschinen oder Lichtschalter empfangen und versenden ebenfalls mobile Daten. Dieser Trend wird künftig noch stärker in den Alltag integriert sein. Gartner erwartet bis 2020 global 25 Milliarden vernetzte Geräte. Insgesamt prognostizieren Experten im selben Zeitraum eine Steigerung des weltweiten Datenvolumens von derzeit 4,4 Billionen Gigabyte auf 44 Billionen Gigabyte.

Erst 2013 wurde die 4G-Technologie eingeführt, jetzt sprechen Experten schon von 5G. Wie ist der Status quo des mobilen Internets im Hinblick auf seine Leistungsfähigkeit?
Bernard Pussel:
Aktuell ist 4G – oder LTE – zwar technologisch State-of-the-art, doch muss man dazu sagen, dass diese Technologie noch gar nicht flächendeckend bei allen Anbietern verfügbar ist. Viele Endanwender nutzen noch immer 3G als Standard. Beide Netzgenerationen geraten jedoch in Anbetracht der eben genannten Entwicklungen an ihre Grenzen. UMTS und LTE funktionieren ja so, dass auf Dächern Antennen installiert werden, die große Funkbereiche, sogenannte Makrozellen, mit mobilem Netz versorgen. Netzanbieter versuchen zwar, möglichst viele dieser Montageflächen zu erwerben, um 4G überall verfügbar zu machen, das reicht allerdings nicht aus, um den tatsächlichen Bandbreitenbedarf abzudecken. Dabei sind vor allem Orte betroffen, an denen besonders viele Personen gleichzeitig mobile Dienste mit hohen Download-Geschwindigkeiten nutzen wollen, insbesondere Fußgängerzonen in den Ballungsgebieten.

Was verspricht die nächste Netzgeneration 5G?
Bernard Pussel:
5G verspricht Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1 Gigabit pro Sekunde (Gbit/s). Zum Vergleich: 4G erreicht im Durchschnitt gerade mal 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s). 5G ist dann also zehn Mal schneller als das heute beste Netz. Der Weg zu 5G führt über Small Cells mit einer Anbindung an Glasfasernetze. Anbieter wie Colt Technology Services sehen hier ein großes Wachstumspotential für die Netzkapazität.

Was genau sind denn Small Cells?
Bernard Pussel: Der
Begriff bezeichnet kleine Funkzellen. Sie decken einen Netzradius von wenigen bis zu 100 Metern ab. Während die momentan für 3G und 4G genutzten Makrozellen von zwei bis zu 40 Kilometern weit reichen.

Und wie genau werden diese Small Cells dann eingesetzt?
Bernard Pussel:
Small Cells werden dank ihrer kleineren Reichweite die Versorgungslücken im Makronetz schließen. Aufgrund der niedrigen Sendeleistung können Small Cells gerade in Städten gut verwendet werden. Dabei eignen sich auch kleinere Flächen wie Ampeln oder Laternen für die Anbringung der nötigen Sender. Zudem ist der Montageaufwand wesentlich geringer als bei der Installation einer ganzen Basisstation für Makrozellen. Small Cells sollen vor allem dort installiert werden, wo viel Netzkapazität gebraucht wird: auf öffentlichen Plätzen wie zum Beispiel Bushaltestelle oder Einkaufszentren. Aufgrund des Bedarfs an Kapazität werden diese kleinen Zellen wiederum an Glasfaser angeschlossen und versorgt.

Das heißt, Netzanbieter stehen jetzt im Wettbewerb um den Kauf von Ampeln und Laternenmasten?
Bernard Pussel:
Ja, die Sicherung der Flächen wird ein erster Schritt sein. Aber nicht nur die Netzanbieter untereinander stehen hier im Wettbewerb. Im Umkehrschluss ist der Markt auch für die Eigentümer der Flächen interessant. Zum einen können sie die Flächen an Netzanbieter vermieten, eine Möglichkeit ist aber auch, über eine eigene Installation von WLAN-Hotspots selbst zum Provider zu werden.

Also gibt es noch einige Herausforderungen bei der Umsetzung der Small Cells?
Bernard Pussel:
Die Dynamik des Marktes bleibt auf jeden Fall spannend. Zudem müssen Netzanbieter erheblich investieren, um die Small Cells flächendeckend einzusetzen. Einigen Betreibern könnte dies schwerfallen aufgrund der hohen Investitionen in die 4G-Technologie. Dennoch stehen alle Mobilfunkanbieter vor derselben Herausforderung. Denn eines ist klar: Die Kunden haben hohe Netzansprüche und werden den Anbieter wählen, der ihnen die gewünschte Bandbreite bieten kann.

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