Aufbau intelligenter Städte

Smart Cities: 5G ist nicht entscheidend!

Im Interview erklärt Spencer Hinzen, Director Business Development EMEA bei Ruckus Networks, warum 5G nicht entscheidend für die Umsetzung von Smart-City-Projekten ist.

Spencer Hinzen, Director Business Development EMEA bei Ruckus Networks

„Es gibt sicherlich Datenschutzvorfälle bei Smart-City-Projekten, allerdings ist uns kein konkretes Ereignis bekannt“, so Spencer Hinzen von Ruckus Networks.

Herr Hinzen, wie aktiv wurde das Thema „Smart City“ in den letzten Monaten in Deutschland angegangen?
Spencer Hinzen:
Smart City bildet bei uns eines der großen Schwerpunktthemen. Das gesamte Unternehmen konzentriert sich darauf, alle Möglichkeiten in diesem Bereich auszuschöpfen und agiert derzeit mit einer Vielzahl an Aktivitäten in diesem Bereich. So wurden beispielsweise die lokalen Teams geschult und wir sind momentan sehr aktiv bei der Ausweitung unseres Engagements und unserer Zusammenarbeit – nicht nur mit bestehenden, sondern auch mit künftigen Endnutzern. So entstehen aktuell Erfolgsgeschichten im Bereich Smart City u.a. in den Städten Kiel, Monheim, Köln, Hamburg und Berlin.

Inwieweit hat die seit dem 25. Mai 2018 geltende EU-DSGVO entsprechende Projekte beeinflusst?
Hinzen:
Die EU-DSGVO hat bis zu einem gewissen Grad Einfluss auf Smart-City-Projekte. Sicherheit, insbesondere Datensicherheit und Datenschutz, sind mit die wichtigsten Aspekte, die man bedenken muss, wenn man so ein Projekt umsetzt. Deshalb befürworten wir die neuen Richtlinien – und das auch aus einem einfachen Grund: Jedes Projekt, das man durchführt, sollte erfolgreich sein – und der korrekte Umfang mit Daten ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für Smart-City-Projekte.

Welche Städte sind mittlerweile mit welchen Szenarien Smart-City-Vorreiter?
Hinzen:
Das hängt im Einzelfall davon ab, welche Funktionen und Services gewünscht sind. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt experimentieren Städte noch und sind in der Findungsphase, was für sie die Erfolgsfaktoren von Smart City sind. Dabei haben wir schon diverse Smart-City-Konzepte gesehen: Asset-Tracking-Lösungen oder Way-Finding-Lösungen, Lösungen zur Verbesserung der Luftqualität, Parklösungen und viele weitere smart-city-bezogene Ansätze. Wir haben z.B. Way-Finding- sowie Location-based-Services-Lösungen in Kiel, Asset-Tracking-Lösungen in Monheim oder smarte Advertising-Lösungen in Köln implementiert.

Was sind die generellen Hauptziele beim Aufbau einer intelligenten Stadt?
Hinzen:
Um die Ziele einer Smart City festzulegen, muss zunächst geklärt werden, was eine „intelligente Stadt“ überhaupt ist. Nach unserer Definition muss eine intelligente Stadt bestehende Services verbessern sowie neue Dienstleistungen durch Innovationen bereitstellen. Am Anfang muss die Stadt festlegen, was sie möchte, welche Prioritäten sie hat und ob Budget für die Umsetzung dieser Prioritäten vorhanden ist. Wenn man dann mit der Projektumsetzung beginnt, wird die Zielgruppe definiert. Das können beispielsweise Bewohner einer Stadt sein, in einer Universitätsstadt können es die Studierenden sein, in Metropolen die Touristen, aber auch lokale Händler und Geschäftsleute. Im nächsten Schritt ist zu klären, welche Instrumente der Stadt zur Verfügung stehen, um die Zielgruppe zu erreichen: Das können Smartphones, selbstfahrende Autos oder Werbetafeln sein – alles, was man sich nur vorstellen kann, um mit der Zielgruppe zu kommunizieren. Schließlich muss sich die Stadt fragen, welche Infrastruktur sie schaffen muss – nicht nur um die einzelnen Prioritäten in die Wirklichkeit umzusetzen, sondern auch um darauf weitere Services aufzubauen.

Inwieweit sollen Smart-City-Konzepte Einfluss auf den Klimaschutz ausüben?
Hinzen:
Wir bieten die Infrastruktur und die Services, die die Städte für diverse Zwecke nutzen können. Wenn Klima eine ihrer Prioritäten ist, dann unterstützen wir die Städte als Partner mit Lösungen zur Verbesserung der Luftqualität sowie Flotten-Management- und Parklösungen.

Wie profitieren konkret die Bürger einer Stadt von solchen Smart-City-Projekten?
Hinzen:
Wenn Bürger die Zielgruppe eines Smart-City-Projekts sind, dann möchte man ihnen als Stadt auch bessere Services bieten, als das bislang der Fall ist. Können Städte durch das Smart-City-Projekt Kosten einsparen, wird mehr Budget für zusätzliche Services oder Projekte mit Mehrwert für die Bürger frei. Davon profitieren wiederum die Einwohner einer Smart City. Sie erhalten beispielsweise Hilfe bei der Parkplatzsuche oder Benachrichtigungen, welche Stadtviertel wegen eines hohen Verkehrsaufkommens oder schlechter Luftqualität gemieden werden sollten. Darüber hinaus können Bürger auch darüber informiert werden, wann sie ihre Pflanzen gießen sollten oder wenn Straßen gesperrt werden.

Wer „blecht“ für die intelligenten Städte? Sprich, wie gestaltet sich die Kostenverteilung bei Smart-City-Projekten?
Hinzen:
Aus unserer Sicht gibt es drei verschiedene Geschäftsmodelle, die in einer Smart City implementiert werden können: Beim werbebasierten Modell werden die Gesamtkosten eines Projekts von externen Partnern getragen. Der Vorteil dieses Modells ist, dass die Stadt das Projekt nicht selbst finanzieren muss. Allerdings gibt es oftmals die Diskussion, wem die gesammelten Daten gehören. Denn derjenige, der für das Projekt finanziell aufkommt, ist auch der Besitzer der Daten.

Weiterhin kann die Stadt das Projekt outsourcen. Wir haben Service-Provider in Deutschland, die die Infrastruktur bereitstellen, über die die Services dann laufen. Bei diesem Modell gehört die Infrastruktur den Service-Providern. Von Vorteil ist, dass spezifische Services flexibel und entsprechend der Kundenwünsche bereitgestellt werden können. Wenn der Stadt allerdings die Infrastruktur nicht gehört, dann gehören ihr auch nicht die User-Daten. Deshalb muss zu jeder Zeit sichergestellt werden, dass der Datenschutz gewährleistet ist.

Eine dritte Möglichkeit ist, dass die Infrastruktur der Stadt gehört und sie dafür auch bezahlt. Auf der einen Seite muss die Stadt dann entsprechendes Budget für das Projekt haben, auf der anderen Seite fließt aber auch der ROI an sie zurück und ihr gehören auch die Services. Städte haben natürlich die Möglichkeit, den Support und das Management dieser Services auszulagern, sind aber weiterhin der Besitzer der Infrastruktur und auch der Daten. Dementsprechend gehört der ROI zukünftiger Projekte ebenfalls der Stadt, während man dieselbe Infrastruktur nutzt.

Welche Rolle spielen hierbei z.B. die Glasfaseranbieter (Stichwort „Breitbandausbau“)?
Hinzen:
Glasfaseranbieter sind Teil der Infrastruktur. Je weiter der Breitbandausbau fortgeschritten ist, desto flexibler kann man sein, um seine Infrastruktur so effizient wie möglich aufzubauen. Wenn Städte beispielsweise Projekte auslagern, dann gehört den Service-Providern die Infrastruktur. Glasfaseranbieter könnten einer dieser Service-Provider sein und Wlan Access Points und andere IoT-HF-Technologien an das Glasfasernetz anschließen, um die sogenannte „letzte Meile“ abzudecken. Glasfaseranbieter sind daher aktive und wichtige Teilnehmer in diesem System.

Wie wichtig ist 5G für Smart-City-Projekte?
Hinzen:
5G ist unserer Ansicht nach nicht entscheidend für die Umsetzung von Smart-City-Projekten. Denn 5G ist lediglich Teil der HF-Technologien, die Smart-City-Konzepte unterstützen können. Es wird auf die Kosteneffizienz ankommen, ob 5G eine geeignete Technologie ist. Wir finden, dass 5G für kurze Distanzen ungeeignet und kostenintensiv ist – für große Reichweiten hingegen wird 5G immer interessanter.

Inwieweit ist es für Hacker möglich, sich in die Smart-City-Infrastrukturen einzuhacken und Chaos zu stiften? Welche Datenschutzvorfälle sind Ihnen bekannt?
Hinzen:
Es gibt sicherlich Datenschutzvorfälle bei Smart-City-Projekten, allerdings ist uns kein konkretes Ereignis bekannt. Datensicherheit bzw. die Sicherung der Smart-City-Umgebung ist von entscheidender Bedeutung. Das Thema ist einer der wichtigsten Grundbausteine von Smart-City-Projekten und sollte von Beginn an berücksichtigt werden.

Ab wann und wie ist der Erfolg einer Smart City letztlich messbar?
Hinzen:
Den Erfolg einer Smart City kann man z.B. messen, indem man die Zielgruppe befragt, ob sie mit den neu implementierten Services zufrieden ist und ob sich diese im Vergleich zu vorherigen Lösungen verbessert haben. Wir raten, die Zielgruppe einfach zu kontaktieren und nach ihrer Meinung zu fragen. Unter Kostengesichtspunkten ist zudem die Frage zu stellen, ob das Projekt nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig effizienter ist als zuvor und ob die Erwartungen an den ROI erfüllt wurden.

Bildquelle: Ruckus Networks

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