Datenbrillen: Orientierung am Nutzer

„Smart Glasses haben glänzende Zukunft“

Interview mit Dirk Schart, Head Of Corporate Communcations and Marketing bei der Re’flekt GmbH, über die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Datenbrillen

Dirk Schart, Re’flekt

„Mit Virtual Reality können die Anwender ein Event oder eine Show direkt neben ihren Lieblingsstars genießen“, weiß Dirk Schart, Head Of Corporate Communcations and Marketing bei Re’flekt.

Herr Schart, wie gestaltet sich der aktuelle Markt im Bereich der Datenbrillen/Smart
Glasses/VR-Brillen?
Dirk Schart:
Je mehr Brillen uns erreichen, desto praxistauglicher werden sie – innerhalb kürzester Zeit. Waren es zuerst die Augmented-Reality-Glasses, die Aufmerksamkeit erregten, so ziehen jetzt die Hersteller mit Virtual-Reality-Brillen nach. Während Google Glass den Markt geöffnet und für die notwendige Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist Samsung durch die Kooperation mit Oculus ein cleverer Schachzug gelungen. Völlig überraschend kam Microsofts Ankündigung der Hololens. Auf dem Mobile World Congress in Barcelona gab es dann mit der Vive von HTC und Valve den nächsten Knaller. All das während die längst erwartete Oculus Rift noch in der Entwicklung steckt.

Welches Interesse zeigen die Anwenderunternehmen?
Schart:
Das ist die ganze Bandbreite: von Markenwelten und Produktdemos über virtuelle Konzerte und Reportagen bis hin zum Einsatz in der Industrie. Digitale Informationen aus dem Handbuch, Reparaturanleitungen oder virtuelle Trainingsszenarien. Es sind nicht immer nur die Anwendungen mit der aktuellsten Technik. Das Google-Cardboard zeigt, dass sich mit einfachen Mitteln und einem guten Konzept hervorragende Erlebnisse schaffen lassen.

Inwieweit kommen die Brillen bereits konkret zum Einsatz?
Schart:
Meistens denken die Unternehmen, dass die Brillen jetzt die Tablets ersetzen. Genau deshalb haben wir eine Demo-Wall konzipiert, an der die Benutzer verschiedene Brillen testen können. Dann sehen die Unternehmen schnell, wofür sich die Brillen eignen und wann ein Tablet besser ist. Es gibt schon einige sehr spannende Umsetzungen, sowohl im AR- wie auch im VR-Bereich. Gerade in der Industrie und im Automobilbau. Vielfach werden die Projekte leider nicht kommuniziert. Ganze Fabriken werden virtuell geplant und mit Smart Glasses simuliert. Auch gibt es die ersten Anwendungen, mit denen man sich sein Auto endlich in der Wunschkonfiguration anschauen kann – von innen und außen.

Oder ist alles noch eher Vision?
Schart:
Natürlich steckt noch viel Konzept und Vision in manchen Datenbrillen. Wenn man allerdings die Geschwindigkeit betrachtet, mit der wir immer näher an praxistaugliche und sinnvolle Anwendungen gelangen, dann ist die Vision nicht mehr weit entfernt.

Welche Möglichkeiten bietet der Einsatz von Datenbrillen in der Branche?
Schart:
Nimmt man die Augmented-Reality-Brillen, dann sind es sicherlich die kontext-bezogenen Informationen. Mit Smart Glasses stellen Unternehmen ihren Zielgruppen Informationen zur Verfügung, wenn sie relevant sind: zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, in der passenden Situation. Haben Informationen für uns Relevanz, dann schenken wir dem Thema mehr Aufmerksamkeit. In der virtuellen Welt ist es die Möglichkeit, den User an den Ort des Geschehens zu bringen, ihm völlig neue Perspektiven zu bieten. Man denke nur an Konzerte, Sportveranstaltungen oder Dokumentationen.

Können Sie konkrete Einsatzszenarien beschreiben?
Schart:
Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein Möbelstück zusammen und die Anleitung ist kompliziert. Mit einer AR-Brille bekommt der Kunde die Anleitung direkt in sein Sichtfeld. Kein Blättern, Suchen oder Vergleichen. Mit VR können die Anwender ein Event oder eine Show direkt neben ihren Lieblingsstars genießen. Sie setzen sich auf die Showbühne und fühlen sich wie einer der Gäste. Die neue Perspektive, die Möglichkeit zur Interaktion bietet ein völlig neues Unterhaltungserlebnis.

Mit welchen Herausforderungen haben die Hersteller noch zu kämpfen? Welche Stolpersteine gibt es?
Schart:
Auf technischer Seite sind es Akkuleistung, Performance der Hardware und die optische Korrektur für Brillenträger. Hinzu kommen die Ergonomie und auch das Aussehen. Da spielen auch soziale Faktoren eine Rolle: Wer will mit einer klobigen Brille gesehen werden? Auf der Entwicklungsseite ist es vor allem das User Interface. Wie müssen Buttons gestaltet sein, wie lässt sich eine Anwendung bedienen? Was die Benutzer von Smartphone und Tablet seit Jahren gewohnt sind, muss bei den Brillen erst geschaffen werden: eine natürliche Bedienung. Ganz wichtig: Alles orientiert sich am User und nicht an den technischen Möglichkeiten der Smart Glasses.

Welchen Stellenwert hat das Thema „Sicherheit“ im Bereich der Datenbrillen?
Schart:
Geht es um Daten, dann ist es nicht anderes als bei Smartphone und Tablet. Vielmehr ist es die Bedienung, die nicht vom eigentlichen Geschehen ablenken darf. Bei AR-Brillen gibt es den Vorteil, dass man seine reale Umgebung sieht. Das schafft bei vielen Anwendern ein „sicheres“ Gefühl. Völlig abgeschottet ist der Benutzer in der VR-Brille. Hier gibt es keinen Bezug mehr zum realen Umfeld. Dies muss bei der Konzeption berücksichtigt werden.

Welche Zukunft sagen Sie den „Smart Glasses“ voraus?
Schart:
Smart Glasses haben eine glänzende Zukunft – und für uns gehören sie bald zum Alltag. Sind die Geräte erst einmal etwas handlicher und leichter, dann werden sie tagtäglich im Einsatz sein. Kontext-bezogene Informationen, relevante Daten direkt im Sichtfeld und virtuelle Erlebniswelten zeigen schon heute ihren Mehrwert.

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