IP-fähige Haushaltsgeräte

Smart-Home-Lösungen verändern den Haushalt

Bis sämtliche Haushaltsgeräte IP-fähig sind, wird noch etwas Zeit vergehen. Doch dann wird man Licht, Heizung und Smart-TV sogar per Sprache steuern können. Dies berichtet Robert Klug, Geschäftsführer bei der iHaus AG, einem Softwarespezialisten für das Internet der Dinge.

  • „Große Entwicklungssprünge werden wir künftig bei weißer Ware, also bei Kühlschränken, Waschmaschinen, Geschirrspülern, sehen“, glaubt Robert Klug, CEO bei iHaus.

Herr Klug, Smart-Home-Anwendungen gibt es mittlerweile viele. Doch welche Anwendungen sind sinnvoll und welche bloße Spielereien?
Robert Klug:
Das ist oft ein schmaler Grat, auch da vieles zunächst Spielerei ist, bevor es die Menschen annehmen und es damit zum Teil unseres Alltags wird.

Blickt man auf die Smart-Home-Anwendungen, die heute schon genutzt werden, geht es vordergründig um zwei Faktoren: Erstens Energie sparen und zweitens Zeit sparen. Das bedeutet, die Nutzer wollen vor allem Technologien, mit denen sie Routinen zusammenfassen und automatisieren können. Das Licht per iPad ein- und aus schalten ist also nicht der große Fortschritt. Alle Lichter gleichzeitig aus schalten, spart aber durchaus Zeit. Beim Thema Energie geht es neben Heizungssystemen und Klimaanlagen vor allem auch um Unterhaltungselektronik. Die verbraucht oft unnötig Energie, obwohl niemand im Haus oder im Raum ist. Da lässt sich leicht gegensteuern, z.B. mit IP-fähigen Steckdosen. Das altbekannte Standby-Modus-Problem gehört dann der Vergangenheit an.

Warum sind „Smart Homes“ hierzulande noch nicht flächendeckend verbreitet?
Klug:
Viele Menschen wünschen sich Smart-Home-Lösungen, sind aber nicht bereit, die heute noch oft nötigen hohen Investitionen zu tätigen. Das wird sich ändern. Die Hardware wird günstiger werden, Installationen und Einrichtungen werden weniger oft nötig sein und die Kosten für Software werden in den ein- und zweistelligen Eurobereich absinken.

Aktuell erkennen viele Menschen den Nutzen vorhandener Lösungen noch nicht, auch weil dieser oft schlichtweg nicht vorhanden ist. Wird ihnen irgendwann die Möglichkeit geboten, ihre Hausarbeit in der Hälfte der heute benötigen Zeit zu erledigen, wird die Nachfrage nach Smart Homes explodieren. Nicht zuletzt gibt es eine Gruppe, die bereits ein Interesse an Smart-Home-Technologien hat, die aber durch Sicherheitsbedenken abgeschreckt wird.

Welche Standards gibt es für den Einsatz von Smart-Home-Lösungen?
Klug:
Der Begriff „Internet der Dinge“ beschreibt die gesamte Smart-Home-Entwicklung viel besser. Geräte, die wir in einem intelligenten Zuhause steuern wollen, müssen IP-fähig werden. Das heißt nicht, dass der Kühlschrank morgen ins Internet geht und einkauft – das ist übrigens ein oft genanntes, dabei jedoch wenig sinnvolles Anwendungsbeispiel. Es bedeutet lediglich, dass der Kühlschrank kommuniziert. Das heißt, er muss über das Netzwerk zuhause erreichbar sein, damit er Befehle entgegennehmen kann. Von daher ist das Internet Protocol (IP) ein wichtiger Standard. Heute nutzen wir häufig noch Gateways oder Bridges, die zwar über IP angesprochen werden, die Lampen oder Heizungen wiederum werden dann von diesen Gateways über andere Funktechnologien gesteuert. Bekannte Anbieter dafür sind etwa Z-Wave oder Enocean. Der Grund ist, dass Wlan-Chips und Antennen heute noch nicht in jedem Gerät untergebracht werden können. In Zukunft wird dies jedoch sicherlich möglich sein.

Ein Blick in die Zukunft: Was kommt im Smart- Home wohl noch auf uns zu?
Klug:
Vieles im „Internet der Dinge“ besitzt erst Prototypenstatus. Kommt es zur Marktreife, werden die neuen Technologien zumeist erst einmal für das Luxussegment hergestellt. Bis nützliche Technologien, oder auch solche, die einfach nur Spaß machen, dem Massenmarkt zugänglich sind, dauert es in der Regel ein paar Jahre.

Große Entwicklungssprünge werden wir künftig bei weißer Ware, also bei Kühlschänken, Waschmaschinen, Geschirrspülern, sehen. In erster Linie werden uns diese Entwicklungen helfen, Energie und andere Ressourcen einzusparen. Ein Beispiel: Kühlschränke können Strom sparen, indem sie die Kühltemperatur dann erhöhen, wenn niemand zu Hause ist. Denn dann macht keiner den Kühlschrank auf. So braucht dieser weniger Strom, weil er nicht ständig auf die Soll-Temperatur herunterkühlen muss.

Noch muss man seine Geräte per Knopfdruck steuern, inwieweit wird dies bald per Sprachsteuerung möglich sein?
Klug:
Das Wettrennen zwischen Google und Apple um die Krone der Sprachsteuerung wird uns noch das eine oder andere Mal staunen lassen. Das Problem in Bezug auf Smart Home ist aktuell, dass man immer noch ins Smartphone sprechen muss. Die Zukunft sieht jedoch so aus, dass man einen Sprachbefehl immer und überall im Haus, im Auto oder im Büro absetzen kann, um die Heizung zu steuern.


Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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