„Es gibt noch viel zu bewegen“

Smarte Technik beim Sporttraining

Im Gespräch erläutert Florian Petri, Gründer und Geschäftsführer von Kernwerk, welche smarten Technologien beim Sporttraining sinnvoll sind und welche Rolle Fitness-Apps hierbei spielen – im Vergleich zu einem Personal-Trainer.

  • Frau mit Smartphone im Fitnessstudio

    Das Training mit einem „echten” Personal-Trainer sei dem Training mit einer Fitness-App immer vorzuziehen, so Florian Petri von Kernwerk.

  • Florian Petri

    Laut Petri werden jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge für ungenutzte Mitgliedschaften in Fitnessstudios „verbrannt“.

Herr Petri, wie fit ist Deutschland anno 2018?
Florian Petri: Zwar ist Sport in Deutschland schon immer ein großes Thema gewesen und jedes Jahr gibt es neue Sport-Trends – dennoch kann man aus unserer Sicht nicht sagen, dass Deutschland so fit ist, wie es sein könnte. Jeder zweite Deutsche ist mit seinem Körper nicht zufrieden und die Zahlen übergewichtiger Menschen nehmen auch hierzulande zu. Trotzdem werden jedes Jahr dreistellige Millionenbeträge für ungenutzte Mitgliedschaften in Fitnessstudios „verbrannt“. Alleine an dieser Diskrepanz erkennt man, dass es hier noch viel – im wahrsten Sinne des Wortes – zu bewegen gibt.

Welche Rolle spielen heutzutage smarte Technologien beim Sporttraining?
Petri: Mit zunehmendem, technologischen Fortschritt wachsen auch die Erwartungen der Trainierenden an das Training. Hier gibt es verschiedenste neue Ansätze, angefangen bei dem Elektro-Myo-Stimulationstraining (EMS), über verschiedene Wearables bis hin zu algorithmusbasiertem Training, wie wir es etabliert haben. Die Aufgabe wird in den kommenden Jahren sein, die sinnvollen von den nicht-sinnvollen Innovationen zu unterscheiden und die positiven Aspekte aus neuen Technologien herauszukitzeln. Auf diesem Gebiet tut sich momentan viel, aber es ist noch ein enormes, ungenutztes Potential vorhanden. Bei uns geht es beispielsweise darum, durch eine datengesteuerte Analyse und genaues Performance-Tracking das beste Training für jeden einzelnen Sporttypen zu erstellen – in einer Tiefe und Form, wie es vorher nicht möglich war.

Wie kann konkret mithilfe einer Applikation wie Kernwerk das Sporttraining individueller gestaltet werden?
Petri:
Hier kommen zwei Merkmale zum Tragen, die unser R.E.S.T.-Algorithmus liefert: zum einen die persönliche Skalierung von Workouts und sogar einzelner Übungen, bezogen auf die individuelle Leistungsfähigkeit in den einzelnen Übungen. Das bedeutet, dass zunächst die passende Übungsvariante gefunden werden muss. Im Anschluss wird zusätzlich die passende Anzahl der Wiederholungen berechnet sowie das passende Gewicht kalkuliert. Die Ergebnisse erlauben es, auf persönliche Stärken und Schwächen einzugehen.

Zum anderen bieten wir unseren Sportlern die Möglichkeit, überall trainieren zu können und dabei je nach Vorliebe Equipment wie z.B. Hanteln mit einzubeziehen – oder eben nicht. Bei uns kann man vor jedem Training neu entscheiden, ob man mit Geräten oder nur mit dem Körpergewicht trainieren möchte – oder jede Variante „dazwischen“.

Worin sehen Sie generell die Vor- und Nachteile von Fitness-Apps gegenüber dem Workout mit einem echten Trainer?
Petri: Das Training mit einem „echten“ Personal-Trainer ist dem Training mit der Fitness-App aus unserer Sicht immer vorzuziehen. Der Personal-Trainer kann in höchstem Maße individuell und persönlich auf den Trainierenden eingehen, ihn motivieren, begeistern, mitzählen, Übungen vormachen – das kann eine App nicht leisten.

Die App hat jedoch den Vorteil, dass sie unglaublich viele Menschen gleichzeitig erreicht, nur einen Bruchteil des Personal-Trainers kostet und immer griffbereit ist. Unser Gedanke ist also, dass wir das Wissen des Personal-Trainings so weit wie möglich in unseren Algorithmus transferieren, um alle Leistungen des echten Trainers, die man automatisieren kann, zu automatisieren. So wird z.B. die Workout-Erstellung und das Anpassen einzelner Übungen, die auch bei einem Personal-Trainer nach gewissen Mustern abläuft, über die App automatisiert und so das perfekte Workout „live“ direkt auf dem Smartphone angezeigt.

Ein weiterer Vorteil der App: Sie kann besser mit großen Datenmengen umgehen als das Gedächtnis des Trainers. Bei mehreren Probanden kann selbst ein guter Trainer sich nicht alle Ergebnisse und Trainingseinheiten über einen langen Zeitraum merken und auch abrufen.

Wie können Neu-Aktive motiviert und mögliche Einstiegshürden für das Nutzen einer Fitness-App genommen werden?
Petri:
Hier ist das persönliche Zuschneiden der Trainingseinheiten ein Vorteil. Man wird nicht direkt überfordert, sondern das Training wächst mit dem Trainierenden mit. Zusätzlich hat man über einen langen Zeitraum immer wieder Erfolge, da die Trainingseinheiten im gleichen Maße schwieriger werden, wie man besser wird. Das Training ist also gefühlt immer gleich „anstrengend“.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Kernwerk

©2018Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok