Der schlaue Parkplatzautomat

Smartphone-Apps verteilen digitale Parkscheine

Die Bewohner und Besucher Amsterdams haben die Möglichkeit, ihre Parkplätze über mobile Anwendungen zu buchen und zu bezahlen.

Amsterdam Parkplätze

In Amsterdam werden Parkplätze auf die Nummernschilder der jeweiligen Autos ausgestellt.

Für die Stadt selber ist dies ein Milliarden-Euro-Geschäft und der Einstieg in die Smart City. Denn die mobilen Anwendungen sind ein wichtiger Teil für Mobilität und Verkehrssteuerung in der niederländischen Metropole.

Amsterdam ist eine Stadt ohne Tiefgaragen. Große Teile der niederländischen Metropole liegen knapp unter dem Meeresspiegel, deshalb ist es hier fast unmöglich, in die Tiefe zu bauen. Eine Folge ist, dass Parkplätze knapp sind und die Stadt bis zu 7,50 Euro für eine Stunde Parken in der Innenstadt verlangt. Diese Einnahmen summieren sich zu einem stattlichen Betrag – die Vermietung von Parkplätzen in Amsterdam ist ein 200-Millionen-Euro-Markt.

Doch die Umsätze aus diesem Geschäft waren für die Stadtverwaltung bislang nur schwer zu budgetieren und zu kontrollieren. Denn wie auf der ganzen Welt sind die Autofahrer nur selten bereit, für ihre Parkplätze zu zahlen.

Seit rund zwei Jahren vermieten die Amsterdamer ihre Parkplätze nun mithilfe von mobilen Apps und kontrollieren die geparkten Fahrzeuge mit einer weiteren mobilen Anwendung. Die Autofahrer haben die Möglichkeit, über das Smartphone einen Parkplatz zu suchen, zu buchen und zu bezahlen. Anstelle des Papierzettels hinter der Windschutzscheibe wird der Parkplatz auf das Nummernschild des Autos ausgestellt. Für die Kontrolle fahren Kamerawagen durch die Stadt, die die Nummernschilder fotografieren, an eine Scan-Anwendung schicken, die wiederum die erkannten Daten zum Abgleichen weitergibt.

„Hierfür brauchten wir eine stabile IT-Plattform. Denn wir arbeiten praktisch rund um die Uhr und scannen rund 40 Millionen Nummernschilder im Jahr“, sagt Jan Lukkien, IT-Manager bei Egis Parking Services.

Stabile IT-Plattform notwendig

Egis Parking Services ist laut Lukkien für die gesamte Parkraumbewirtschaftung verantwortlich. Das Unternehmen sorge für die Verwaltung, Kontrolle und Abrechnung der Parkplätze auf den Straßen Amsterdams und lasse die Kassen der Metropole klingeln: Die Stadt erwartet vom Unternehmen über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 1,7 Milliarden Euro Einnahmen aus dem Parkraumgeschäft.
So sind die Parkplatz-Apps auf dem Smartphone nur ein winziger Teil einer riesigen Infrastruktur, die in dem Rechenzentrum die Datenverarbeitung für rund 40 Millionen geparkte Fahrzeuge im Jahr übernimmt. Sie besteht aus vier Ebenen: Zunächst buchen die Autofahrer über Apps verschiedener Anbieter einen Parkplatz im Zentrum. Sie reservieren sich einen Platz vor ihrem Wohnhaus oder schließen ein befristetes Park-Abo für ihre Gäste und Besucher ab.

In der zweiten Ebene sammelt und verarbeitet Egis die Daten und gleicht sie mit den Datenbanken in der dritten Ebene ab. Die wird von der Stadt Amsterdam betrieben, denn hier sind die Daten der Amsterdamer hinterlegt; u. a. Adressen und Autokennzeichen. Über den vierten Layer sorgen die Mitarbeiter von Egis Parking Services für die Kontrolle auf den Straßen – und für die pünktliche Überweisung aller Parkgebühren.

Der Schrecken aller Amsterdamer Falschparker sind die Egis-Scan-Autos. Die Kontrolleure sitzen wie an ihren Schreibtischen und schauen mit sogenannten „SCANaCAR-Systemen“ auf die Amsterdamer Straßen. „Diese Scan-Autos liefern pro Sekunde bis zu 800 Bilder von Fahrzeugen und deren Nummernschildern in die Rechenzentren“, erklärt Jan Lukkien. „Mit unserer Software suchen wir die Kennzeichen in unseren eigenen Datenbanken und auch in den Datenbanken der städtischen Behörden.“ So überprüften seine Kollegen und deren Software-Anwendungen, ob der Fahrzeugbesitzer den korrekten – virtuellen – Parkschein für die betreffende Parkzone erworben hat.

Parkgebühren prellen kaum mehr möglich

Für die Falschparker gibt es kein Entkommen. Deshalb ist Amsterdam in der komfortablen Situation, dass nahezu alle Autofahrer für ihren Parkplatz zahlen. Für die Bürger ist der Erfolg des Egis Parking Services umwerfend und gleichzeitig auch ein wenig gruselig. Das System, das zunächst für die Bewirtschaftung des Parkraums gedacht war, sorgt für viel Fantasie. Denn hier sind alle Amsterdamer Autofahrer, ihre Fahrzeuge und fast sämtliche Parkplätze gespeichert und miteinander verlinkt.

Es ist kein Wunder, dass die Frage, wann welches Fahrzeug wo geparkt war, auch andere Stellen der „smarten Stadt“ interessiert. So möchte etwa das Finanzamt von der Digitalisierung der Stadt profitieren. Finanzbeamte haben die Möglichkeit, ohne großen Aufwand über die Nummernschildererkennnung die Abrechnungen für die Nutzung von Firmenwagen zu überprüfen.

Und auch Versicherungen wollen an die Daten: Deren Mitarbeiter sind immer auf der Suche nach „verlorenen“ oder gestohlenen Autos. Im Moment läuft ein Pilotprojekt, in dem die Datenbanken der Versicherungen mit den Egis-Datenbanken abgeglichen werden. Innerhalb von wenigen Minuten finden die Versicherungsfahnder alle gemeldeten Fahrzeuge, die Autodiebe in den Straßen von Amsterdam abgestellt haben.

Die Technische Infrastruktur hinter den mobilen Parkraum-Apps
Für die Verarbeitung und das Auslesen der 40 Millionen Amsterdamer Nummernschilder, deren Kontrolle und den Rechnungsversand, laufen im Rechenzentrum von BT rund 100 virtuelle Maschinen in einer VMware-Umgebung. Hier werden Datenbanken, Verzeichnisse und Anwendungen gehostet. „Diese Lösung bietet eine solide Grundlage für zukünftiges Wachstum und wird Egis helfen, seine End-to-End-Parklösungen in anderen Städten der Niederlande und vielen weiteren Orten weltweit zu vermarkten“, sagt Leonard Knijff, Business Development Manager bei BT in den Niederlanden. Anders als in anderen Metropolen sei ein großer Teil der Amsterdamer Verwaltung bereits digitalisiert. „Diese Datenbanken bilden das Fundament für die Parkplatzabrechnung.“ Auch sind die Parkplätze teurer und seltener als in vielen anderen Metropolen rund um den Globus: Deshalb waren die Umsätze vom Start weg so hoch, dass sich das Projekt rechnete.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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