Industrie 4.0

Smartwatches in der Produktion?

Im Interview berichtet Jens Offhaus, Head of Marketing Mobile Communication bei LG Electronics, dass Smartwatches für den industriellen Einsatz vor allem im Zuge des Trends „Industrie 4.0“ zunehmend interessant werden.

Jens Offhaus, LG

„Eine Smartwatch soll der persönliche Assistent für jedermann werden“, so Jens Offhaus, Head of Marketing Mobile Communication bei LG.

Herr Offhaus, die Smartwatch: nur ein Accessoire am Handgelenk oder ein ernsthaft nützlicher Alltagsbegleiter?
Jens Offhaus:
Die Smartwatch ist sicher mehr als ein bloßes Accessoire, auch wenn beispielsweise unsere Watch Urbane eine echte Augenweide ist. Schon jetzt lässt sich über die Smartwatch beispielsweise die Musiksammlung bedienen und Nutzer können Nachrichten sowie Benachrichtigungen über entgangene Anrufe empfangen, ohne in irgendeiner Tasche umständlich nach dem Smartphone fingern zu müssen. Die Smartwatch integriert auch bereits wichtige Funktionen eines elektronischen Trainingspartners, und es werden eine Menge weiterer nützlicher Anwendungen folgen. Wir stehen hier erst am Anfang einer spannenden Entwicklung.

Was sind typische Anwendungsszenarien von Smartwatches?
Offhaus:
Aktuelle Modelle sind zunächst vor allem Erweiterungen des Smarphones und erlauben die Bedienung bestimmter Smartphone-Funktionen einfach vom Handgelenk aus. Smartwatches wie die Watch Urbane bieten mit eingebautem WLAN darüber hinaus Funktionen, die unabhängig vom Smartphone genutzt werden können, z.B. das Speichern und Abspielen der eigenen Musiksammlung sowie die Pulskontrolle bei sportlicher Betätigung.

Inwiefern sind die smarten Uhren auch für den industriellen Einsatz interessant? Können Sie Beispiele nennen?
Offhaus:
Für den industriellen Einsatz werden Smartwatches vor allem im Zuge des Trends „Industrie 4.0“ zunehmend interessant. Produktionsprozesse und -maschinen lassen sich so einfach über eine App auf der Smartwatch überwachen und steuern. Auch eine Warnung durch die Smartwatch z.B. bei Erreichen kritischer Systemzustände kann ein wichtiger Baustein einer Industrie-4.0-Strategie sein.

Wie lassen sich bei der Entwicklung Robustheit und stylisches Design miteinander verbinden?
Offhaus:
Man kann z.B. an traditionelle Verfahren und Materialen anknüpfen. Das ist uns bereits gelungen. Die Watch Urbane verbindet beispielsweise modernste P-Oled-Technologie für das Display und ein leistungsfähiges Innenleben mit einem schicken und robusten Edelstahlgehäuse sowie einem stylischen Lederarmband.

Auf dem Markt tummeln sich mittlerweile zahlreiche Anbieter. Worauf sollten Interessierte beim Kauf einer Smartwatch achten?
Offhaus:
Wie bei anderen Geräten auch ist ein Verbraucher bei etablierten Anbietern eher auf der sicheren Seite. Neben den gebotenen Funktionen sollten Nutzer vor allem auf eine solide Bauqualität und auf die Kompatibilität mit anderen Geräten achten. Schließlich will man sich als Nutzer ja nicht abhängig machen vom Anbieter der eigenen Smartwatch.

Was sind besonders beliebte Funktionen bei den Anwendern bzw. was ist ihnen besonders wichtig?
Offhaus:
Die meisten Anwender suchen ein cooles Accessoire mit edlem Design, aber auch ein Gadget, das ihr mobiles Leben vereinfacht und komfortabler macht. Weitere wichtige Punkte sind die Batterielaufzeit und das verwendete Betriebssystem bzw. die Kompatibilität mit anderen Geräten, besonders dem Smartphone. Auch die Autarkie spielt für viele Nutzer eine wichtige Rolle. Smartwatches mit integriertem WLAN bieten da z.B. klare Vorteile.

An welchen Stellen harkt es bei Smartwatches häufig noch? Was sind die typischen Probleme der Geräte?
Offhaus:
Die grundsätzlichste Herausforderung stellt die Batterielaufzeit dar. Hier stehen wir mit unserer eigenen Batterietechnologie an vorderster Front und haben auch durch unser Know-how im Display-Bereich Vorteile. Displays sind schließlich der Hauptenergieverbraucher einer Smartwatch. Es geht hierbei vor allem um die smarte Kombination von Technologien. Die Watch Urbane zeigt im „Always-On Ambient Mode“ beispielsweise die Uhrzeit permanent gedimmt und schont so die Batterie. Außerdem verbessern wir stets die Nutzerfreundlichkeit, um den Gebrauch der Smartwatch bequemer und intuitiver zu gestalten.

Wie lässt sich dem Problem der geringen Akkulaufzeit zukünftig entgegenwirken? Ist das Problem überhaupt zu lösen?
Offhaus:
Wie bereits angedeutet, lässt sich die Herausforderung durch eine Kombination aus Batterie- und Display-Technologie mit entsprechend smarter Software lösen. Inzwischen sind die meisten Menschen, die ein Smartphone besitzen, ja gewöhnt, das Gerät abends aufzuladen – bei unseren Smartwatches muss der Kunde typischerweise sogar nur jeden zweiten Tag die Uhr aufladen. Hier wollen wir aber nicht stehen bleiben. So arbeitet beispielsweise unser Schwesterunternehmen LG Chem, das für die leistungsfähigen Batterien in unseren Geräten verantwortlich zeichnet, schon heute an innovativen Batteriedesigns wie etwa einer flexiblen Batterie in Kabelform, um in Zukunft eine höhere Akkulaufzeit bieten zu können.

Wie gestaltet sich die Datensicherheit bei der Nutzung einer Smartwatch?
Offhaus:
Die Datensicherheit ist ein besonders wichtiges Thema für uns. Die meisten aktuellen Smartwatches verfügen über Features, die zum Teil sensible persönliche Daten auslesen können wie z.B. den Puls des Trägers. Dies ist allerdings auch schon mit einigen Smartphones möglich. Im Wesentlichen kommt es auf das verwendete Betriebssystem und die Sicherheitsparameter an – eine Smartwatch ist in dieser Hinsicht also nicht speziell. Auch wenn wir mit dem Begriff Datensicherheit in dem Kontext etwas anderes meinen: Eine Smartwatch ist am Handgelenk des Nutzers befestigt und hat somit eine tendentiell geringere Wahrscheinlichkeit, irgendwo vergessen oder liegengelassen zu werden.

Welche Rolle spielt NFC im Smartwatches-Bereich?
Offhaus:
NFC gehört noch nicht zu den Kernfeatures einer Smartwatch. Dies wird sich allerdings in absehbarer Zeit ändern. Wir haben bereits Anfang des Jahres auf dem MWC die weltweit erste Smartwatch mit NFC und LTE vorgestellt. Die Anwendungen einer Smartwatch mit NFC sind vielfältig. Neben bargeldlosem Bezahlen kann man die Uhr dann auch als Autoschlüssel in entsprechenden Automodellen nutzen: etwa zum Öffnen und Schließen der Tür und um den Motor zu starten.

Welche weiteren zukünftigen Einsatzszenarien sind Ihrer Meinung nach denkbar?
Offhaus:
Die Einsatzszenarien sind beinahe unbegrenzt. Wir erwarten vor allem eine zunehmende Autarkie der Geräte, sodass Smartwatches künftig auch verstärkt zum Telefonieren genutzt werden und für andere Funktionen, die aktuell zumeist noch dem Smartphone vorbehalten sind. Eine Smartwatch soll der persönliche Assistent für jedermann werden.

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