Cooler, leichter, besser

So behandeln Nutzer ihre Rugged-Devices

Laut Sven Scheller, Regional Manager Solution Architects Central Europe bei Honeywell Safety & Productivity Solutions, zeigt die Erfahrung mit Rugged-Geräten in der Regel: je cooler das Gerätedesign, je leichter die Bedienbarkeit und je besser die Ergonomie, desto höher die Akzeptanz der Nutzer und desto besser der Umgang mit dem Gerät.

Sven Scheller, Honeywell

„Die Anschaffung von Rugged-Devices ist grundsätzlich ein sehr kundenspezifischer Prozess, der sich je nach Einsatzbereich, Budget, Lebenszyklus etc. unterscheidet“, betont Sven Scheller von Honeywell.

Herr Scheller, Smartphones, Tablets und Notebooks – all diese Geräte gibt es auch im Rugged-Format. Doch wie gefragt sind Rugged-Devices anno 2017 tatsächlich?
Sven Scheller:
Rugged-Devices sind auch in Zukunft ein unerlässliches Hilfsmittel in professionellen Anwendungsbereichen wie etwa Produktion, Außendienst, Lager, Warenwirtschaft, Militär oder in Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Hierbei gilt es, die Einsatzbedingungen für die Geräte detailliert zu unterscheiden, um somit das richtige Gerät für den richtigen Einsatzbereich auswählen zu können. Standard-Smartphones (Consumer-Geräte) halten den Anforderungen in rauen Industrieumgebungen und im Außeneinsatz nicht stand.

Wer ist hier die Zielgruppe bzw. wo kommen die Rugged-Geräte jeweils zum Einsatz?
Scheller:
Anders als Personal Digital Assistants (PDA) und Smartphones sind Rugged-Geräte für den gewerblich-professionellen Einsatz konzipiert. Sie werden insbesondere in den bereits genannten Branchen genutzt – überall dort, wo sie Erschütterungen, Stöße oder Stürze, Schmutz, Feuchtigkeit, extreme Temperaturen und -schwankungen sowie Luftdruckunterschieden ausgesetzt sind und diese aushalten müssen, ohne die Produktivität der Kunden zu gefährden.

Man differenziert zwischen Semi-, Fully- und Ultra-Rugged-Geräten. Worin bestehen die jeweiligen Unterschiede?
Scheller:
Wir unterscheiden zwischen Semi- und Fully-/Ultra-Rugged-Geräten. Semi-Rugged-Geräte sind gegen bestimmte Umwelteinflüsse wie etwa Spritzwasser, Staub oder Stürze/Stöße aus einer Fallhöhe von bis zu max. 1 Meter (Hüfthöhe) besser geschützt als Consumer-Geräte. Die Rugged-Geräte dieser Klasse weisen jedoch in ihren Spezifikationen geringere IP-Schutzklassen, Fallhöhen etc. auf. Fully-/Ultra-Rugged-Geräte verfügen über ein wesentlich höheres Maß an Schutz vor Vibrationen, Erschütterungen und Stürzen von bis zu 1,8 Metern (etwa Stürze vom Gabelstapler oder Armaturenbrett des LKWs), Staub, Wasser (mindestens IP 64 oder höher) sowie teilweise chemikalienbeständige Gehäuse und Ex-Schutz.

Welcher Typus ist aktuell am meisten gefragt und warum?
Scheller:
Besonders gefragt sind stylische, kleine, vielfältig einsetzbare und robuste Geräte zur Verwendung im Außenbereich wie etwa in KEP-Diensten, der Logistik und im Außendienst.

In welchen Punkten übertrumpfen Rugged-Modelle die „normalen“ Consumer-Devices?
Scheller:
Industrietaugliche Rugged-Geräte überzeugen im Vergleich zu herkömmlichen Consumer-Geräten durch eine wesentlich höhere Robustheit sowie eine längere Lebensdauer, ein besseres Service-Konzept und eine längere Produktverfügbarkeit. Ein Consumer-Gerät ist in der Regel lediglich zwei bis 2,5 Jahre verfügbar.

Was wird bei den robusten Modellen hingegen häufig von den Anwendern bemängelt?
Scheller:
Im Vergleich zu Consumer-Geräten sind robuste Modelle um einiges teurer. Der Preis ergibt sich aus den hohen Produktionskosten, die mit denen eines Consumer-Geräts nicht zu vergleichen sind. So sind u.a. die Stückzahlen geringer, das Gehäusematerial und die Verarbeitung wesentlich aufwendiger und hochwertiger. Zudem fallen bei Rugged-Geräten Zertifizierungskosten an.

„Uncooles“ Design, hohes Gewicht, hohe Kosten bei den Rugged-Devices: Sind das nur Mythen, die die Nutzer davon abhalten, auf Rugged-Devices zu setzen?
Scheller:
Auch bei Rugged-Devices geht der gegenwärtige Trend hin zu schlanken, leichten und kostengünstigeren Geräten. Die anfänglich geringeren Anschaffungskosten für Consumer-Hardware täuschen oft darüber hinweg, dass die Modelle über den gesamten Produktlebenszyklus betrachtet teurer sind als industrietaugliche Rugged-Geräte. Die hohen Kosten während der Nutzung entstehen für Consumer-Devices im Wesentlichen durch eine höhere Zahl an nötigen Wartungen, Reparaturen und Ausfällen/Ausfallzeiten. Diese Erfahrung haben bereits einige Kunden im industriellen Umfeld gemacht. Die Hersteller von Rugged-Devices richten sich mittlerweile mit ihren Gerätedesigns nach den Anforderungen der Kunden und entwickeln „coolere“ Optiken.

Wie behandeln die Anwender ihre Rugged-Modelle? Gehen sie damit anders um als mit Consumer-Devices?
Scheller:
Der Umgang mit Rugged-Modellen unterscheidet sich je nach Einsatzgebiet. So wird das Gerät etwa von einem Filialmitarbeiter im Einzelhandel anders verwendet als von einem Paketboten, der das Device draußen bei mitunter rauen Wetterbedingungen einsetzt. In der Regel zeigt die Erfahrung mit Rugged-Geräten: Je cooler das Gerätedesign, je leichter die Bedienbarkeit und je besser die Ergonomie, desto höher die Akzeptanz der Nutzer und desto besser der Umgang mit dem Gerät.

Welche Tests müssen Rugged-Devices grundsätzlich bestehen, ehe sie in Produktion gehen?
Scheller:
Die Robustheit der Geräte wird über eine Vielzahl von Testreihen überprüft, hierzu gehören z.B.:
•    Stürze aus unterschiedlichen Fallhöhen (0,5 bis 2 Meter) in 26 verschiedenen Winkeln auf Beton über eine Temperaturspanne von -20 bis +50 Grad Celsius
•    Wassertest gegen das Eindringen von Wasser in das Gerät; simulierte starke Regenfälle
•    Vibrationstests, um sicherzustellen, dass sich unter Vibration keine elektronischen Bauteile wie z.B. Chips, Kondensatoren etc. im Inneren des Gerätes lockern bzw. lösen
•    Extreme Temperatureinflüsse von bis zu +60 und -28 Grad Celsius für jeweils 30 Minuten
•    Temperaturschocktest (Schwankungen) von abwechselnd mehr als +90 zu -50 Grad Celsius
•    Dichtigkeitsprüfung hinsichtlich des Eindringens von Sand und Staub in das Gerät (IP-Rating)
•    Tests bei ca. 90 Prozent Luftfeuchtigkeit

Was geht bei solchen Geräten „am schnellsten“ kaputt?
Scheller:
Wie bei Consumer-Geräten ist auch bei Rugged-Devices der Akku das Bauteil mit der geringsten Lebensdauer. Abhängig vom Einsatzgebiet hält dieser in Rugged-Modellen ca. zwei Jahre. Die Rugged-Geräte selber halten im Schnitt rund fünf Jahre oder länger. Auch hier wird die Lebensdauer von dem Einsatzszenario und dem Handling der Nutzer beeinflusst, z.B. ob das Gerät Witterungs- und Umwelteinflüssen ausgesetzt ist.

Worauf sollten Anwender letztlich beim Kauf von Rugged Devices achten (auch hinsichtlich Betriebssystem, Mobile Device Management...)?
Scheller:
Die Anschaffung von Rugged-Devices ist grundsätzlich ein sehr kundenspezifischer Prozess, der sich je nach Einsatzbereich, Budget, Lebenszyklus etc. unterscheidet. Bei der Wahl des Betriebssystems kommt es etwa auf die Interdependenzen zu bestehenden IT-Systemen und auf die strategische Ausrichtung der Kunden-IT an. Hat ein Kunde bereits eine komplette Microsoft-Umgebung in seinem Unternehmen implementiert, kann sich dies auf die Wahl des Betriebssystems der Rugged-Geräte auswirken. Grundsätzlich empfehle ich den Kunden, vor der Anschaffung eines Rugged-Gerätes folgende Punkte zu beachten:
•    Einsatzbereich (ist ein Semi-, Fully- oder Ultra-Rugged-Gerät nötig?)
•    Verfügbarkeit der Geräte
•    Software-Investitionsschutz (Anwendungen)
•    Produktlebenszyklus des Rugged-Devices (in der Regel fünf Jahre)
•    Service-Konzept des Herstellers beachten
•    Skalierbarkeit der Geräte sollte gegeben sein
•    Staging, Provisioning und Remote Administration (Help Desk) sollten durch einen der führenden MDM-Hersteller gegeben sein.

Bildquelle: Honeywell

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