Eine Baustelle nahe dem Amazon-Hauptquartier in Seattle. Nun will Amazon eine zweite Zentrale in Nordamerika bauen. Foto: Elaine Thompson
Das Versprechen von Jeff Bezos ist Musik in den Ohren jedes Bürgermeisters und Gouverneurs: «Amazons zweites Hauptquartier wird Milliarden an Investitionen und Zehntausende hochbezahlter Jobs bringen». Mit diesen Worten eröffnete der Chef des Internethändlers im September die Suche nach dem Standort für eine zweite Konzernzentrale in Nordamerika.
Beworben haben sich unter anderem die folgenden Orte:
Dass in ganz Nordamerika die roten Teppiche für Amazons «HQ2» (Headquarter2) ausgerollt werden, ist angesichts der großen Verheißungen von Bezos nicht verwunderlich. Mehr als fünf Milliarden Dollar will Amazon in den Bau stecken, mehr als 50.000 Arbeitsplätze schaffen. Zehntausende zusätzliche Jobs und Investments in zweistelliger Milliardenhöhe soll Amazons Präsenz indirekt entstehen lassen. Als Beispiel führt der Konzern seinen Erstsitz Seattle an: In die Wirtschaft der Stadt seien von 2010 bis 2016 zusätzliche 38 Milliarden Dollar gepumpt worden - jeder von Amazon investierte Dollar habe weitere 1,4 Dollar an Investitionen gebracht.
«Wir gehen davon aus, dass HQ2 ein vollwertiges Äquivalent zu unserem Hauptquartier in Seattle wird», heißt es bei Amazon.
Letztlich geht es bei Ausschreibungen wie der von Amazon vor allem ums Geld. Entscheidend könnte am Ende schlichtweg sein, welcher Gouverneur zu den größten Zugeständnissen in Sachen Steuernachlässe bereit ist. Dass Konzernchefs potenzielle Standorte in einer Art Casting gegeneinander ausspielen, um sich den besten Deal zu sichern, ist in den USA durchaus üblich. Elon Musk hatte es bei der Planung von Teslas riesiger Batteriefabrik «Gigafactory» ähnlich gehandhabt. Zuletzt riefen die japanischen Autoriesen Toyota und Mazda einen solchen Wettbewerb für den Bau eines gemeinsamen US-Werks aus.
Während sich Politiker gerne mit großem öffentlichem Rummel als Jobbeschaffer feiern lassen, sehen Experten die Praxis skeptischer. Häufig werden Investitionen und Arbeitsplätze durch Steuergelder teuer erkauft, zudem erfüllen sich die Versprechen längst nicht immer. Spätestens seitdem herauskam, dass sich der Auftragsfertiger Foxconn ein zehn Milliarden teures Werk im Bundesstaat Wisconsin mit einem Subventionspaket im Wert von drei Milliarden Dollar versüßen ließ, nimmt die Kritik zu. Ein Aktionsbündnis, das Vertreter von 21 Bundesstaaten umfasst, appellierte deshalb bereits an Bezos, das Auswahlverfahren möglichst transparent zu gestalten.
dpa/rs
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