Networking digital erweitern

So nutzen Unternehmen Social Media auf Messen sinnvoll

Interview mit Melanie Dichtl, Manager EMEA Marketing bei Hootsuite, über den sinnvollen Einsatz von Sozialen Medien auf Messen und Veranstaltungen.

Melanie Dichtl, Manager, EMEA Marketing bei Hootsuite

Durch die große Konkurrenz besteht für Unternehmen auf Messen leicht die Gefahr, dass die eigenen Botschaften und Informationen zu neuen Produkten und Lösungen nicht bei der Zielgruppe ankommen. Wie können Unternehmen mit Social Media gegensteuern?

Dichtl: Auf Messen und Konferenzen haben alle Besucher einen äußerst dicht gedrängten Zeitplan. Die Masse an Informationen zu Trends, neuen Produkten und Leistungen führt deshalb tatsächlich leicht zu einem Overload an Eindrücken. Leicht kann es dazu kommen, dass Neuigkeiten und Konzepte eines Unternehmens übersehen oder überhört werden und die adressierte Zielgruppe nicht erreicht wird. Hier kann Social Media die Brücke sein, denn mittlerweile sind 72 Prozent aller Internetnutzer in den sozialen Netzwerken aktiv. Sie bieten die Möglichkeit, physisches Networking vor Ort um eine virtuelle und für die meisten User äußerst attraktive Komponente zu ergänzen. Dafür ist es essentiell, zu wissen, auf welchen Social-Media-Kanälen die eigene Zielgruppe besonders aktiv ist. Nur so können diese im Rahmen von Messen und Konferenzen möglichst fokussiert und effektiv eingesetzt werden.

Können Sie Unternehmen konkrete Handlungsempfehlungen an die Hand geben, wie sie mit Social Media ihre Sichtbarkeit rund um Messen erhöhen können?

Dichtl: Es gibt zentrale Elemente, die Unternehmen beachten sollten. Zunächst einmal ist es – wie angesprochen – wichtig zu wissen, welche Kanäle die eigenen Zielgruppen hauptsächlich nutzen. Während dies bei B2B-Unternehmen eher Twitter, Xing und auch durchaus Facebook sind, spielen für B2C-Firmen Facebook, Instagram oder Pinterest eine größere Rolle. Nachdem es aber kein pauschales Erfolgsrezept gibt, empfehle ich Firmen, genau abwägen, über welche und wie viele Netzwerke sie die richtige Zielgruppe mit relevanten Nachrichten ansprechen.

Welche Netzwerke sind besonders relevant?

Dichtl: Insbesondere seit dem letzten Jahr sehen wir eine zunehmende Fragmentierung von sozialen Netzwerken weltweit. Eine Erfolg versprechende Social-Media-Strategie sollte definitiv plattformübergreifend konzipiert sein, um einen möglichst breiten Querschnitt der angestrebten Zielgruppe zu erreichen. Um die gewünschte Aufmerksamkeit zu erzielen, muss der bereitgestellte Content interessant und treffend formuliert sein und vor allem zum Interagieren und Teilen einladen. Beim Posten selbst sollten Unternehmen dann unbedingt den Veranstaltungs-Hashtag aufgreifen oder – falls keiner vorhanden ist – einen eigenen erstellen. Auf diese Weise sind sie fast automatisch Bestandteil der Diskussionen und Gespräche rund um den jeweiligen Event.

Ein weiterer wichtiger Aspekt: Der Großteil der für Social Media im Rahmen einer Messe eingeplanten Zeit sollte für die Interaktion mit dem Publikum – also das Beantworten von Fragen, das Einschalten in Diskussionen oder den Austausch von Meinungen – aufgebracht werden, anstatt nur einseitig über das Unternehmen und seine Aktivitäten zu informieren.

Wie lässt sich der richtige Moment für eine Botschaft abpassen?

Dichtl: Ganz wichtig für die effektive Beziehungspflege und den Kontaktaufbau ist das Timing beim Posten. Unternehmen sollten möglichst schnell auf aktuelle Ereignisse und Beiträge reagieren. Dabei kommt ihnen zu Gute, dass die rein informativen Posts zum Messeauftritt im Vorfeld unkompliziert vorbereitet und wie in einer Warteschleife bis zur endgültigen Veröffentlichung „geparkt“ werden können. Über Technologien wie etwa Hootsuite können Firmen ihre Posts im Vorfeld des Events erstellen und zeitlich vorausplanen – das spart Zeit und schont Resourcen während des Events. Sie können sich am Stand dadurch auf das reale Networking sowie in den sozialen Medien auf den Austausch mit der Zielgruppe konzentrieren.

Darüber hinaus ist Social Media auch für die Nachbereitung einer Veranstaltung hilfreich. Im Idealfall sollten Unternehmen schon in den ersten 24 Stunden nach einer Veranstaltung mit ihren Follow-Up Maßnahmen beginnen und zum Beispiel über die Sozialen Medien gewonnene Kontakte direkt ans Sales Team weiterleiten.

Wie fällt die Resonanz auf Posts und Tweets rund um Messen aus? Gibt es Unterschiede zu „normalen“ Posts?

Dichtl: Grundsätzlich fällt die Resonanz auf Posts und Tweets im Zusammenhang mit Messen überdurchschnittlich gut aus. Denn in diesem Rahmen ist die Aufmerksamkeit der Zielgruppe fast automatisch auf die jeweilige Branche und ihre Themen gerichtet. Speziell Unternehmen, die sich durch einen spezifischen Fokus oder einen Industrieschwerpunkt tendenziell stärker um Aufmerksamkeit bemühen müssen, können sich so deutlich leichter Gehör verschaffen.

Zwischen „normalen“ Beiträgen in sozialen Netzwerken und solchen, die im Zusammenhang mit Veranstaltungen gepostet werden, gibt es nur kleinere Unterschiede. Letztere sollten sich besonders auf das konzentrieren, was dort gerade in Echtzeit stattfindet, gleichzeitig jedoch auch für diejenigen verständlich sein, die nicht vor Ort sind. Dagegen können Beiträge, die unabhängig von Events veröffentlicht werden, bis zu einem gewissen Grad zeitlos sein. Auf diese Weise bieten sie Unternehmen auch die Gelegenheit, Geschichten zu erzählen und sich mit hintergründigeren Themen zu beschäftigen. Grundsätzlich sollten Unternehmen aber bei ihren Social Media-Aktivitäten auch unabhängig von Messen und Veranstaltungen den Fokus auf ihre Interaktion mit dem Publikum legen.

Gibt es Deutschland-Spezifika bei diesem Thema? Setzen deutsche Unternehmen Social Media rund um Messen anders ein als Firmen aus anderen Ländern?

Dichtl: Die Idee, mit Social Media-Aktivtäten rund um Messen die Sichtbarkeit zu erhöhen und mit der Zielgruppe zu interagieren, ist immer gleich –  und zwar unabhängig davon, ob es sich um eine B2B-Veranstaltung oder ein Event für Endverbraucher in Deutschland oder in einem anderen Land handelt. Nachdem die Kommunikation über Social Media in einzelnen Ländern wie etwa in Nordamerika vor ein paar Jahren noch deutlich mehr genutzt wurde, setzen Unternehmen in der D-A-CH-Region mittlerweile auch sehr stark auf den „sozialen Dialog“ während Messen und Kongressen.

Einen kleinen Unterschied birgt jedoch die Sprache. Um denselben Gedanken auszudrücken ist im Deutschen im Vergleich zum Englischen häufig ein längerer Text notwendig. Zum einen sind die deutschen Wörter oft länger, zum anderen sorgen die grammatischen Vorgaben für längere Sätze. Auf Kanälen mit begrenzter Zeichenzahl wie Twitter sind deshalb im Deutschen häufiger Abkürzungen oder auch umgangssprachlichere Ausdrücke notwendig. Der geschickte Einsatz von Links oder Bildern kann zudem dabei helfen, mit dem begrenzten Platz effektiv umzugehen.

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