Politische Digitalkonferenz

So war die Republica 2019

Drei Tage, mehr als 20.000 Besucher und rund 1100 Sprecher – das ist die Bilanz der diesjährigen Republica.

Mit dem Motto «tl;dr - too long; didn’t read» habe re:publica in diesem Jahr den Zeitgeist getroffen, sagte Mitgründer Markus Beckedahl. Foto: Soeren Stache

Mit dem Motto „tl;dr - too long; didn’t read” habe Republica in diesem Jahr den Zeitgeist getroffen, sagte Mitgründer Markus Beckedahl. ((Foto: Soeren Stache))

So viel Politik gab es noch nie auf einer Republica. Erstmals wurde die Internet-Konferenz mit Frank-Walter Steinmeier von einem Bundespräsidenten eröffnet, Auch Familienministerin Franziska Giffey, Arbeitsminister Hubertus Heil und Umweltministerin Svenja Schulze kamen. Auch viele Staatssekretäre und Bürgermeister seien dabei gewesen, sagte Beckedahl. „Wir freuen uns, dass das Interesse bei den Politikern über alle Parteien hinweg - bis auf die AfD - zugenommen hat, sich dem Dialog mit der Internet-Gemeinde zu stellen.“

Mit dem Motto „tl;dr - too long; didn’t read“ habe Republica in diesem Jahr den Zeitgeist getroffen, sagte Beckedahl. Das habe auch die Rede des Bundespräsidenten gezeigt, der ein Plädoyer für die lange Rede und eine bessere Debattenkultur hielt. Die Konferenz machte das Kleingedruckte, den Trend zur Verkürzung im Netz zum Thema. Das sei auch eine Art Überlebens-Werkzeug im Netz, sagte die Forscherin und Analystin Nanjira Sambuli auf ihrer Eröffnungsrede. Bei der Flut der Informationen sei das ein Kompromiss. „Haben wir wirklich eine Alternative?“ Doch die Gefahren liegen auf der Hand. Die Republica setzte in vielen Vorträgen deshalb auch einen Schwerpunkt auf die ausführliche Debattenkultur und das Lob der langen Rede.

Schärfere Regeln für Konzerne

Am letzten Tag der Digitalkonferenz kam noch einmal prominenter Besuch aus Brüssel. „Ich bin sehr froh, hier zu sein, die Republica ist eine großartige Veranstaltung“, sagte die amtierende EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Ihren Vortrag widmete sie der Zerbrechlichkeit von fairem Wettbewerb in Zeiten der Digitalisierung. Die Herausforderungen seien extrem, denn die digitale Entwicklung sei viel schneller als jemals zuvor - und sie betreffe alle Lebensbereiche, ob den Umgang mit unseren Freunden, das gesellschaftliche Zusammenleben, die Landwirtschaft oder das Gesundheitswesen. „Es braucht nur kurze Zeit, um Märkte zu zerstören, aber lange, um sie wieder aufzubauen.“

Vestager tritt seit ihrem Amtsbeginn 2014 für schärfere Regeln vor allem für große Digital-Unternehmen wie Amazon, Google und Facebook ein. In Berlin bekräftigte sie auch ihre Forderung, dass marktbeherrschende Unternehmen zur Weitergabe der von ihnen gesammelten Daten verpflichtet werden sollten. „Daten sind die Schlüsselfrage“, sagte Vestager. Ohne den Zugang zu Daten, wie sie etwa Google in seiner Suche sammelt und analysiert, könne kein Unternehmen neue Geschäftsmodelle entwickeln. Nur freier Zugang gewährleiste den Wettbewerb. Vestager verglich die Situation mit dem Strommarkt, in dem es viele Anbieter gibt, die aber alle das gleiche Netz nutzen könnten.

dpa/pf

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