OwnCloud und NextCloud

Spaltung in der Open-Source-Gemeinde

Der Ex-Chefentwickler von OwnCloud will einen Neustart. Seine Firma NextCloud konkurriert um dieselbe Anwendergruppe.

Das war eine Überraschung: Der ehemalige OwnCloud-Geschäftsführer und -Entwicklungsleiter Frank Karlitschek macht seinem eigenen „Baby“ Konkurrenz und bringt bald NextCloud auf den Markt. Das neue Projekt ist eine Abspaltung von OwnCloud mit einem vergleichbaren Funktionsumfang und der gleichen Zielgruppe: Unternehmen und Privatanwender, die Cloud Services wie Dropbox oder Google Kalender in Eigenregie betreiben möchten.

In wenigen Wochen soll bereits ein stabiles Release auf den Markt kommen. Das ist sicher ein sehr ambitioniertes Ziel, das Karlitschek und seine Entwickler aber vermutlich erreichen werden: Sie haben alle bereits an OwnCloud gearbeitet und dürften sich mit der Technologie hervorragend auskennen.

Zu den Gründen für die Trennung hat sich Karlitschek auf seiner Website nur sehr undeutlich geäußert. Er war wohl in erster Linie mit der Richtung der Entwicklung unzufrieden, die der kommerzielle Zweig von Cloud genommen hat. Das ist bei Open-Source-Projekten ein durchaus typischer Grund für einen „Fork“, wie die Abspaltung eines neuen Projektes auf der Basis des bisher Erreichten genannt wird.

Open-Source-Scheidungen

Die bekannteste Open-Source-Scheidung ist die von Oracle und LibreOffice. Der Datenbankanbieter hatte die freie Office-Suite von Sun Microsystems übernommen und parallel zu dem kommerziellen StarOffice weiter betreut. Zahlreiche Entwickler von OpenOffice.org waren mit der Unterstützung durch Oracle unzufrieden und gründeten die „Document Foundation“ als Stiftung, die OpenOffice weiter entwickeln sollte.

Oracle beteiligte sich nicht daran und kündigte an, OpenOffice.org wie bisher weiterzuführen. Seit dieser Zeit ist LibreOffice die offizielle Weiterführung des alten OpenOffice. Oraclea gegen hat rasch das Interesse an OpenOffice.org verloren und es inklusive der Markenrechte an die Apache Software Foundation übergeben. Allerdings ist es dort eher ruhig geworden um dieses Office-Paket.

LibreOffice dagegen wird rasch weiterentwickelt und von einer großen Entwicklergemeinde unterstützt. So gibt es beispielsweise eine 64-Bit-Variante für Windows und eine weitgehende Kompatibilität mit den Dateiformaten von Microsoft Office sowie den dort eingesetzten Standardschriften. Außerdem gibt es interessante Seitenprojekte wie etwa LibreOffice Online, der Cloud-Version des Open Source-Office Pakets.

Die spektakuläre Aufspaltung von OpenOffice.org ist nicht der einzige „Fork“, der zu einem Aufschwung des Neulings geführt hat. So entstand aus dem Debian-Projekt die Linux-Distribution Ubuntu. Sie hat durch eine besondere Betonung der Benutzerfreundlichkeit weltweite Popularität erreicht. Weitere Beispiele: Der Browser Firefox entstand aus Unzufriedenheit mit der überladenen Mozilla Application Suite. Das Browser-Framework Webkit ist von Apple aus der Webengine von KDE (K Desktop Environment) unter Linux abgeleitet worden und trat zusammen mit Safari seinen Siegeszug an.

Die meisten dieser Splits sind entstanden durch Unzufriedenheit mit technischen oder auch organisatorischen Rahmenbedingungen. Doch es gibt natürlich auch Forks, die aus sehr kuriosen Gründen entstehen. Ein schönes Beispiel dafür ist der Instant Messenger Carrier, der entstand, weil es unter den Entwicklern seines Vorgängers Pidgin Streit über die Größe des Texteingabefeldes gab.

Vom Wettstreit profitieren

Doch um solche Banalitäten geht es hier nicht. Ähnlich wie LibreOffice gab es Kritik am betreuenden Unternehmen. Ihm wurde wie Oracle Desinteresse an der freien Community-Version vorgeworfen. Zumindest dieser Kritik dürfte CEO Markus Rex ein wenig den Wind aus den Segeln genommen haben, denn OwnCloud hat die OwnCloud Foundation gegründet.

Die Stiftung ist eine nicht-gewinnorientierte Einrichtung und soll sich in Zukunft um die Verwaltung des OwnCloud-Ökosystems kümmern und die Verfügbarkeit des freien OwnCloud-Projekts sicherstellen. In das Board der Foundation werden Mitglieder der Open-Source-Community, Mitwirkende, Anwender und Vertreter von Unternehmen einziehen.

OwnCloud wird immerhin von mehr als zehn Millionen Nutzern eingesetzt, eine ziemlich hohe Messlatte für NextCloud. Für das neue Projekt, aber auch für die Idee einer Personal Cloud halten sich Chance und Risiko ungefähr die Waage. Denn ein Fork bedeutet immer eine Zersplitterung der Kräfte. Gut möglich, dass beide Projekte neue Entwickler anziehen, aber trotzdem ist die Zahl der guten Entwickler mit Interesse an Open Source nicht endlos.

Doch der Wettstreit zweier ähnlicher Produkte muss nicht schlecht sein. Beide Projekte und vor allem die Anwender könnten davon profitieren. Die Services aus der Public Cloud sind in vielen Bereichen deutlich weiter als die Personal Cloud. Hier gilt es aufzuholen, wenn die Privatwolke als echte Alternative konkurrenzfähig sein soll.

Bildquelle: Thinkstock

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