Die Anzahl an zugelassenen Elektroautos – Pkw mit ausschließlich elektrischer Energiequelle – betrug am 1. Juli 2021 rund 439.000.
Das Interesse an E-Mobilität ist in Deutschland grundsätzlich gestiegen und die Bundesbürger zeigen sich offen, auf alternative Antriebstechniken beim Autofahren umzusteigen – das zeigt etwa eine repräsentative Umfrage der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.: Laut dieser überlegen knapp sechs von zehn Befragten (56 Prozent), sich in Zukunft ein E-Auto anzuschaffen. Schaut man sich die Zahlen von Statista an, betrug die Anzahl an zugelassenen Elektroautos am 1. Juli 2021 rund 439.000. Damit gemeint sind Pkw mit ausschließlich elektrischer Energiequelle (BEV). Je nach Definition werden aber auch Plug-in-Hybrid-Pkw als Elektroautos gezählt; ihr Bestand belief sich laut Statista am 1. Juli 2021 auf etwa 426.200. Insgesamt nähert sich die Zahl der elektrisch angetriebenen Pkw damit der Marke von einer Million in Deutschland.
Was noch viele davon abhält, auf E-Autos umzusteigen, sind Punkte wie hohe Anschaffungskosten, geringe Reichweiten und fehlende Langzeiterfahrung. Außerdem ist die E-Ladeinfrastruktur hierzulande noch nicht flächendeckend ausgebaut, weiß Maria Joukovitch, Sales Lead EV-Charging & Service Stations bei CCV. „Gerade in ländlichen Gebieten gibt es noch einige weiße Flecken auf der Landkarte.“ Ebenso sei der Bezahlvorgang bislang nicht einheitlich geregelt. Es fehle an Preistransparenz an der Ladesäule, auch hinsichtlich des Gesamtbetrags, der oft nicht angezeigt werde, kritisiert sie. Laut Ingo Limburg, Vorstandsvorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme, ist es wichtig, dass das Laden insbesondere unterwegs schnell, sicher und unkompliziert funktioniert. Bisher waren und sind die Verbraucher allerdings beim Bezahlen von Ad-hoc-Ladungen – also genau dann, wenn es schnell gehen muss – mit vielen unterschiedlichen und geschlossenen Spezialsystemen konfrontiert. Das heißt, die Bezahlung des getankten Stroms erfolgt oftmals z.B. per App, „in der sich der Fahrer zuvor registrieren und/oder beispielsweise Zahlungsdaten auf einer Website eingeben muss“, erläutert Limburg. Diese Unübersichtlichkeit würde bisher viele abschrecken.
An dieser Stelle könnte die vom Bundeskabinett im Mai 2021 auf den Weg gebrachte und nun im September durch den Bundesrat beschlossene Novellierung der Ladesäulenverordnung Abhilfe schaffen. Zwei wesentliche Neuerungen rücken hierbei in den Fokus: „Zum einen werden neu errichtete Ladesäulen künftig über eine Schnittstelle verfügen, über die Standortinformationen und dynamische Daten wie der Belegungsstatus übermittelt werden können“, weiß Carlos Gómez-Sáez, CEO von VR Payment. Damit werde es für Kunden leichter, ad hoc freie Ladesäulen anzusteuern. „Zum anderen werden Ladesäulen ab dem 1. Juli 2023 über ein offenes Bezahlsystem verfügen. So können Kunden in Zukunft mit ihren Debit- und Kreditkarten kontaktlos bezahlen – so wie sie es auch von Tankstellen oder aus dem Handel gewohnt sind“, erklärt der Experte. „Das schließt die Integration und das Angebot weiterer Bezahloptionen allerdings nicht aus“, ergänzt Ingo Limburg. Die Kartenakzeptanz als Mindeststandard sei aber wichtig, um die Verbraucher selbst wählen zu lassen. Gemäß der Umfrage der Initiative Deutsche Zahlungssysteme sei für 78 Prozent der befragten zukünftigen E-Autofahrer die Wahlfreiheit beim Bezahlen wichtig bis sehr wichtig.
Carlos Gómez-Sáez, selbst E-Autofahrer, begrüßt die Novellierung sehr: Oft sei er in der Situation, nicht oder zumindest nicht einfach laden zu können. Denn Ladesäulen im öffentlichen Parkraum würden meist von den Stadtwerken betrieben, die jeweils eigene Verträge mit den Nutzern schließen und ihren Service über eigene Apps zur Verfügung stellen. „So darf ich mich in fast jeder Stadt, in die ich fahre, neu für Ladeangebote registrieren – ein leidiger Prozess“, bemängelt er.
Maria Joukovitch von CCV spricht sich ebenfalls positiv für die Novellierung aus: „Wir haben diesen Entwurf, gemeinsam mit Partnern wie Mastercard, unterstützt und sind uns sicher, dass gesetzliche Regelungen der einzige Weg sind, um einheitliche, transparente und komfortable Bezahlvorgänge an den Ladesäulen sicherzustellen.“ Die Novellierung werde für ein neues Vertrauen in die Ladeinfrastruktur und in E-Mobilität generell sorgen, ist sich die Expertin sicher. Sie sieht auch noch einen weiteren Vorteil des verpflichtenden Einbaus einer Terminallösung gegenüber Lademöglichkeiten ausschließlich per App oder RFID-Karte: „Es darf nicht vergessen werden, dass mit den Kartenlesern auch eine erhöhte Sicherheit beim Bezahlvorgang erreicht wurde.“ NFC-Karten könnten teilweise kopiert werden, die gängigen Kredit- und Debitkarten hingegen entsprächen hohen Sicherheitsstandards.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Weitere Vorteile von Girocard, Kredit- und Debitkarten sowie Smartphone-basierten Zahlungslösungen sieht Gómez-Sáez in der weiten Verbreitung, den vergleichsweise niedrigen Transaktionskosten bei hoher Preistransparenz und dem hohen Nutzerkomfort. Laut einer repräsentativen Umfrage von Infas quo wollen nur acht Prozent der Befragten mit einer Lade-App oder RFID-Karte an der Stromzapfsäule bezahlen. Das sei ein eindeutiges Ergebnis. Auch für die Anbieterseite sieht der VR-Payment-CEO Vorteile: „Kartenterminals sind eine sichere und vergleichsweise günstige Technik. Entsprechende Bezahlmodule gibt es bereits für 200 bis 300 Euro pro Stück. Die Kosten pro Ladesäule können zusätzlich stark gesenkt werden, da ein Kartenmodul an Ladepunkten für mehrere Ladesäulen genutzt werden kann.“ Bestehende Ladesäulen müssen im Übrigen nicht nachgerüstet werden, betonen die Experten. Die verbindliche Ausstattung mit einem Kartenlesegerät beziehe sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 neu installiert werden.
Nicht zuletzt übt die Novellierung der Ladesäulenverordnung natürlich auch auf den grenzüberschreitenden Lade- und Bezahlvorgang an E-Ladesäulen einen positiven Einfluss aus. Denn: „Debit- und Kreditkarten sind international die gängigsten Zahlungsmittel“, betont Carlos Gómez-Sáez. So könnten künftig auch Pendler aus den Grenzregionen und Urlauber ganz bequem und einfach die deutsche Ladeinfrastruktur nutzen. Ingo Limburg stimmt ihm zu: „Durch die Kartenakzeptanz an den Ladesäulen wurden die richtigen Rahmenbedingungen dafür geschaffen, dass auch Touristen beim E-Laden ganz einfach, sicher und transparent bezahlen können – und das mit der gewohnten Karte, die sie im Geldbeutel haben.“
Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus