Das passiert mit den Aufnahmen

Sprachassistenten: Fremde hören mit

Belgische Journalisten konnten mehr als 1.000 private Google-Assistant-Mitschnitte auswerten und stießen dabei auf bedenkliche Analyse-Prozesse.

Ein Smart Speaker in einem Wohnzimmer

Amazon und Google setzen externe Kräfte für die Analyse von privaten Sprachaufnahmen ein.

Mit der anhaltenden Popularität von digitalen Sprachassistenten und Smart Speakern stellt sich auch immer wieder die Frage nach dem Datenschutz beim alltäglichen Umgang mit der Technologie. Dass Sprachbefehle mitgeschnitten und analysiert werden, ist längst bekannt und wird durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen für die Nutzung entsprechender Geräte gedeckt. Man könnte dementsprechend annehmen, dass die meisten Menschen wissen, worauf sie sich mit dem Kauf eines Amazon-Echo- oder Google-Home-Lautsprechers einlassen. Dass die tatsächliche Praxis vermutlich viel komplizierter ist, zeigt aktuell eine umfangreiche Recherche der belgischen Rundfunkanstalt VRT.

Den Reportern ist es gelungen, mehr als 1.000 Mitschnitte durchzuhören, die über den Google Assistent aufgenommen wurden. Obwohl die Aufnahmen bei der Analyse anonymisiert werden, ließen sich Nutzer über Informationen aus diesen Audiodateien leicht identifizieren. Der Sender konfrontierte ausgewählte Personen schließlich mit ihren eigenen Sprachaufnahmen, die darauf wiederum ausgesprochen überrascht reagiert hätten. Problematisch ist daran vor allem die Tatsache, dass die Audio-Analyse durch externe Arbeitskräfte offenbar zur gängigen Praxis bei Google gehört. Diese bekommen dann bisweilen höchst private Dinge zu hören, die im schlimmsten Fall eben auch auf die Identität der jeweiligen Nutzer schließen lassen können – Anonymisierung hin oder her.

Dass Amazon seinen Sprachassistenten Alexa mit ähnlichen Praktiken optimiert, ist bereits seit April bekannt. Demnach soll der auch der Handelsriese tausende Menschen auf der ganzen Welt beschäftigen, die ausschließlich per Amazon Echo entstandene Mitschnitte auswerten. Laut einem aktuellen Gutachten des Bundestags sind die Geräte aufgrund ihres weitreichenden Datenhungers nicht für Kinder geeignet. Die Rechtsexperten kritisieren zudem auch die unklare Situation für Gäste, die nicht über die Präsenz eines Sprachassistenten informiert sind.

Bildquelle: Getty Images/iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok