Das Haus mit der Seele

Sprachsteuerung im Smart Home

Das Zuhause als Freund und Helfer, das spricht und Ratschläge erteilt? Ist das möglich? Ja, wenn es nach der Vision von Axel Dohmann, CEO von Peaknx, in Bezug auf Smart Home und Sprachsteuerung geht. Was ein sprechendes Haus alles können wird, welche Herausforderungen die Gebäudeautomatisierungsbranche erwartet und wie wir in 20 Jahren leben werden, erklärt er im Interview.

  • Sprachsteuerung im Smart Home

    Nach der Sprachsteuerung wird im Smart Home die visuelle Bildverarbeitung durch Kameras kommen.

  • Axel Dohmann, CEO von Peaknx

    Axel Dohmann, CEO von Peaknx

Herr Dohmann, wie sehen Sie die Zukunft von Sprachsteuerung im Smart Home?
Axel Dohmann:
Sprachsteuerung ist und bleibt ein großes Thema. Wir kennen es bereits aus der Automobilbranche durch die Freisprecheinrichtung und aktuell durch den Hype um Amazon Alexa. Dabei begann die Entwicklung der Sprachsteuerung bereits vor über 20 Jahren mit der Sprachsynthese – also damit, dass ein Computer einen geschriebenen Satz sprechen kann. Die Entwicklung der Sprachsynthese war verhältnismäßig einfach und ist heute weit vorangeschritten. Schwieriger verhält es sich mit der Sprachanalyse, also der richtigen Interpretation von Befehlen durch ein Gerät. Hier muss ein Gerät im ersten Schritt die Sprache erkennen. Zum Beispiel, dass eine Person „Rollo rauf“ oder „Rollladen nach oben“ sagt und es gleichzeitig erkennt, welcher Rollladen genau hochgehen soll. Dafür bedarf es einer Personenortung, z.B. durch Mikrophone oder durch Bilderkennung. Das ist bereits alles machbar. Im nächsten Schritt geht es dann darum, dass das Haus auch Sinn aus dem Gesagten macht. Hier sehe ich klar die Zukunft von Smart Home. Das Haus wird auf Befehle reagieren, aktiv Gegenvorschläge machen und bekommt damit im Grunde eine Seele.

Wie leben wir denn Ihrer Ansicht nach in 20 Jahren?
Dohmann:
Klassische Schalter werden in Zukunft überflüssig, sodass sie in 20 Jahren in den meisten Haushalten nicht mehr vorzufinden sind. Allgemein wird das Mensch-Maschine-Interface an Bedeutung verlieren und vom – wie ich es nenne – „Artificial Intelligence Machine Machine Interface“ abgelöst werden. Vereinfacht bedeutet das: Mein Haus wird mit meinen Geräten kommunizieren. Es kommt dann nicht darauf an, dass man mit seinem Haus reden kann. Vielmehr geht es darum, dass mein Haus mit meinem Fotoapparat reden kann, die neuesten Bilder von ihm bekommt und auf meinem Wandbildschirm als Foto-Show zur Verfügung stellt. Dazu brauchen mich Haus und Fotoapparat nicht, das können sie dann unter sich ausmachen.

Wie könnte denn so ein typisches Smart-Home-Szenario mit Sprachsteuerung aussehen?
Dohmann:
Mein Handy macht schon heute viele Fotos, teilt meinen Standort über diverse Apps und weiß genau, wo ich bin. Das kann es in Zukunft dann auch meinem Haus mitteilen. Mein Haus wiederum kennt meinen Kalender – sowie den Kalender meiner Frau. Es erinnert mich aktiv daran, dass morgen mein Hochzeitstag ist, merkt, dass ich noch keine Blumen bestellt habe, und rät mir, das spezielle Angebot des Blumenhändlers um die Ecke zu nutzen. Wenn schönes Wetter ist, schlägt mir das Haus vielleicht vor, mal wieder zu grillen, lädt auf meinen Befehl hin die Nachbarn ein und bestellt einen neuen Pack Grillkohle – natürlich bei dem Geschäft, dem ich zuletzt einen „Like“ gegeben habe. Wir reden zukünftig also nicht nur mit unseren Häusern, sondern unsere Häuser werden sich um uns kümmern.

Welche Branchen sind Vorreiter im Bereich Sprachsteuerung?
Dohmann:
Die Automobilbranche lebt es vor: Hier sorgt die Sprachsteuerung dafür, dass sich der Fahrer voll auf das Fahren konzentrieren kann und nicht nebenher durch ein Menü tippen muss. Das ist auch, worum es im Kern bei Sprachsteuerung geht: Der Mensch hat die Hände – und den Kopf – frei für andere, wichtigere Dinge. Im Smart Home werden in Zukunft auch einzelne Haushaltsgeräte über eine Sprachsteuerung verfügen. Dann werden die Waschmaschine oder die Zentralheizung Befehle annehmen und umsetzen. Der Kunde hätte somit die Wahl, ob er sein komplettes Haus anspricht oder eben nur einzelne Geräte.

Vor welche technologischen Herausforderungen wird die Sprachsteuerung die Gebäudeautomatisierungsbranche stellen?
Dohmann:
Für die Planer der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) ist es die größte Herausforderung, die zentrale Intelligenz zu installieren, also alle Komponenten smart miteinander zu verknüpfen. Außerdem wird sich die gesamte Elektrokabel- und Netzwerkplanung entsprechend weiterentwickeln. Manche Elemente haben in Zukunft ausgedient, wie das Standard-Koax-Kabel. Vieles läuft dann über WLAN. Außerdem könnten individuelle Nutzeranforderungen auftreten, z.B. bei stummen Menschen, die nach wie vor Schalter statt Sprachsteuerung in ihrem Smart Home benötigen.

Gibt es weitere Trends in der Gebäudeautomatisierung, die Sie neben der Sprachsteuerung sehen?
Dohmann:
Nach der Sprachsteuerung wird ganz klar die visuelle Bildverarbeitung durch Kameras kommen. Auf Gehör und Stimme folgt sozusagen das Auge, das Visuelle. Das wäre für mich der nächste logische Schritt. Auch da ist die Automobilbranche Vorreiter, z.B. durch die Spurhaltung und autonomes Fahren, die über Bildverarbeitung laufen. Ich schätze in 20 bis 30 Jahren ist der „gläserne“ Mensch, auch wenn das viele beunruhigt, Realität.

Bildquellen: Fotolia, Peaknx

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