Seit über 30 Jahren ist Sven Zuschlag von den Potenzialen neuer Technologien fasziniert und hat es sich zur Mission gemacht, Menschen den Spaß und Mehrwert am Digitalen zu vermitteln.
MOB: Herr Zuschlag, warum ist die Digitalisierung interner Prozesse eine der größten Hürden für viele Unternehmen?
Zuschlag: Ich glaube, den meisten Unternehmen ist inzwischen klar, wie wichtig die Digitalisierung für ihren geschäftlichen Erfolg ist. Das eigentliche Problem besteht eher darin, dass viele IT-Abteilungen schon mit der Digitalisierung ihrer Kernprozesse zu kämpfen haben, nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels. Wie sollen IT-Abteilungen eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie auf die Beine stellen und gleichzeitig die kleineren, aber zeitaufwendigen Routineaufgaben berücksichtigen, wenn die Zeit und die richtigen Leute dafür fehlen? Es ist kein Wunder, dass Digitalisierungsstau und jede Menge Frust in vielen Unternehmen auf der Tagesordnung stehen. Außerdem glauben einige Leute, dass Digitalisierung bedeutet, analoge Prozesse einfach eins zu eins in eine digitale Form zu pressen. Doch so einfach ist es nicht. Vielmehr ist ein Umdenken gefragt, was in sich schon eine Herausforderung darstellt – vor allem dann, wenn ein Unternehmen sich an alten Strukturen festklammert wie ein Schiff an seinem verrosteten Anker. Aber eines ist sicher: Stillstand ist keine Option. No Code kann einen entscheidenden Beitrag leisten, um diese Probleme effektiv anzugehen.
MOB: Was verbirgt sich hinter No-Code-Plattformen und wie können diese aushelfen?
Zuschlag: Mit No-Code-Plattformen kann jeder Mitarbeiter eigenständig und ohne Umwege über die IT-Abteilung seine eigenen Prozesse digitalisieren. Selbst Personen ohne IT-Know-how können in kurzer Zeit Apps erstellen, indem sie einfach Bausteine per Drag-and-Drop kombinieren. So entwickelt z.B. der Bauleiter seine eigene App zur Baustellenüberwachung, der Mitarbeiter im Logistiklager erstellt eine maßgeschneiderte App zur Schadenserfassung und der Immobilienexperte eine App zur Gebäudeinspektion – alles perfekt an die eigenen Anforderungen und Prozesse angepasst. Schließlich kennt diese niemand besser als diejenigen, die täglich damit arbeiten. Gerade in Zeiten des IT-Fachkräftemangels ist No Code ein gutes Tool zur Optimierung und Digitalisierung von Prozessen. Wir nennen diesen Ansatz „Citizen Development“. Die Grundidee ist simpel: Mitarbeiter ohne tiefgehende IT-Kenntnisse werden durch intuitive Plattformen befähigt, eigene Anwendungen zu erstellen, um Prozesse zu digitalisieren und alltägliche Hürden zu überwinden. Anstatt also auf freie Ressourcen in der IT-Abteilung zu warten oder externe Programmierer zu beauftragen, können Fachabteilungen ihre eigenen Apps im Handumdrehen selbst erstellen. Das spart nicht nur Zeit und Kosten, sondern beschleunigt auch die interne Transformation und stärkt die Wettbewerbsposition des Unternehmens im Markt.
MOB: Kann wirklich jede Person in einem Unternehmen „Programmierexperte“ werden?
Zuschlag: Wenn der Wille da ist – absolut! Unser Fokus liegt darauf, dass auch Benutzer ohne Vorkenntnisse, nach einer kurzen Anlernzeit, schnell und einfach die Bereiche mit dem größten Potenzial für Optimierung identifizieren und eigenständig digitalisieren können. Das Komplizierteste, was sie bei uns machen, ist nicht schwieriger als eine Wenn-Dann-Verknüpfung bei Excel. Und es geht tatsächlich noch einfacher: Mit unserer neuen, KI-gestützten Text-to-smap-Funktion können die Nutzer mit einfachen Textanweisungen oder Prozessbeschreibungen ganz simpel Prototypen von Apps entwickeln. Wir nennen dieses Konzept „AI-assisted Citizen Development“. Ein weiterer Pluspunkt: Die Funktion, die auf der generativen Künstlichen Intelligenz (KI) GPT basiert, bringt bereits erhebliches fachliches Know-how und gesetzliche Rahmenbedingungen mit, die automatisch in die App-Erstellung einfließen. Das spart eine Menge Recherchezeit. Tatsächlich kann ein App-Prototyp so in gerade mal 30 Sekunden realisiert werden.
MOB: Was sind noch Stolpersteine bei der No-Code-App-Entwicklung?
Zuschlag: Die Themen „Sicherheit“ und „Datenschutz“ sind superwichtig und können – wenn nicht ausreichend priorisiert – zum Stolperstein werden und Unternehmen richtig zusetzen. Um hier auf der sicheren Seite zu sein, sollte bei der Wahl des No-Code-Anbieters sichergestellt werden, dass dieser die nötigen Sicherheitsstandards auf dem Schirm hat. Denn wirklich niemand braucht Ärger mit Datenschutzverletzungen, Datenlecks und anderen Sicherheitspannen. Ein starkes Indiz für ein robustes Sicherheitskonzept ist die ISO-27001-Zertifizierung. Das bedeutet, dass ein Unternehmen internationale Sicherheitsstandards für Informationssicherheit einhält und seinen Sicherheitsversprechen wirklich nachkommt. Auf diese Weise können potenzielle Stolpersteine in Sachen „Sicherheit“ effektiv vermieden werden.
MOB: Können Sie ein erfolgreiches Digitalisierungsprojekt nennen, im Rahmen dessen ein Unternehmen ohne IT-Vorkenntnisse selbst Business-Apps entwickelt hat?
Zuschlag: Wir haben viele Unternehmen an Bord, die mit No Code eine tolle Transformation hingelegt haben. Schauen wir uns beispielsweise das Energieversorgungsunternehmen Avacon an: Vor dem Einsatz von Smapone haben die Bauprojektleiter bei Avacon die gesamte Baustellendokumentation klassisch auf Papier festgehalten und diese dann in dicken Ordnern archiviert, die im Laufe der Zeit immer schwerer wurden. Das hat den großen Nachteil, dass die Akten nur im Büro verfügbar waren, was natürlich die Mobilität und Flexibilität gebremst hat. Außerdem mussten die Akten aufwendig manuell nach Daten durchsucht werden und lästige Abläufe wie Scannen, Drucken, Abheften und Systemtransfer waren dazu massiv zeitaufwändig. Mit der No-Code-Plattform ist es dem Team gelungen, die Bauprojektleiterakte rasch zu digitalisieren und viele eigene Apps zur Prozessoptimierung zu entwickeln – und das zu einem Bruchteil der Kosten, die herkömmliche Software-Projekte verschlingen würden. Die schweren Pappordner sind jetzt Geschichte. Stattdessen können die Mitarbeiter die Bauprojektleiterakte mühelos mit ein paar Klicks selbst digital anlegen und jederzeit abrufen. Im Fall von Avacon und vielen weiteren unserer Kunden waren die Facharbeiter dabei die treibende Kraft hinter der Digitalisierung – und das ohne umfangreiches IT-Know-how.
Bildquelle: Smapone