Die Alternativen zu Goolge

Suchmaschinen im Vergleich

MOBILE BUSINESS hat alternative Suchmaschinen zu Google getestet: Bing, DuckDuckGo, Ixquick, Swisscows

Google ist eindeutiger Marktführer in Sachen Suchmaschine – doch es gibt eine Vielzahl an kleinen und weniger bekannten Anbietern, die eine gute Alternative bieten.

Glaubt man Experten, verdoppelt das World Wide Web alle paar Jahre seine Größe, wobei man mittlerweile von weit mehr als einer Billion – sprich 1.000.000.000.000 – Internetseiten ausgehen kann. Aufgrund solcher Dimensionen grenzt es schier an ein Wunder, dass mittels intelligenter Suchmaschinen in Millisekunden sämtliche Webinhalte gefiltert und passgenau – auch auf mobile Suchanfragen – hin angezeigt werden können.

Die kaum vorstellbare Menge an Webseiten macht deutlich, wie wichtig eine funktionierende Suchlogik im Internet ist, um aus dem Riesenwust an Daten überhaupt relevante Informationen ziehen zu können. Doch Suchmaschine ist nicht gleich Suchmaschine, denn jede arbeitet mit anderen Algorithmen. Unterschiede gibt es beispielsweise bei der Länge der Ergebnisliste oder der Qualität der Treffer. Zudem verfügen manche Suchmaschinen über zusätzliche Funktionen wie eine geografische Suche – Stichwort „Maps“ – oder bieten das exklusive Durchforsten von Onlineshops, Blogs, News und lokalen Seiten an. Nicht zuletzt lässt sich nach verschiedenen Formaten wie Bildern, Videos oder MP3-Dateien filtern.

Die in Deutschland mit fast 95 Prozent Marktanteil mit Abstand meistgenutzte Suchmaschine ist Google. Auch weltweit hat der US-Gigant mit einem Umsatz von knapp 60 Mrd. US-Dollar im Jahr 2013, wenn auch nicht ganz so deutlich, die Nase vorn. So beträgt der globale Anteil an Desktopsuchabfragen von Google laut Statista rund 71 Prozent. Zum Vergleich: Die chinesische Suchmaschine Baidu kommt als Zweitplatzierte gerade einmal auf einen Umsatz von rund 5,3 Mrd. US-Dollar im gleichen Zeitraum und einen weltweiten Anteil an der Desktopsuche von knapp 16 Prozent. Während der Dritte Yahoo sogar nur etwa 4,6 Mrd. US-Dollar Umsatz für 2013 und einen Marktanteil von ca. sechs Prozent aufweisen kann. Dies könnte sich vielleicht bald ändern, da erst kürzlich der Kontrakt zwischen Google und dem Browseranbieter Firefox auslief und bei dem Webbrowser stattdessen künftig Yahoo exklusiv voreingestellt sein wird.

Der gläserne Nutzer

Sicherlich hat sich Google seine Marktmacht über die letzten Jahre hart erarbeitet. So kann keine andere Suchmaschine mit realen 3D-Ansichten à la Streetview aufwarten. Auch haben nur wenige Anbieter ihre Suchalgorithmen so verfeinert, dass mittels sogenannter Autovervollständigung ein Buchstabe genügt, um anzuzeigen, was der Nutzer eigentlich suchen will. Auf der anderen Seite der Medaille steht jedoch das gezielte Durchleuchten der Nutzer, was wohl ebenfalls kaum ein Anbieter in diesem Segment so vehement betreibt. Nicht von ungefähr wird Google gerne als Datenkrake par excellence tituliert, vielleicht weil man ach so fleißig Cookies platziert und mittels ständig wechselnder SEO-Vorgaben (Search Engine Optimization) Onlineredakteure wie -leser in die gerade genehme Richtung zu lenken versucht. Nicht zuletzt aufgrund solcher Praktiken sollte man sich als Nutzer überlegen, wie viel man von sich preisgeben möchte und ob man sich wirklich wie ein offenes (User-)Buch auf Suchmaschinen tummeln möchte. Denn das eigene Tagebuch legt man ja auch nicht aufgeschlagen an öffentlichen Plätzen aus. Außer bei Facebook.

Vor diesem Hintergrund haben wir über die einschlägige Google-Suche hinaus alternative Suchmaschinen ausprobiert. Dabei wurde jede Suchmaschine für die Dauer von mindestens einer Woche sowohl in der Desktop- als auch der mobilen Variante getestet. Genutzt wurden die Suchmaschinen dabei für redaktionsspezifische sowie auch private Recherchen. Als Testwerkzeug diente in der Desktop-Variante ein Firefox-Client auf einem iMac. Unterwegs kamen der Safari-Browser auf iOS-Basis und spezielle Suchmaschinen-Apps zum Einsatz.

Bei der Nutzung des mobilen Safari-Browsers zeigte sich auch gleich, dass nur vier Suchmaschinen – nämlich Google, Bing, Yahoo und seit vergangenem September auch Duck Duck Go – vorinstalliert sind. Hier wäre es sicher im Sinne des Nutzers, wenn Apple von vorneherein eine größere Vielfalt an Suchmaschinen zuließe. Denn eines ist klar: Die Auswahl an Alternativen ist gar nicht so gering. Denn neben den US-Suchmaschinen Ask.com, Bing, Yahoo und Duck Duck Go tummeln sich zunehmend europäische Anbieter wie Ixquick, Metager, Swisscows, Unbubble oder Web.de. Einige davon nahmen wir im Folgenden genauer unter die Lupe, wobei aufgrund begrenzter zeitlicher Ressourcen kein Anspruch auf Vollständigkeit gilt. Da jedoch Yahoo auf die Bing-Technologie setzt und Anbieter wie Web.de oder T-Online auf die Google-Suche vertrauen, tauchen solche Anbieter in unserem Testkreis nicht auf. Ebenso ausgeklammert wurden die sogenannten Metasuchmaschinen Metager und Unbubble, die wiederum mehrere andere Suchmaschinen durchforsten. Nicht zuletzt sei bemerkt, dass alle im Folgenden ermittelten Ergebnisse allein dem subjektiven Empfinden des Testers geschuldet sind.

Bing.de
Anbieter: Microsoft Corporation, Redmond/USA
Nutzerfreundlichkeit: Es handelt sich um eine intuitive Suchmaschine, die Google in nichts nachsteht, wobei die Nutzer über das Hauptmenü ihre Suche auf das Web, Bilder, Videos, Karten sowie News einschränken können. Unter der Rubrik „Mehr“ findet man Features, darunter Apps, Communitys oder Entwicklertools. Aus Produktivitätssicht ist auch die Anbindung an Outlook sowie Office Online interessant. Nicht zuletzt besitzt die Websuche ästhetischen Anspruch: Das Hintergrundbild der Startseite ändert sich täglich und zeigt farbenfrohe Fotos.
Qualität der Suchergebnisse: Die Darstellung der Trefferliste ist übersichtlich und die Qualität hoch. So gab es allein für den Suchbegriff „Picardie“ weit mehr als 2,4 Mio. Sucherergebnisse. Dabei lassen bestimmte Filtermöglichkeiten eine Einschränkung nach Sprache oder Region zu. Gleichzeitig finden die Nutzer an mehreren Stellen Hinweise auf ähnliche Suchabfragen – und wie andere Anbieter arbeitet auch Bing mit verkauften Anzeigen.
Mobile Nutzung: Bei der Nutzung der Suchmaschine im mobilen Browser ist eine Suche nach Web, Bildern und Videos möglich. Angezeigt werden zudem die Ergebnisse aus der Rubrik „News“ sowie mehrere ähnliche Suchbegriffe.
Datenschutz und Privatsphäre: Im Hauptmenü unter „Suchverlauf“ lässt sich der Verlauf entweder komplett deaktivieren oder löschen. Bereits auf der Startseite wird auf „Datenschutz und Cookies“ hingewiesen. Dabei wird erklärt, dass die Suchmaschine Cookies aktiviert. Weiter heißt es im Originaltext: „Ebenfalls benutzt werden sogenannte Web-beacons, die dabei helfen, Cookies zu speichern und Analysen durchzuführen. Dies kann auch die Cookies von Drittanbietern einschließen, denen es nicht erlaubt ist, die personenbezogenen Daten zu sammeln.“ Generell sammelt die Maschine den Suchbegriff sowie Uhrzeit und Datum der Suche, die IP-Adresse, Browserkonfigurationen, den Standort des Nutzers sowie in den Cookies enthaltene eindeutige IDs. Dabei weist der Anbieter darauf hin, dass Suchbegriffe (und die damit verbundenen Cookie-IDs) getrennt von Kontoinformationen gespeichert werden, die den Benutzer direkt identifizieren, wie Name, E-Mail-Adresse oder Telefonnummern.

DuckDuckGo.com
Anbieter: Community/USA
Nutzerfreundlichkeit: Die Nutzerführung orientiert sich am gängigen Standard für Suchmaschinen, wobei „Top-5-Ergebnisse“ am Anfang der Trefferliste besonders hervorgehoben werden. Die Startseite ist schlicht und reduziert gestaltet, wodurch der Blick auf das Wesentliche gelenkt wird – nämlich das Suchfeld. Die Einstellungsmöglichkeiten sind umfangreich sowie übersichtlich dargestellt. Nette Idee: Bereits angeklickte Suchergebnisse werden mit einem Haken versehen und bei jedem Treffer das Icon bzw. Logo der Webseite in einer Miniaturansicht angezeigt. Generell muss der Nutzer jedoch entlang der Trefferliste herunterscrollen, da auf eine Blätterfunktion verzichtet wurde. Will man von einem der hinteren Treffer wieder auf den Anfang springen, bedeutet dies endloses Zurückscrollen.
Qualität der Suchergebnisse: Die Ergebnisse der Suche werden strukturiert aufgelistet, allerdings ist die Zahl der gefun-denen Treffer deutlich geringer als bei anderen Suchanbietern, und eine Kartenfunktion fehlt gänzlich. Zudem haben die gelieferten Ergebnisse inhaltlich nicht immer zum gesuchten Begriff gepasst. Da allein eine Filterung nach „Region“ und nicht nach Sprache möglich ist, schummeln sich neben deutschen Treffern auch immer wieder anderssprachige, vor allem englische und kyrillische Webseiten, in die Liste. Zwar wird auf ähnliche Suchbegriffe komplett verzichtet, die reduzierte Werbung hingegen stellt ein deutliches Plus dar. So taucht je Suchabfrage jeweils nur ein gesponserter Eintrag auf, der klar als „Bezahlter Verweis“ kenntlich gemacht wird.
Mobile Nutzung: Seit iOS 8 ist Duck Duck Go neben Google, Bing und Yahoo in die Liste auswählbarer Suchmaschinen des Safari-Browsers integriert. Die mobile Darstellung ist sehr übersichtlich und die Trefferliste hinreichend zufriedenstellend, wobei bei unseren Testanfragen nicht immer automatisiert auf die mobile Ansicht einer Webseite verlinkt wurde.
Datenschutz und Privatsphäre: Bereits auf der Startseite wird verheißungsvoll darauf hingewiesen, dass es sich um eine Suchmaschine handelt, „die keinen User verfolgt“. So wird denn auch jede Suchanfrage verschlüsselt übertragen. Eigenen Angaben zufolge werden Nutzerdaten weder gesammelt noch gespeichert. Im Klartext: Sucht man nach „Picardie“, bleibt man in der Folge von nervenden Anzeigen rund um Ferienwohnungen in Frankreich verschont. Hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre scheint man bei Duck Duck Go auf der sicheren Seite zu sein, allerdings muss man sich dafür von den Bequemlichkeiten „kommerzieller“ Suchmaschinen verabschieden.

Ixquick.de
Anbieter: Surfboard Holding, Zeist/Niederlande
Nutzerfreundlichkeit: Die Trefferliste entspricht dem Aussehen gängiger Suchmaschinen, wobei ein Filtern nach sämtlichen Webresultaten sowie nach Bildern und Videos möglich ist. Über die Sucheinstellungen lassen sich verschiedene Funktionen nutzen, z.B. kann man hinsichtlich der Such- und Schnittstellensprache aus 17 verschiedenen Sprachversionen wählen. Die Ergebnisse kann man über eine erweiterte Suchfunktion weiter verfeinern. Das Design sowohl der Startseite als auch der Trefferlisten könnte einen moderneren Anstrich vertragen.
Qualität der Suchergebnisse: Die Suchalgorithmen überzeugen durchweg, so fand auch Ixquick für den Suchbegriff „Picardie“ knapp 2,4 Mio. Suchergebnisse. Wie bei Duck Duck Go sucht man jedoch auch bei den Niederländern vergeblich nach einer Kartenfunktion. Generell lässt sich die Ergebnisliste bequem durchblättern und es werden gleich an mehreren Stellen Hinweise zu verwandten Suchabfragen geliefert. Allerdings werden ebenfalls an mehreren Stellen deutlich gekennzeichnete, gesponserte Links angezeigt.
Mobile Nutzung: Die Ixquick-App gibt es für iOS und An-droid. Auch mobile Suchanfragen könneen verschlüsselt sowie „anonym“ gestartet werden. Der Suchverlauf lässt sich nach einer bestimmten Zeit (ab fünf Minuten) automatisch löschen.
Datenschutz und Privatsphäre: Den Anspruch „die diskreteste Suchmaschine der Welt“, liest man nicht nur auf der Startseite, vielmehr erhält der Nutzer nach jeder Suchabfrage Hinweise, etwa darauf, dass die IP-Adresse nicht gespeichert wird oder welche Datenschutzmaßnahmen der Anbieter realisiert. Ein Blick in die Sucheinstellungen untermauert diesen Anspruch: So wird jede Suchanfrage und Ergebnisliste verschlüsselt übertragen. Als Nutzer kann man dabei sogar einstellen, ob die Anfrage über den nächsten/schnellsten oder gar nur über EU-Server (und keine US-Server) abgewickelt wird.

Swisscows.de
Anbieter: Hulbee AG, Egnach/Schweiz
Nutzerfreundlichkeit: Die Nutzerführung ist intuitiv, Design und Einstellungen sind auf das Wesentliche reduziert – auf die Suche nach passenden Antworten.
Qualität der Suchergebnisse: Die Schweizer verstehen sich als „Antwortmaschine“, und tatsächlich erhält man eine lange Liste qualitativ hochwertiger Links. Speziell durchforstet werden können Webinhalte, Bilder und Videos sowie (noch) allein in der Schweiz sämtliche Shoppingportale. Dabei werden ähnliche Suchbegriffe nicht als schnöde Liste, sondern als bunte „Kacheln“ dargestellt. Gekennzeichnete Werbung wird ebenfalls per Kachel angezeigt.
Mobile Nutzung: Bislang sind keine mobilen Apps der Suchmaschine verfügbar, ebenso fehlt eine Voreinstellung im Safari-Browser. Behelfen kann man sich, indem man Swisscows.de als Startseite oder als Lesezeichen im Browser markiert. Mobil werden die Antworten übersichtlich dargestellt und verwandte Suchergebnisse per Klick über der Trefferliste eingeblendet.
Datenschutz und Privatsphäre: Laut Anbieter werden weder IP-Adressen und Tracking-Cookies noch Suchbegriffe der Nutzer gesammelt und gespeichert. Will man als Nutzer weiter auf Nummer sicher gehen, kann man im Hauptmenü unter dem Punkt „Alle Aktivitäten löschen“ mit einem Klick für Anonymität sorgen. Die Schweizer schießen unter dem Menüpunkt „Keine Überwachung“ scharf gegen den Mitbewerber Google und prangern dessen Machenschaften an.

Abschied von Google

Nach dem Test verschiedener Suchmaschinen über mehrere Wochen war schnell klar, dass alle Anbieter nur mit Wasser kochen. Die Suchergebnisse waren durch die Bank zufriedenstellend und in der Regel übersichtlich dargestellt. Neben der inhaltlichen Qualität der Ergebnisse gab es geringfügige Unterschiede bei der Trefferzahl, allein Duck Duck Go hielt in der voreingestellten Region „Deutschland“ nicht mit den Millionentreffern der anderen Maschinen mit. Allerdings dürfte die Länge der Linkliste eher zweitrangig sein. Denn ob man für die Suchan-frage „Picardie“ bei Swisscows nur 2.290.000 Treffer erhält anstatt der 2.350.000 bei Bing, macht den Braten nicht fett.

Aufgrund der im Rahmen der Testphase gesammelten (subjektiven) Erfahrungen haben sich bei der Desktopvariante die Schweizer Suchmaschine Swisscows sowie ihr niederländisches Pendant Ixquick durchgesetzt. Überzeugt haben jeweils die hohen Datenschutz- und Sicherheitsansprüche dieser Anbieter – bei gleichzeitiger Übersichtlichkeit der Suchergebnisse. Da es bei Swisscows bis dato jedoch weder eine App noch eine im Safari-Browser voreingestellte Mobilversion gibt, konnte mobil neben der Ixquick-App vor allem Duck Duck Go mit Datenschutz und Privatsphäre punkten. Da alle drei genannten Anbieter keine Kartenfunktion bieten, griffen die Tester auf das Kartenangebot von Bing zurück. Generell macht die Microsoft-Suchmaschine von allen getesteten Lösungen den ausgereiftesten Eindruck und steht Google in nichts nach – leider auch nicht im Sammeln von Nutzerdaten.

Abschließend lautet das Fazit: Wer Wert auf Datenschutz und Privatsphäre legt, kann mit alternativen Suchmaschinen wunderbar in den Tiefen des Internets stöbern, relevante Informationen sammeln und Wissenswertes recherchieren – und dies ohne sich in die Fänge einer Datenkrake zu begeben.


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