Das Schweizer System

Swatch entwickelt ein eigenes Smartwatch-OS

Längere Akkulaufzeit und größere Miniaturisierung sind für Swatch-CEO Nick Hayek entscheiden bei einer Smartwatch.

Das Gegenteil einer Smartwatch: Die mechanische Swatch aus nur 51 Bauteilen

Seit ein paar Tagen gibt es eine neue Definition von Mut: Angesichts eines festgefügten Marktes und einer überlegenen Konkurrenz ein neues Betriebssystem ankündigen. Nick Hayek, CEO der Swatch Group AG hat für Ende 2018 eine Smartwatch von Tissot angekündigt, die ein eigenes Betriebssystem haben soll. Es wird laut Hayek vom CSEM (Swiss Center for Electronics and Microtechnology) entwickelt. Das Forschung-und Entwicklungszentrum hat Mikroelektronik sowie Kommunikationstechnologie als Schwerpunkt.

Hayek hat sich damit zwei überlegen scheinende Gegner ausgesucht: Einerseits Android Wear, das auf vielen Smartwatches eingesetzt wird, auch vom Rivalen Montblanc und andererseits das Betriebssystem der Apple Watch. Viel Platz bleibt da nicht, zumal auch Tizen von Samsung einen kleinen Marktanteil beansprucht. Alternative Betriebssysteme haben es schwer, wie die Entwicklung von hochgelobten Systemen wie Firefox OS oder MeeGo zeigt.

Schlankes Betriebssystem mit langer Akkulaufzeit

Das "SwatchOS" soll deshalb ein Alleinstellungsmerkmal haben, nämlich eine überlegene Akkulaufzeit. Darüber hinaus soll das System nicht nur exklusiv bei den Swatch-Marken eingesetzt werden, sondern auch an andere Hersteller lizenziert werden. Hayek hat wohl vor, den Smartwatch-Markt mit neuen und weniger klobig wirkenden Produkten zu erobern. In einem Gespräch mit Bloomberg sagte er, dass man "schlank denken" müsse: "Es gibt eine Möglichkeit, Wearables für die Konsumentenmärkte weiterzuentwickeln, aber man muss die Geräte miniaturisieren und ein unabhängiges Betriebssystem besitzen."

Bereits vor kurzem hatte Swatch den bisher kleinsten Bluetooth-Chip vorgestellt, der vor allem in Uhren eingesetzt werden soll. Außerdem arbeitet die Swatch-Tochter Renata an speziellen Akkus, die kürzere Ladezeiten und höhere Leistung als die bisherigen Modelle versprechen. Die Frage ist allerdings, ob Miniaturisierung und Verlängerung der Akkulaufzeit ausreichen. So ist für die Nutzer eines Wearable-Betriebssystems sehr wichtig, kompatibel zu den gängigen Smartphone-Systemen zu sein und einen einfachen Datenaustausch, beispielsweise für Termine und Nachrichten zu erlauben.

Außerdem ist bis Ende 2018 noch eine Menge Zeit für die Konkurrenten, eigene Produkte zu entwickeln. Hier hoffen Smartwatch-Enthusiasten vor allen Dingen auf Pebble, das vor kurzem von Wearable-Hersteller Fitbit für lächerliche 23 Millionen Dollar aufgekauft wurde.  Das Betriebssystem von Pebble gilt als herausragend und besitzt eine große Fangemeinde unter Entwicklern. Wenn überhaupt ein Erfolg mit einem Alternativbtriebssystem für Wearables möglich ist, kommt er wohl eher aus dieser Richtung.

Bildquelle: Swatch

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