Apples neue Programmiersprache

Swift – Apples neue Programmiersprache

Während die Konsumenten gebannt auf die neuen iPhones und Smartwatches aus Cupertino starrten, war für App-Entwickler schon im Juni dieses Jahres eine Neuheit auf Apples Entwicklerkonferenz WWDC 2014 von Bedeutung: Swift – eine neue Programmiersprache von und für Apple.

Swift soll Softwareentwicklern für iOS den Einstieg erleichtern.

„In der Praxis könnte sich Swift vor allem zur schnelleren und hochwertigen Umsetzung von Spielen und Datenvisualisierungsmodulen, anbieten, da die Vorschau- und Testmöglichkeiten von zeitabhängigen Vorgängen eine komfortable Feinabstimmung erlauben“, erklärt Tamio Patrick Honma, Senior Developer bei Aperto Move. Er sieht darüber hinaus die Einstiegshürde zur Umsetzung von Apps mittels Swift für neue Entwickler niedriger als die Einarbeitung in die bislang genutzte Sprache Objective-C, so dass ein weiterer Zuwachs der iOS-Entwicklergemeinde zu erwarten sei.

Auch Dr. Frank Höwing, Technischer Leiter bei der c4c Engineering GmbH lobt die neuen Möglichkeiten für Anfänger: „Mit der Programmiersprache Swift haben insbesondere Neueinsteiger im Bereich der Softwareentwicklung für iOS einen leichteren Einstieg. Bislang wird hier in Objective-C programmiert, einer Sprache die ähnlich C++ bereits in den 80er Jahren entwickelt wurde. Die Syntax und  Anwendung der Sprache ist entsprechend komplex und daher meist für Anfänger schwierig nachzuvollziehen. An dieser Stelle hat Apple angesetzt und bei Swift eine Syntax geschaffen, die die Anwendbarkeit durch die Programmierer stark vereinfacht.”

Darüber hinaus wurde Swift um moderne Konzepte anderer objektorientierter Sprachen ergänzt, die Objective-C bisher fehlen. Handverlesene Elemente aus beliebten dynamischen Sprachen wurden hinzugefügt und einige Teile der umständlichen und weitschweifenden Objective-C-Syntax entfernt. „Laut Apple ist der große Vorteil, dass man mit Swift aus schwacher Hardware deutlich mehr Performance herausholt“, erläutert Sascha Martini, CEO von Razorfish. „Meiner Meinung nach besteht das große Potential von Swift jedoch darin, dass es die Entwicklungszeit drastisch reduziert und den Entwicklern zeitgleich ermöglicht, superflüssige Experiences in jeglicher Umgebung zu gestalten, “ so der Chef der Kreativagentur Razorfish weiter.

Auch Gerd Güldenast, Director Consulting & Technology bei der Agentur Hmmh, lobt die neuen Vorzüge: „Swift bietet, in Verbindung mit Xcode 6, eine ganze Reihe von Vorteilen bei der Entwicklung von iOS-Anwendungen, so ermöglicht z.B. Playground ein Echtzeit Rendering und Compiling des Quellcodes direkt in der integrierten Entwicklungsumgebung (IDE).“

Ein echtes Apple Produkt

Dass Apple seine neue Sprache für Entwickler genauso konzeptioniert wie seine ikonischen Produkte liegt auf der Hand, ist aber keine Selbstverständlichkeit: „Swift ist eine logische Übertragung der Einfachheit der Apple-Produkte in die Softwareentwicklung für die Apple-Produkte“, so Matthias Klautke, Leiter der IT-Unit zu Kontrast Commucation Services.

Interessant dürften für Entwickler vor allem die neuen mit Swift eingeführten Tools sein, die das Debugging und Experimentieren mit Codes vereinfachen. Mit den letzten iOS-Versionen wurden regelmäßig neue Konzepte eingeführt, „die teilweise erst durch Compiler-Umstellungen möglich wurden, z.B. ARC, Function Blocks oder die kürzere Syntax zum Erstellen von Objekten“, gibt Martin Kuckert, Infomantis GmbH, Beispiele. „Diese sind inzwischen bei den Entwicklern angekommen und werden genutzt.“ Der Teamleiter App-Entwicklung kann den kurzfristigen Mehraufwand, der durch Swift entsteht, aber nicht leugnen: „Swift bringt jetzt leider einige neue Konzepte mit, so dass die Entwickler hier wieder einiges neu lernen bzw. anders umsetzen müssen. So ist es schwer, eine gewisse Routine zu erhalten. Für neue Apps mag Swift eine nette Alternative zu Objective-C sein, aber vorhandene Apps müssten prinzipiell überarbeitet werden.“ Außerdem ist da die Abhängigkeit von Apple: „Man kann sich nicht wirklich sicher sein, mit welchen Ideen Apple als nächstes um die Ecke kommt“, gibt Kuckert zu bedenken.

Kritik entzündet sich auch an Grundsätzlichem: Swift ist eine proprietäre Sprache, setzt nicht auf Standards und wurde lange still und heimlich von wenigen Spezialisten bei Apple entwickelt. Drei Fakten, die nicht jedem in der Entwickler-Community gefallen, aber auch drei Fakten, an denen man aufgrund von Apples Dominanz nicht vorbei kommt: Jörg Rensmann, Gründer von Infomantis, beschreibt den Spagat: „Proprietäre Sprachen sind kritisch, da man in der Regel heute kaum noch eine App nur für iOS oder nur für Android baut – dennoch muss man „nativ“ entwickeln und nicht etwa HTML5 oder PhoneGab oder ähnliches einsetzen“, meint er.

 

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok