Mobile Überwachung

Tatort Kaufhaus

Wenn bei Cornelius Strangemann nachts das Mobiltelefon Alarm schlägt, kann er schon von zu Hause aus herausfinden, was in seinem Geschäft vor sich geht. Dann fahren im Bremer Kaufhaus Lestra die Lichter hoch und die Überwachungsanlage sendet Bilder aus dem betroffenen Bereich auf das Handy des Geschäftsführers.

So lässt sich schnell herausfinden, ob sich tatsächlich ein Einbrecher im Gebäude bewegt, ob es brennt oder ob der Bewegungsmelder nur falschen Alarm ausgelöst hat.

Die Alarmfunktion inklusive Fernzugriff ist Teil einer Videoüberwachung mit über 100 Netzwerk-Kameras. Doch nicht nur die Sicherheit der Mitarbeiter und Kunden steht im Fokus: Über das sogenannte Heat-Mapping wird erkannt, welche Bereiche des Kaufhauses wie häufig frequentiert werden. Diese Erkenntnisse werden genutzt, um das Sortiment im Markt besser zu präsentieren.

Bereits seit 1970 versorgt das Kaufhaus Kunden mit einem umfangreichen Sortiment an Lebensmitteln, Haushaltswaren und Drogerie-Artikeln. Das Familienunternehmen beschäftigt derzeit 180 Mitarbeiter. Eine Videoüberwachung installierte Lestra erstmals Ende der 1990er Jahre, mit nennenswertem Erfolg: Die zuvor relativ hohen Inventurdifferenzen konnten deutlich reduziert werden. Die analoge Anlage war inzwischen jedoch in die Jahre gekommen. Zudem waren Aufzeichnungen nur begrenzt und im Zeitraffer-Modus möglich und die Auflösung der Aufnahmen lieferte nicht die gewünschten Details.

Details im Megapixel-Bereich

„Von einer Erneuerung der Videoüberwachung erwarteten wir uns vor allem drei Vorteile“, erläutert der Geschäftsführer. „Wir benötigten Kameras mit einer hohen Auflösung, um im Kassenbereich Unregelmäßigkeiten leichter feststellen zu können. Aufzeichnungen in Echtzeit sollten es uns zudem ermöglichen, Vorfälle in der Vergangenheit zu überprüfen, beispielsweise wenn Differenzen in den Regalen festgestellt werden. Und schließlich war uns der Fernzugriff wichtig, mit dem wir im Alarmfall schnell überprüfen können, was tatsächlich vor sich geht.“

Das Bremer Kaufhaus entschied sich für eine neue Videoüberwachungsanlage mit IP-basierten Kameras von Axis Communications. Inzwischen sind auf den 3.000 Quadratmetern Marktfläche über 100 Kameras im Einsatz. Als sinnvoll erwies sich hier insbesondere die Mischung der unterschiedlichen Modelle, wie Strangemann betont: „Für die Gänge oder das Lager genügt uns ein relativ grober Überblick, damit wir bei Vorfällen erkennen können, was überhaupt passiert. Im Kassenbereich ist uns jedoch Detailgenauigkeit wichtig: Hier setzen wir Kameras mit einer hohen Auflösung von 5 Megapixel ein und können so beispielsweise Betrügern leichter auf die Spur kommen.“ Auch für große Flächen wie dem Parkplatz mit rund 200 Stellplätzen ist die hohe Auflösung von Vorteil: Hier genügt jetzt eine einzelne Dome-Kamera, wo früher mehrere analoge nötig waren.

Das Konzept für die Videoüberwachung entwickelte die Geschäftsführung in enger Zusammenarbeit mit der Belegschaft. Zudem wurde die Überwachung intern sehr transparent gestaltet: An eigens eingerichteten Anzeigestationen sehen die Mitarbeiter, was überwacht wird. Das erleichtert ihnen die Arbeit: So können beispielsweise die Mitarbeiter im Kassenzählbüro auf den Monitoren direkt sehen, wie hoch die Frequenz an den Kassen ist und ob neue Kräfte benötigt werden. Auch in Fällen von Betrug an den Kassen wissen die Mitarbeiter die Überwachung zu schätzen: Die Aufnahmen entlasten nicht nur die Kassierer von einem eventuellen Betrugsverdacht, sie zeigen auch, wie die Betrüger vorgehen.

Die fast flächendeckende Erfassung des Kaufhauses per Video nutzt nicht nur der Sicherheit: Die Videobilder werden auch genutzt, um zu analysieren, wie sich die Kunden durch den Markt bewegen. Dafür erstellt eine Software sogenannte Heat-Maps, die per Farbmarkierung verdeutlichen, wie hoch die Kundendichte in bestimmten Bereichen des Marktes ist – ähnlich wie in einem Wärmebild. Über solche Analysen gewinnt die Geschäftsführung Erkenntnisse für das Marketing und die Produktpräsentation. So konnten etwa die Umsätze bei Schreibwaren durch eine veränderte Produktpräsentation gesteigert werden. „Der Schreibwarenbereich befindet sich optisch mitten im Markt. Heat-Mapping-Analysen haben ergeben, dass sich in diesem Bereich zu wenig Kunden bewegten, weil die meisten den Weg außen herum nahmen“, erklärt Strangemann. „Wir haben deshalb die Regalhöhen abgesenkt und den Bereich optisch aufgewertet.“

Aktuell arbeitet Lestra daran, die Videoüberwachung in eine intelligente Steuerung des gesamten Marktes einzubinden. Ein Schritt dahin ist die Vernetzung der Kameras mit Bewegungsmeldern und Alarmanlage. Diese soll es möglich machen, im Alarmfall Bilder der Überwachung mobil abzurufen. „Alles, was einen Stromanschluss besitzt, kann künftig angesteuert werden“, erklärt Strangemann.

Bildquelle: Günther Richter/ pixelio.de

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