Rahmenbedingungen schaffen

Technikgläubigkeit allein reicht nicht

Manfred Hummenberger vom österreichischen Hersteller von Fahrerlosen Transportlösungen DS Automotion verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der Intralogistik. Im Interview erklärt er, was die Vorteile dieser Technologie sind, wo aktuell noch Handlungsbedarf besteht und wie das Lager von morgen aussehen könnte.

  • Technikgläubigkeit allein reicht nicht

    Fahrerlose Transportsysteme werden nicht nur aus Bequemlichkeit eingesetzt, sie sind vor allem ein Organisationsmittel. ((Bild: DS Automotion))

  • Technikgläubigkeit allein reicht nicht

    Manfred Hummenberger ist Geschäftsführer des österreichischen Herstellers DS Automotion und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet des Fahrerlosen Transports. ((Bild: DS Automotion))

Herr Hummenberger, wo liegen die großen Chancen von Fahrerlosen Transportsystemen (FTS) in der Logistik?
Manfred Hummenberger:
Sowohl produzierende Unternehmen als auch Logistikunternehmen müssen heute flexibler denn je agieren und reagieren können. Stichworte sind hier steigende Einzelstück-Bestellungen und hohe Variantenvielfalt. Dies stellt vor allem auch die innerbetriebliche Logistik vor großen Herausforderungen. Mit dem Einsatz von Fahrerlosen Transportsystemen kann ein solch hohes Maß an Flexibilität erreicht werden. Zusätzlich bringt die Automatisierung des innerbetrieblichen Materialflusses auch Ruhe, Ordnung und Transparenz in die logistischen Abläufe.

Was sind aktuell noch Hürden und was bremst den Vormarsch der Technologie?
Hummenberger:
Technikgläubigkeit alleine schafft noch keine erfolgreichen Projekte. Im industriellen Einsatz braucht Automatisierung immer noch gewisse Rahmenbedingungen bzgl. Infrastruktur und Organisation. Nur so können technisch wirtschaftliche Lösungen mit hoher Prozesssicherheit und Leistungsfähigkeit erfolgreich umgesetzt werden. Leider sind diese Voraussetzungen oftmals nicht gegeben oder es werden deren Bedeutung und Einfluss unterschätzt bzw. bei der Planung im Vorfeld zu wenig berücksichtigt. Beim Einsatz im öffentlichen Bereich, gibt es nach wie vor einen großen Graubereich in Bezug auf die erforderliche Sicherheit zum Schutz von Personen. Hier hinkt die Gesetzgebung eindeutig den aktuellen technischen Entwicklungen hinterher. Für Unternehmen, die sich auf dieses Terrain wagen, stellt das ein hohes Risikopotential dar. Viele scheuen davor zurück.

Wie aufwändig ist es, bereits etablierte Mitarbeiter an die neue Technologie heranzuführen? Wie groß ist die Akzeptanz der Mitarbeiter für ihre neuen „Kollegen“?
Hummenberger:
Wenn den Mitarbeitern im Vorfeld kommuniziert wird, dass Fahrerlose Transportsysteme zur Unterstützung angeschafft werden, so sind unsere Erfahrungen durchwegs positiv. Wie und wann das kommuniziert wird, liegt dabei in der Hand jedes einzelnen Unternehmens.

Was bedeutet die Etablierung von FTS generell für den Arbeitsmarkt in der Logistikbranche?
Hummenberger:
Viele Betriebe leiden zum Beispiel darunter, nicht mehr ausreichend Personal für das Fahren von Staplern zu finden. Mit Blick auf die Effizienz und den genannten Fachkräftemangel werden dabei zunehmend FTS eingebunden. Dadurch bleiben Unternehmen wettbewerbsfähig.

Wie kommunizieren die einzelnen Einheiten einer Flotte miteinander und welche Rolle spielen hier mobile Endgeräte als Schnittstelle zwischen Mensch und Technik?
Hummenberger:
Bei FTS von DS Automotion macht die Software den Unterschied. DS Navios ist die Intelligenz der Intralogistik und sorgt mit minimalem Fahrzeugeinsatz für einen effizienten Einsatz der Fahrerlosen Transportfahrzeuge (FTF), die in der Regel über modere Wireless LAN Technologien kommunizieren. Fahrzeuge treten selten einzeln auf, meist in größeren, oft auch gemischten Gruppen, die mit dem Unternehmenserfolg des Anwenders mitwachsen und auch mal schnell über hundert Stück umfassen können. Wichtig für den effizienten, reibungslosen und sicheren Betrieb solcher Systeme ist die Intelligenz der Steuerungs- und Leitsoftware und natürlich eine nutzerfreundliche Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Als Interface kommen dafür immer mehr Smartphones oder Tablets zum Einsatz, die den Anwendern bereits aus dem privaten Einsatz sehr bekannt und vertraut sind und daher auch schnell Akzeptanz finden.

Was sind die nächsten Schritte in diesem Bereich? Wo werden wir in 5 Jahren stehen?
Hummenberger:
Momentan entwickelt sich das Thema FTS sowohl in technologischer Sicht als auch aus Sicht der Anwendungen sehr rasant weiter. Neben dem flexiblen und für die Kunden maßgeschneiderten FTS Anlagengeschäft etabliert sich in vielen Bereichen auch immer mehr ein sehr standardisiertes FTS Produktgeschäft. Die Verbreitung von FTS schreitet dadurch auch weiterhin massiv voran und man kann davon ausgehen, dass das auch über die nächsten Jahre so bleiben wird. Von den großen Entwicklungen der Sensor- und Rechnertechnik auf dem Gebiet des autonomen Fahrens, als auch den Fortschritten bzgl. E-Mobilität und modere Energiekonzepte der nächsten Jahre wird auch das FTS profitieren.

Wie bewerten Sie das Zukunftspotenzial von FTS in der Logistik?
Hummenberger:
Industrie 4.0 bringt nun endlich auch die Logistik in den Fokus und damit die Einsicht und den Ansporn, sich dort über Optimierungs- und Automatisierungsmöglichkeiten ernsthaft Gedanken zu machen. Transportsysteme müssen in der Lage sein, Systeme zu vernetzen, mit anderen Systemen zu kommunizieren, sich selbständig an geänderte Anforderungen zu adaptieren, Daten zu sammeln und Abläufe zu optimieren. Fahrerlose Transportsysteme sind somit per se Intralogistik 4.0.  Als Hersteller von Fahrerlosen Transportsystemen machen wir seit über 30 Jahren Intralogistik 4.0, wobei natürlich die verwendeten Technologien immer wieder verbessert und weiterentwickelt wurden. Die Vernetzung in der Logistik steht noch am Anfang hier gibt es noch viel Luft nach oben, vor allem für FTS.

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