Mit dem Smartphone die Zeche zahlen

Technische Hürden beim Mobile Payment überwinden

Mobile Payment hat das Potential, sich vom Randphänomen zur gängigen Zahlmethode zu entwickeln. Doch damit dem Smartphone als neue Geldbörse in Deutschland der Durchbruch gelingt, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Viele Technologien zur Auswahl
Wer gelegentlich U-Bahn fährt, weiß genau, was mit dem Begriff „Generation Kopf unten“ gemeint ist. Smartphones sind allgegenwärtig – immer dabei und in jeder Sekunde zur Hand. Und so hat das Smartphone zweifelsohne auch das Potential, dem Portemonnaie seinen Stammplatz in der Hosentasche abspenstig zu machen.

Laut einer aktuellen KPMG-Umfrage unter Konsumenten würden inzwischen rund 41 Prozent die Möglichkeit von Mobile Payment gerne nutzen. Damit ist die Bereitschaft zum mobilen Bezahlen im Vergleich zu den Vorjahren immens gewachsen. Auch der Umsatz im mobilen Handel in Deutschland steigt rapide: Ende 2014 wird er sich im Vergleich zu 2013 mit einem Volumen von 6,6 Milliarden Euro mehr als verdoppelt haben. Damit ist Deutschland im Europavergleich nach Großbritannien (9,6 Mrd. Euro Umsatz 2014) die Nummer zwei beim Umsatz im M-Commerce. Händler, die ihren Kunden diese Möglichkeit des Zahlens künftig bieten, sichern sich somit einen Wettbewerbsvorteil. Schon jetzt wirken Händler, die eine Bezahlung über ein Mobiltelefon anbieten, auf Kunden innovativ und gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer schreibt diesen Händlern zu, besonders kundenfreundlich zu sein.

Der Anspruch: einfach, schnell und sicher

Derzeit werden Mobile-Payment-Dienste lediglich von rund 15 Prozent der Verbraucher genutzt. Damit das mobile Bezahlen nicht länger Nischenanwendung bleibt, sondern sich tatsächlich neben den traditionellen Methoden wie Bargeld oder Kartenzahlung etabliert, müssen noch einige Bedingungen erfüllt werden. Zwei Aspekte ragen heraus: Für die Nutzer muss eine Lösung schnell und bequem sein, für den Handel muss sie eine verbesserte Kundenbindung mit sich bringen. Gegenwärtig stehen umständliche Registrierungen und komplizierte Verfahren an den Kassen diesem Anspruch im Weg. Neben technischen Hürden sind die Sicherheitsbedenken der Konsumenten nach wie vor groß. Sie verhindern aktuell eine weite Verbreitung entsprechender Tools, die diese Zahlungsweise erlauben. Für Anbieter heißt es daher verstärkt: Hohe Sicherheitsstandards gewährleisten und vor allem, die Vorteile glaubhaft zu erläutern, sodass Vertrauen bei den Anwendern entsteht.

Welche Technologie hat die Nase vorn?

Unklar ist bisher auch, welche Technologie das Rennen machen wird. Noch nie waren so viele große Unternehmen und kleine Start-ups gleichzeitig bestrebt, das Smartphone in eine Geldbörse zu verwandeln. Momentan ist das Bezahlen per SMS die am weitesten verbreitete Variante – noch vor der Zahlung per App durch das Scannen eines QR-Codes. Auf Platz drei stehen Anwendungen auf Basis der NFC-Technologie. Eine weitere – wenn auch weniger stark genutzte – Technologie ist Dongle Payment, bei dem ein Kartenlesegerät oder -adapter am Telefon für die Zahlung mit Kreditkarten sorgt. Auf Basis von BLE (Bluetooth Low Energy) ist eine Zahlung mittels der Beacon-Technologie möglich, die Funktechnik hat eine Reichweite von bis zu zehn Metern.

Welche technischen Lösungen und Anbieter sich langfristig am deutschen Markt durchsetzen, ist noch nicht ersichtlich. Festzuhalten bleibt aber, dass Einzellösungen, wie sie etwa derzeit von Lebensmitteleinzelhandelsketten eingeführt werden, nur begrenzt zukunftsfähig sind. Nur wenn die Marktdurchdringungen des Anbieters groß genug ist, haben derlei Lösungen eine Chance.

Bildquelle: Thinkstock/ iStock

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