Robotik als Marktmacht

Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

Noch sind es harmlose Spielzeuge oder lärmende Tragesel, aber bald werden sie zu Butlern und Fabrikarbeitern. Die Robotik macht rasche Fortschritte, die Privatleute zu Hause nachvollziehen können.

Roboter sind bald kein Spielzeug mehr

In der Zukunft wären wir zum Mars geflogen, hätten Urlaube auf dem Mond gemacht und würden auf unseren Business-Meetings die Aktentaschen von einem humanoiden Roboter nachgetragen bekommen. Schöner alter Futurismus, Marke “Das neue Universum”, der hochspannenden Jungslektüre aus den Jahren um 1970.

Andy Rubin von Google macht sich jetzt daran, einige Träume der ewig Zwölfjährigen zu verwirklichen. Allerdings müssen wir vorläufig auf freundlich-eloquente Blechbutler vom Typ C3PO in unseren Heimen verzichten. Es geht um etwas anderes, es geht um Industrie und Märkte. Es geht darum, die Utopie der menschenleeren Fabrik zu verwirklichen.

Denn das stört einen Robotikfan ganz ungemein: Die Produktion von mobiler Hightech-Elektronik ist wesentlich Handarbeit. Nur menschliche Hände und das Geschick ihrer Träger sind bisher in der Lage, die filigranen und dicht gepackten Bauteile von Smartphones zu einem Objekt der Techno-Begierde zu montieren.

Roboter als Lastesel für das Militär

Ein unhaltbarer Zustand, finden die Googlistas und rufen die Revolution aus: Produktionsmittel in Roboterhand. Dann kann endlich die 24*7-Produktion ohne Streiks, Krankheitstage und lästige Kinderarbeitsskanadale verwirklicht werden. Noch ist es nicht soweit, doch Rubin ist sicher, dass ein Durchbruch nicht mehr weit ist.

Die Promovideos von Boston Dynamics sprechen für diese Überlegung. Die Produkte des von Militärs gepäppelten Robotikunternehmens sind zwar noch weit von den Fähigkeiten der Menschen entfernt, aber laufen und dabei Lasten tragen können die Dinger bereits.

Tatsächlich zeigt sich hier ein enormer Fortschritt, der unter anderem durch die rasante Leistungsverbesserung von Mikrochips möglich wurde. Mit einem sehr klein wirkenden Computer sind heute Rechenleistungen möglich, die noch vor wenigen Jahren einen Riesenkasten vom Format eines Umzugskartons erfordert hätten.

Dies erlaubt inzwischen auch einen Einsatz von Robotern zu Hause. Sie sind zwar erst noch eine Art Hightech-Spielzeug für Enthusiasten, doch solche Dinge kommen an - zumindest auf Crowdfunding-Plattformen. Eine ganze Reihe von Robotikprojekten haben ihre Finanzierungsziele nicht nur erreicht, sondern mehr als deutlich übertroffen.

Romo ist eine Art Robot-Haustier, das ein iPhone als Gehirn nutzt. Der Roboter besteht aus einer Antriebseinheit mit iPhone-Halterung (4/4S/5/5S) und wird durch eine regelmäßig aktualisierte App gesteuert. Er kann über ein zweites Gerät via WLAN ferngesteuert werden, aber auch seine Umgebung allein erkunden und nimmt dabei Fotos oder Videos auf. Dank Gesichtserkennung freute er sich mittels Smiley-Gesicht auf dem Display, wenn er dabei auf seinen Besitzer trifft.

Robotik-Baukasten für Nerds

Auch Multiplo ist ein Spielzeug, aber ein extrem hochwertiges. Der  Open-Source-Technikbaukasten mit dem Schwerpunkt Robotik bietet eine enorme Vielfalt an Bauteilen und kann mittels 3D-Drucker oder Laser Cutter erweitert werden. Außerdem hat sich rund um das Baukastensysteme eine Szene aus “Makern” entwickelt, die viele Zusatzprodukte herstellen.

Gesteuert wird ein solcher Roboter mit einem Arduino-kompatiblen Mikrocomputer, der deshalb recht leicht mit diversen Bauteilen erweiterbar ist.  Außerdem gibt es eine Vielzahl an Sensoren und Servos Die Programmierung geschieht ebenfalls mit dem Arduino-System und einer speziell an Multiplo angepassten Software-Bibliothek.

Ebenfalls ein Baukastensystem, aber mit geringerem Nerdfaktor ist MOSS. Hier wird weniger geschraubt als vielmehr gesteckt. Die Roboter werden aus vorgefertigten Bauteilen zusammengesetzt, die mit einer trickreichen Magnetverbindung ausgestattet sind. Sie dient gleichzeitig auch als elektrische Verbindung, so dass ein Roboter recht schnell entsteht.

Im Unterschied zu Multiplo hat das System nur relativ wenige Freiheitsgrade, dürfte aber für weniger geschickte (oder jüngere) Robotikfans auch weniger frustrierend sein. Hier steht eher die Spielfreude im Vordergrund und das System dürfte sich deshalb am ehesten für einen vorweihnachtlichen Spontankauf als Geschenk oder Eigengeschenk eignen. Noch allerdings ist das Funding auf Kickstarter nicht abgeschlossen, Vorbestellungen sind aber noch einige Tage möglich.

Bildquelle: Oliver Brandt / sxc.hu

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