Weniger Präsenzkultur und mehr Flexibilität

Turbo für die Digitalisierung

Die Arbeitswelt musste sich in diesem Jahr bereits einigen Herausforderungen stellen – denn die Corona-Pandemie hat viele ins Home Office versetzt. Peer Stemmler, Head of DACH bei Zoom Video Communications, ist davon überzeugt, dass sich flexiblere Arbeitsmodelle in Zukunft durchsetzen werden.

Peer Stemmler, Zoom

„Die Präsenzkultur ist ganz klar in Frage gestellt – braucht es wirklich immer ein Meeting vor Ort, um Entscheidungen zu treffen?“, sagt Peer Stemmler von Zoom.

MOB: Herr Stemmler, zu Beginn des Jahres hat die Corona-Krise die Arbeitswelt auf die Probe gestellt und bestehende Prozesse mussten angepasst werden. Welche Veränderungen konnten Sie feststellen?
Peer Stemmler:
Für mich persönlich hat sich räumlich gesehen seit Corona nicht viel verändert: Ich arbeite im Home Office und muss dafür nur unsere Wohnung verlassen und eine Etage tiefer gehen. Aber für einen Großteil der Bevölkerung wurde der Büroalltag natürlich ordentlich auf den Kopf gestellt: Jeder zweite Berufstätige hat laut Bitkom infolge der Pandemie ganz oder zumindest teilweise im Home Office gearbeitet. Das ist natürlich eine ganz schöne Umstellung. Daher freuen wir uns, dass wir als Unternehmen unseren Nutzern in dieser herausfordernden Zeit helfen können, in Verbindung zu bleiben – ob beruflich oder privat. Gleichzeitig sind wir uns der immensen Verantwortung bewusst. Die Nutzung unseres Videokonferenz-Tools ist über Nacht sprichwörtlich explodiert – als wir uns Ende Februar dazu entschlossen haben, zu helfen und unseren Service auch Privatleuten anzubieten, haben wir damit wirklich nicht gerechnet. Über 100.000 Schulen in 25 Ländern haben beispielsweise unser Angebot genutzt und im April hatten wir weltweit 300 Millionen tägliche Meeting-Teilnehmer.

MOB: Welche Vor- und auch Nachteile ergeben sich daraus und wie nehmen aus Ihrer Erfahrung die Mitarbeiter diese wahr?
Stemmler:
Die Krise wirkt wie ein Turbo für die Digitalisierung. Viele Unternehmen, Verwaltungen und Einrichtungen mussten in kürzester Zeit Lösungen finden, um den Betrieb auch remote aufrechtzuhalten. Beschäftige im Home Office hatten dadurch die Möglichkeit, auch während des Lockdowns ihrem Beruf weiter nachzugehen und ihre Gesundheit zu schützen. Und wir sprechen endlich über neue Chancen statt über die Nachteile der Digitalisierung. Ich bin mir sicher, dass aufgrund der positiven Erfahrungen, die die Unternehmen in den letzten Monaten gemacht haben, vieles dauerhaft in die Arbeitswelt Einzug hält und auch langfristig zu flexibleren Arbeitsmodellen und weniger Präsenzkultur führt.

Bei flexibleren Modellen wie etwa dem Home Office sind bewusste Pausenzeiten ganz wichtig. Das kommt leider oft zu kurz. Wir sind es bei Zoom zwar gewöhnt remote zu arbeiten, aber auch ich muss mich immer wieder disziplinieren, Pausen einzuplanen, um nicht doch stundenlang ununterbrochen vorm Rechner zu sitzen. Das schlaucht und ist nicht gesund. Im Büro gibt es immer wieder „natürliche Unterbrechungen“, die einfach guttun, wie den Plausch an der Kaffeemaschine, im Fahrstuhl oder auf dem Flur. Ich gehe z.B. gerne nach oben in die Küche und schmiere mir ein Käsebrot oder trinke einen Kaffee. Das hilft mir dabei, kurz abzuschalten und mich danach wieder besser zu konzentrieren.

MOB: Was ist alles nötig, um erfolgreich aus der Ferne im Team zusammen arbeiten zu können?
Stemmler:
Es ist wichtig, ein Gespür für seine Mitarbeiter zu haben, empathisch zu sein, die Wünsche und Nöte der Kollegen ernst zu nehmen und ihnen zu vertrauen. Die räumliche Distanz ist aus meiner Sicht kein Hindernis. Videokonferenzlösungen wie Zoom sind hilfreiche Tools, um auch remote in Kontakt zu bleiben, sich auszutauschen und wortwörtlich zu sehen, wie es allen geht.

MOB: Wie könnte sich der Arbeitsmarkt hinsichtlich des remoten Teamwork künftig entwickeln?
Stemmler:
Die Präsenzkultur ist ganz klar in Frage gestellt – braucht es wirklich immer ein Meeting vor Ort, um Entscheidungen zu treffen? Ich denke nicht. Auch seitens der Mitarbeiter werden flexible Arbeitsmodelle sicherlich vermehrt nachgefragt, da sie sich einfach leichter mit dem Privatleben vereinbaren lassen.

Zudem hat sich die digitale Meeting-Kultur geändert: Damals fanden alle Robert Kellys Aufritt in der BBC, bei dem seine Kinder und Frau durch den Bildschirm liefen, noch furchtbar unangenehm. Mittlerweile ist das ein ganz klarer Trend. Mitarbeiter im Homeoffice holen ihre Partner, Kinder oder Haustiere zum Meeting dazu – das ist nicht peinlich, sondern unterhaltsam und vor allem menschlich.

Bildquelle: Zoom

©2021Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok