„Die Lösung für den digitalen Impfnachweis wird bereits von zwei deutschen Landkreisen in Bayern sowie Baden-Württemberg angeboten“, so Stephan Noller, CEO von Ubirch.
MOB: Herr Noller, inwieweit können etwa auch Künstliche Intelligenz (KI) und Internet-Of-Things-Sensoren (IoT) bei der Impfstofflogistik helfen?
Stephan Noller: Mithilfe von IoT-Sensorik, die Lokation und Temperatur überwacht und diese Daten zeitnah überträgt, kann nachverfolgt werden, zu welcher Zeit sich ein Container an welchem Ort befindet und welche Temperatur in dem Container herrscht. So kann z.B. in der Impfstofflogistik überprüft werden, ob die notwendige Kühlkette eingehalten werden konnte – und zwar über den gesamten Verlauf.
MOB: Wie wird die Sicherheit der Impfstoffe bei Transport und Lagerung gewährleistet – vor allem auch im Hinblick auf Cyberkriminelle, die die Supply Chain angreifen könnten?
Noller: Dabei ist entscheidend, dass die durch die Sensoren gesendeten Daten vertrauenswürdig sind. Ubirch setzt dabei direkt an der Quelle an – dem IoT-Sensor. Mittels robuster Kryptografie und innovativer Blockchain-Technologie versiegeln wir jedes einzelne Datenpaket direkt am Ort der Datenerfassung. Es entsteht eine unveränderliche „Chain of Trust“, die von der Quelle ab garantiert, dass IoT-Daten nicht manipuliert, dupliziert oder gelöscht wurden. Die so gesicherten Daten lassen sich von jedem Empfänger jederzeit und überall verifizieren – so als stünde man direkt vor der Quelle der Erhebung. Dies ist in einer Lieferkette mit mehreren Beteiligten ein großer Vorteil, gerade in der Impfstofflogistik. Hier haben viele Beteiligte ein Interesse an der Korrektheit der Daten und somit dem Wissen über die Einhaltung der Kühlkette vom Produzenten über das Impfzentrum bis zum Staat, Gesundheitsbehörden und letztendlich auch der Patient. Mit unserer Technologie können alle Beteiligten die Authentizität und Integrität der Messdaten verifizieren und es fällt auf, wenn Manipulationen durch Dritte auf dem Übertragungsweg stattfindet.
MOB: Welche Rolle werden Hygienekonzepte z.B. in Unternehmen/Büros in Zukunft spielen, wenn immer mehr Menschen geimpft sind?
Noller: In Bereichen wie Touristik, Großveranstaltungen oder am Arbeitsplatz wird vermehrt auf Nachweise für ein negatives Testergebnis oder einen Impfnachweis gesetzt. Digitale Lösungen vereinfachen nicht nur die Überprüfung, sondern können auch die Echtheit und Unverfälschtheit der vorgelegten Nachweise garantieren. Wir haben deshalb mit Partnern wie der Govdigital eG eine einfach zu implementierende Lösung entwickelt, um mit robuster Kryptografie und innovativer Blockchain-Technologie den Test- oder Impfstatus einer Person digital und datenschutzkonform abzubilden und überprüfbar zu machen. Dafür werden die erforderlichen Informationen vor Ort im Test- oder Impfzentrum erfasst und anschließend codiert sowie digital lesbar in Form eines QR-Codes an die getestete oder geimpfte Person übergeben. Die Daten werden dabei kryptografisch signiert und von uns anonymisiert als unveränderbarer Nachweis in mehreren Blockchains hinterlegt. Durch die digitale Signatur des Ausstellers werden die Integrität und Authentizität sichergestellt und überprüfbar. Daten werden dabei nicht übertragen. Die Lösung ist DSGVO-konform und entspricht höchsten Datenschutzanforderungen. Für eine Überprüfung des Test- oder Impfstatus einer Person müssen lediglich der QR-Code z.B. mit einer Verifikations-App gescannt und die Personendaten mit einem gültigen Personalausweis abgeglichen werden. Die Verifikation des vorgelegten Nachweises auf Authentizität und Echtheit erfolgt dabei automatisch im Hintergrund. Die Lösung für den digitalen Impfnachweis wird bereits von zwei deutschen Landkreisen in Bayern sowie Baden-Württemberg angeboten. Der digitale Testnachweis ist in den Corona-Testzentren des Labors Centogene an mehreren deutschen Flughäfen erhältlich.
Bildquelle: Ubirch