Mitarbeiter im Homeoffice

Überwachung á la Big Brother?

Die Grenzen bei der Mitarbeiterüberwachung im Homeoffice setzt die DSGVO. Laut Dr. Roland Fleischer, einer der Geschäftsführer der Aretas GmbH in Aschaffenburg, ist eine lückenlose Überwachung ála Big Brother nicht erlaubt und das sei auch gut so.

Dr. Roland Fleischer, Aretas GmbH

Dr. Roland Fleischer von der Aretas GmbH hofft auf ein baldiges Ende der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen für Unternehmen.

MOB: Herr Dr. Fleischer, erneut befindet sich Deutschland im (Teil-)Lockdown. Wie hoch im Kurs steht demnach wieder das Arbeiten im Homeoffice?
Roland Fleischer:
Zunächst einmal ist es so, dass viele das Homeoffice seit März gar nicht mehr verlassen haben, bei anderen ist es jetzt wieder eine sinnvolle Option. Was wir in dem Zuge allerdings bedenken müssen: Nur Büroarbeitsplätze sind überhaupt Homeoffice-fähig. Mitarbeiter in Fertigung, Logistik, sozialen Berufen und viele andere können solche Möglichkeiten gar nicht wahrnehmen.

MOB: Die Corona-Pandemie dauert ja schon ein paar Monate an. Inwiefern haben die Unternehmen in dieser Zeit ihre Mobile-Working-Strategien anpassen bzw. mit entsprechenden digitalen Lösungen verbessern können?
Fleischer:
Anfangs waren viele Organisationen gar nicht oder nur schlecht vorbereitet. Bandbreiten, Lizenzen und technische Einrichtungen waren nicht adäquat oder fehlten teilweise ganz. Das sieht jetzt schon ganz anders aus. Für viele Unternehmen und Arbeitnehmer ist Mobile Working schon zur Normalität geworden. Es gibt eine ganze Reihe wirklich positiver Beispiele, wie Technologie hier unterstützen kann, z.B. virtuelle Whiteboards oder gemeinsames Arbeiten an Dokumenten in Online-Workshops – das alles ist schon fast selbstverständlich.

MOB: Wie gestalteten sich die ersten Reaktionen bzgl. des von Hubertus Heil angekündigten möglichen Mobile-Arbeit-Gesetzes?
Fleischer:
Viele Arbeitnehmer würden es sicher begrüßen, ihren Alltag flexibler gestalten zu können. Nicht für alle Unternehmen ist es allerdings machbar und es gibt für einige Organisationen gute Gründe, weiterhin auf Präsenz zu setzen. Meiner Ansicht nach sollte die Politik eher die Rahmenbedingungen verbessern etwa durch steuerliche Anreize und weniger Bürokratie – Stichwort „Arbeitszeiterfassung“. Leitplanken sind bei dem Thema deutlich besser als Regeln und außen aufgezwungene Rahmenbedingungen.

MOB: Unter welchen Bedingungen könnten sich die Führungs- und Chefetagen deutscher Unternehmen eine dauerhafte Homeoffice-Option für ihre Mitarbeiter vorstellen? Welche Regelungen müssten hierfür getroffen bzw. angepasst werden?
Fleischer:
Klar ist: Dort, wo die Arbeitsabläufe eine dauerhafte Homeoffice-Option ermöglichen, wird dies auch bald zur Realität und das auch ohne Anpassung von Regelungen. Strenggenommen müssen an den Heimarbeitsplatz die gleichen Arbeitsschutzmaßstäbe bezüglich der Ergonomie oder Unfallschutz angesetzt werden wie für die Arbeitsplätze im Büro auch. Das lässt sich meiner Meinung nach aber kaum realisieren. Arbeitgeber und Betriebsrat müssen eine Gefährdungsbeurteilung für das Homeoffice machen. Hier gibt es noch viel Luft nach oben – nachbessern sollte hier die Devise sein.

MOB: Mit welchen digitalen Tools und Lösungen lassen sich die Produktivität und Arbeitszeiten der Mitarbeiter auch im Homeoffice überprüfen?
Fleischer:
Produktivität bedeutet immer Ergebniskontrolle. Da braucht es keine neuen Tools oder Lösungen. Nach dem Urteil des EuGH müssen Arbeitszeiten sowieso aufgezeichnet werden. Da die Erfassung nicht genormt ist, können sich auch vergleichsweise simple Varianten wie etwa ein Formular hierfür anbieten. Wichtig ist nur, dass die Arbeitszeiten notiert und die Organisationen die Bögen wie vorgeschrieben zwei Jahre aufbewahren. Es gibt aber schon eine ganze Reihe elektronische Hilfsmittel, z.B. übers Smartphone. Hier gilt es aber, die Anwendbarkeit nicht aus den Augen zu verlieren – nicht jeder Mitarbeiter besitzt die technische Ausstattung.

MOB: Wo liegen die Grenzen der Mitarbeiterüberwachung im Homeoffice?
Fleischer:
Die Grenzen setzt hier die DSGVO. Eine lückenlose Überwachung ála Big Brother ist nicht erlaubt und das ist auch gut so. Die Frage geht allerdings auch von einem bestimmten Menschenbild aus, welches annimmt, dass Mitarbeiter nur arbeiten, wenn sie sich unter Aufsicht befinden. Viele Manager waren vermutlich überrascht, wie gut ihre Mitarbeiter arbeiten, ohne dass sie ihnen ständig über die Schulter schauen. Vertrauen ist hier der intelligentere Umgang mit der Unfähigkeit zur Kontrolle.

MOB: Wird das Mobile-Arbeit-Gesetz Ihrer Ansicht nach kommen – wenn ja, wann?
Fleischer:
Auch wenn es notwendig ist, hier eine Regelung zu finden, sind noch einige Punkte ungeklärt und zusätzlich hat der Koalitionspartner noch Einwände. Sicherlich kommt eine solche Regelung, ob diese aber noch in der Corona-Krise wirksam wird, bleibt fraglich. Hoffen wir auf ein baldiges Ende der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen für Unternehmen.

Bildquelle: Aretas

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