Mobile Payment: Interview mit Chrstoph Jung, Ogone

Umsatz steigern mit Multi-Channel

Im Interview berichtet Christoph Jung, Payment-Experte bei Ogone, über neue Möglichkeiten und Vorteile, die sich sowohl für Händler als auch für Kunden durch eine ausgefeilte Multi-Channel-Strategie ergeben.

Christoph Jung, Ogone

Christoph Jung, Payment-Experte bei Ogone

Herr Jung, immer mehr Onlinehändler ermöglichen ihren Kunden den Einkauf per Smartphone. Ist das nur ein kurzfristiger Hype oder eine echte Alternative, die sich durchsetzen wird?
Christoph Jung:
Der mobile Einkauf wird sich durchsetzen, das ist keine Frage. Adobe zufolge waren rund 60 Prozent der mobilen Einkäufer im vergangenen Jahr bereits über Apps auf Shoppingtour. Wir bei Ogone stellen ebenfalls ein starkes prozentuales Wachstum fest. Im Weihnachtsgeschäft wurden 4,5 Prozent aller Online-Einkäufe bereits per Smartphone gezahlt. Im Vergleich zum Vorjahr war das ein Zuwachs von zehn Prozent, auch wenn der Anteil am Gesamtumsatz noch überschaubar ist. Doch das wird sich schnell ändern.

Werden beim mobilen Einkauf andere Zahlarten bevorzugt als beim „normalen“ Online-Einkauf am PC?
Jung:
Beim mobilen Shopping ist die Kreditkarte beliebtestes Zahlverfahren, denn kaum jemand hat seine TAN-Liste zur Hand, wenn er unterwegs ist. Wenn Händler M-Commerce ernst nehmen, ­müssen sie daran denken, dass während einer ­Straßenbahnfahrt keiner Adressen oder Kontodetails in Formulare eintippen kann oder will.

Wie sieht Ihre Prognose für den Mobile-Payment-Markt aus? Wie zahlen wir Ihrer Meinung nach in fünf bis zehn Jahren?
Jung:
Fakt ist, dass Mobile Commerce noch in den Kinderschuhen steckt; beispielsweise werden Beträge noch über den Mobilfunkbetreiber als Direct Carrier Billing abgerechnet. Dies ist nur eine Evolutionsstufe zur nächsten Payment-Generation. Denkbar ist eine Zukunft ohne Formfaktor  – z. B. mit Biometrieverfahren.

Wenn wir schon von der Zukunft reden: Was brauchen Onlinehändler und deren Kunden und wo liegen die größten Herausforderungen?
Jung:
Für Händler gibt es bislang keine ausgereiften Multi-Channel-Lösungen. Multi-Channel umfasst Einkäufe im stationären Geschäft, Call-Center sowie E- und M-Commerce. Händler greifen derzeit meist auf unterschiedliche Payment-Plattformen zurück, über die die Zahlungstransaktionen abgewickelt werden und arbeiten mit verschiedenen Dienstleistern, technischen Anbindungen und Reportings, weil es bislang keine brauchbare Lösung gibt, die all diese Parameter vernünftig abbilden kann. Für Händler, die Multi-Channel anbieten, heißt das: Verkaufs-, Nachsende- und Retourenprozesse erfordern einen hohen manuellen Aufwand, erhöhen die Fehlerquote, treiben Kosten in die Höhe und steigern auch das Risiko durch Betrüger. Was Händler brauchen, ist eine intelligente Verknüpfung über alle Kanäle hinweg. So eine Lösung wollen wir zukünftig anbieten.

Welchen Vorteil erhalten Händler und Konsumenten durch derartige Lösungen?
Jung:
Die Lösung ist ein System, das wie ein zentrales Bindeglied die Transaktionen und Daten aller Kanäle heranzieht, homogenisiert und miteinander verknüpft. Durch die automatisierte Abwicklung über eine Plattform lassen sich manueller Aufwand, Fehlerquote und Kosten reduzieren, Prozesse optimieren und Betrüger schneller erkennen. Denn die Daten des Kunden sind nicht beim Händler, sondern sicher in der Datenbank des Payment-Service-Providers hinterlegt. Da alles aus einer Hand kommt, bleiben auch komplexe Prozesse übersichtlich. Der Händler kann auf seine Daten von allen Kanälen aus zugreifen.
 
Profitiert davon auch der Kunde?
Jung:
Der Kunde profitiert beispielsweise bei den Serviceleistungen. Nehmen wir den Warenumtausch als Beispiel: Ein Kunde kauft im Onlineshop per Kreditkarte einen Drucker, stellt aber nach Lieferung fest, dass er aus Versehen statt eines Farb- einen Schwarzweißdrucker gekauft hat. Im Laden kann er den Drucker umtauschen und sich persönlich beraten lassen. Die Preisdifferenz muss der Kunde nicht separat zahlen, sondern diese wird wieder von der gleichen Kreditkarte abgebucht, mit der er im Onlineshop bezahlt hat. Dem Verkäufer liegen alle Daten auf Knopfdruck vor, egal über welchen Kanal der Kunde bislang etwas gekauft hat.

Und wie können Multi-Channel-Lösungen dabei helfen, Zahlungsausfälle durch Betrüger zu verringern?
Jung:
Das Kundenverhalten lässt sich über alle Kanäle abgleichen. Hier ein Beispiel: Ein Passagier kauft sein Flugticket im Onlineshop per Wallet-Lösung, am Schalter beim Check-in bezahlt er das Übergepäck per Debit-Karte. Dann reserviert er den Mietwagen per Kreditkarte über den mobilen Shop. Den Duty-Free-Kauf im Flugzeug wickelt er ebenfalls mit der Kreditkarte ab. Er nutzt also an vier verschiedenen Orten vier unterschiedliche Kanäle und drei unterschiedliche Zahlverfahren. Der Empfänger indes ist ein einziger Händler. Identifiziert der Payment-Service-Provider die erste Transaktion als Risiko, werden dem Kunden bei den folgenden Käufen nur noch solche Zahlverfahren angeboten, die das Risiko eines Forderungsausfalls für die Fluggesellschaft auf ein Minimum reduzieren, also gesicherte Zahlverfahren. Mit so einer Lösung haben es Betrüger erheblich schwerer, Schaden anzurichten. Das sind also gute Nachrichten für Händler und die Konsumenten, denn wenn die Zahlungsausfälle sinken, profitieren sie in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld von besseren, sprich günstigeren Preisen.

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