Das dürfte Greta nicht gefallen

Umweltsünder: Bitcoin-Blockchain frisst zu viel Strom

Mitte September hat das Bundeskabinett die Blockchain-Strategie verabschiedet, mit der die Chancen jener Technologie genutzt und ihre Potenziale für die Digitale Transformation mobilisiert werden sollen. Doch gerade im Greta-Zeitalter sollte die Bundesregierung aufpassen: Denn laut Studien kann die Blockchain, die u.a. als technische Basis für Kryptowährungen wie Bitcoin fungiert, ein Stromfresser und damit Umweltsünder sein!

Stromfresser Blockchain

Die Blockchain frisst zu viel Strom und ist damit ein Umweltsünder.

Zwar ist die Währung Bitcoin virtuell, doch die Energie, die für ihren Einsatz verbraucht wird, ist mehr als real. Rund 46 Terrawattstunden an Stromverbrauch sollen das pro Jahr sein – Stand November 2018. Zugleich verursacht der Einsatz von Bitcoins jährlich rund 22 Megatonnen Kohlendioxid – wie eine detaillierte Kalkulation des CO2-Fußabdrucks der Kryptowährung zeigt. Hierfür wertete ein interdisziplinäres Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) in Detektivarbeit u.a. Börsenunterlagen von Hardware-Herstellern und IP-Adressen der Bitcoin-„Schürfer“ aus.

Zunächst errechneten die Autoren den Stromverbrauch des Netzwerks, der vor allem von der Ausrüstung abhängt, die zum Schürfen der Bitcoins eingesetzt wird. Das Ergebnis im November 2018: ein jährlicher Stromverbrauch von rund 46 Terrawattstunden. Welche CO2-Emmissionen verursacht die Erzeugung solch großer Mengen an Energie? Dieser Frage ging das Forschungsteam als nächstes nach und wollte sich auch hierbei nicht auf Schätzungen verlassen. Wichtig zu klären war, in welchen Ländern die Schürfer sitzen. Hier halfen dem Team erneut Livestatistiken von öffentlichen „Mining Pools“ weiter. „In diesen Gruppen haben Schürfer ihre Rechenleistung zusammengeschlossen, um bei der Lösung der Rechenaufgaben schneller zum Zug zu kommen – ähnlich wie bei einer Tippgemeinschaft“, erklärt Christian Stoll, der an der TU München und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) forscht.

Die IP-Adressen in den Statistiken der zwei größten Pools sollen gezeigt haben, dass sich die meisten Schürfer einem Pool in oder nahe ihrem Heimatland anschließen. So konnte das Forschungsteam 68 Prozent der Rechnerkraft des Bitcoin-Netzwerks in asiatischen Staaten, 17 Prozent in europäischen Ländern und 15 Prozent in Nordamerika lokalisieren. Dieses Ergebnis überprüfte das Team mit einer zweiten Methode: Hierzu lokalisierte es mit einer Internet-of-Things-Suchmaschine (IoT) die IP-Adressen einzelner Miner. Dann kombinierte man die Ergebnisse mit Statistiken zur CO2-Bilanz der Stromversorgung in den jeweiligen Ländern. So zeigte sich letztlich, dass das Bitcoin-System zwischen 22 und 22,9 Megatonnen Kohlendioxid pro Jahr verursacht. Wird die Kryptowährung damit zu einer zusätzlichen Belastung für das Klima?

Der CO2-Fußabdruck des Bitcoins mag zwar groß sein, doch viele Experten sind scheinbar der Meinung, dass es bedeutendere Faktoren für den Klimawandel gibt. Allerdings sollte über die Regulierung von Krypto-Mining an Standorten mit CO2-intensiver Stromproduktion diskutiert werden, betont etwa Stoll: „Um die ökologische Bilanz zu verbessern, wäre es beispielsweise möglich, mehr ,Mining-Farmen‘ mit zusätzlicher Erzeugung von erneuerbarer Energie zu koppeln.“

Übrigens: Laut dem Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index etwa liegt der voraussichtliche jährliche Bitcoin-Stromverbrauch aktuell schon bei rund 77 Terrawattstunden (Stand 21.11.19, 11 Uhr). Der Index kann live im Internet verfolgt werden – er aktualisiert sich alle 30 Sekunden.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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